07.05.2026 | NachrufPastorin Heide Steinwehr

„Ich sehe viel, wenn ich die Augen schließe“

 

Heide Steinwehr, Pastorin in Anklam, ist unerwartet im Alter von 35 Jahren gestorben. Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer hat die Kirchengemeinde Anklam und alle, die sie kannten, auf die Nachricht ihres Todes reagiert. Heide Steinwehr wurde am 26. Juni 1990 in Demmin geboren und wuchs mit zwei älteren Geschwistern, Maria und Henning, auf. Ruhig war sie, sie liebte das Nachdenken und die Geige und das dazu gehörige Kinderbuch über den Professor Einstein. Sie sang gerne in Gemeinschaft, in Demmin im Kinderchor, besuchte das Musikgymnasium.

 

„Ich sehe viel, wenn ich die Augen schließe“ – so hat sie gesagt. Sie suchte und fand ihre Rückzugsorte, das Lesen, Literatur, Gedichte. Bei ihrer Firmung, damals noch katholisch, fand sie sich wieder in der jungen Heiligen Fiona, Schutzpatronin der Dichter und Sternengucker.

 

Heide Steinwehr hatte ein waches Mitgefühl für alles Bedrohte. Hat sich aktiv für Frieden eingesetzt, für den Tierschutz, war den Menschen zugewandt, nahm ehrlich Anteil am Ergehen anderer.

 

Prägend war die Zeit nach dem Abitur, als sie, das war im Jahr 2009, ohne Geld loswanderte nach Italien, dabei zweimal den Gardasee umrundete und bis Sizilien kam.

 

„Ich sehe viel, wenn ich die Augen schließe“ – vielleicht war es diese Gabe, die Heide Steinwehr zum Theologiestudium bewogen hat. Mittlerweile evangelisch, konnte sie ihr Ziel Pfarramt verfolgen. Greifswald, Berlin, dann wieder Greifswald, begleitet von einer großen Leidenschaft für theologische und philosophische Fragen. Erste praktische Übungen erfolgten in Loitz, dann nach einem Interim als Pflegeassistentin für ihren Bruder Henning begann sie ihr Vikariat in Ütersen während der Coronazeit und nahm die erste Pfarrstelle in Burow an. Nach wenigen Jahren wechselte sie zur Evangelischen Kirchengemeinde Anklam. Hier fühlte sie sich angekommen, schätzte die Arbeit im Team und ihre kreativen Ideen fanden Resonanz. Etwas anderes probieren, z.B. einen Gottesdienst zum Valentinstag oder Aktionen zum Weihnachtsmarkt, andersherum denken, sich verkleiden, um auch einmal die Perspektive zu wechseln – und andere Menschen mit ins Boot zu holen und intensive Beziehungen aufzubauen, das waren einige der Stärken von Pastorin Steinwehr. Mit geistlicher Reife und liturgischer Freude feierte sie Gottesdienste, ihre Gedichte und Predigten zeugten von einer tiefen Seele und einer reichen Sprache. Heide Steinwehr hat Spuren hinterlassen, ihre Worte und ihr zugewandtes Wesen haben Menschen berührt und verändert. Sie selbst lebte einen hoffnungsvollen Glauben. „Die Hoffnung macht mich lebensfähig“,  – für sie war Hoffnung existentiell. Bei der Trauerfeier in Demmin hörten wir auf dein Wort aus dem Hebräerbrief: 

 

Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele, der hineinreicht in das Innere hinter dem Vorhang.

 

Pastorin Uta Voll