"Tag des offenen Denkmals" Zeugnisse des Lebens und des Glaubens im Rampenlicht
Foto: PEK/S. Kühl
09.09.2026 · Greifswald/Rostock. Schätze entdecken, Geschichte erleben und hinter sonst verschlossene Türen schauen: Am Sonntag, 13. September, findet bundesweit der „Tag des offenen Denkmals“ statt. Unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ öffnen auch in Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche historische Orte ihre Türen. Mehr als 100 evangelische Kirchen und Pfarrhäuser beteiligen sich in diesem Jahr.
Kirchenführungen, Konzerte, Turmbesteigungen, Vorträge, Ausstellungen und Begegnungen laden dazu ein, historische Gebäude aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Gerade viele Dorfkirchen sind dabei besondere Zeugnisse regionaler Geschichte – und zugleich bis heute lebendige Orte der Gemeinschaft.
Denkmale bewahren – Geschichte lebendig halten
In Mecklenburg-Vorpommern prägen Kirchen und Dorfkirchen vielerorts das Bild der Städte und Dörfer. „Denkmalschutz und kirchliches Leben gehören bei uns eng zusammen. Unsere Kirchen bewahren Geschichte – aber sie sind keine Museen. Sie sind Orte, an denen Menschen auch heute zusammenkommen, feiern, singen, beten und miteinander ins Gespräch kommen“, so der mecklenburgische Propst Dirk Fey. Zugleich seien in den Dörfern die Kirchen vielfach auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. „Besonders Kirchbauvereine organisieren Führungen, kümmern sich um Gebäude und Ausstattung, laden zu Konzerten und Begegnungen ein und tragen dazu bei, dass die Kirchen auch künftig Orte für die Dorfgemeinschaft bleiben.“
Ob aufwändige Restaurierungen, historische Ausstattungsstücke oder besondere Bauweisen: Hinter den Mauern der Kirchen gibt es viel zu entdecken. Zugleich erzählen die Gebäude von Glauben, Dorf- und Stadtgeschichte, von Kunst und Handwerk, von Krieg und Frieden und vom Engagement vieler Generationen. Kirchen sind Zeugnisse des Glaubens und der Kultur und zugleich Orte, an denen Geschichte bis heute lebendig ist. Der Denkmaltag lädt dazu ein, diese Orte neu zu entdecken und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich heute für ihren Erhalt und ihre Zukunft engagieren.
Das vollständige Programm des „Tags des offenen Denkmals“ ist auf der Internetseite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz abrufbar. Über den Suchfilter „Sakralbauten“ lassen sich die teilnehmenden Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern gezielt finden: www.tag-des-offenen-denkmals.de
Von der Dorfkirche bis zum Münster
Im Kirchenkreis Mecklenburg gibt es am Denkmaltag zahlreiche Angebote. Das Doberaner Münster im Landkreis Rostock lädt von 12 bis 15 Uhr zu einer Führung am und im Beinhaus ein.
Im Ostseebad Warnemünde (Hansestadt Rostock) ist die evangelisch-lutherische Kirche von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Gemeinde verbindet den Denkmaltag mit einem Gemeindefest. Kirchenführungen, Turmbesteigungen, Orgelkonzerte, ein Kunst- und Handwerkermarkt sowie ein Kuchenbuffet gehören zum Programm.
In der Landeshauptstadt Schwerin öffnen unter anderem die Schelfkirche St. Nikolai und die St. Paulskirche. In der Schelfkirche informiert ein Vortrag um 14 Uhr über die Geschichte und die bevorstehende Sanierung des Dachstuhls. Wegen der umfangreichen Sanierungsarbeiten soll die Kirche ab 2027 für etwa drei Jahre geschlossen werden.
Die St. Paulskirche ist von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Um 14 Uhr beginnt eine Kirchenführung, um 15 Uhr eine Orgelführung. Den Abschluss bildet um 17 Uhr ein Konzert mit Warnfried Altmann (Saxophon), Marvin Dillmann (Didgeridoo) und Daniel Bark (Piano).
Untergepflügte Kirchsteige zu entdecken
Ebenfalls an Pfarrhäusern führt kein Weg vorbei. Vor 800 Jahren wurden in Westmecklenburg Kirchdörfer angelegt, denen die umliegenden Ortschaften zugeordnet wurden. Kirchsteige verbanden die Dörfer. Ein Beispiel ist Groß Tessin im Landkreis Rostock, das von 1648 bis 1803 zu Schweden gehörte. Hier führte ein Kirchsteig über die Grenze vom mecklenburgischen Herrmannshagen bis direkt an das Pfarrhaus.
Die ehemalige DDR stellte Kirchdörfer wie Groß Tessin ins Abseits und Kirchsteige wurden untergepflügt. Das Pfarrhaus wird heute von Familie de Boor denkmalgerecht erhalten. Bei den Führungen am 13. September um 14, 15.30 und 17 Uhr werden ein freigelegtes Stück des Kirchsteigs, des ehemaligen Backhauses und im Haus gezeigt, wo früher „Leutestube“, „Privat“, „Zimmer der Frau“ und „Zimmer des Herrn“ waren und wo im Winter wieder Hausgottesdienste Menschen zusammenführen. Gemeinsam mit dem Förderverein werden Getränke und Kuchen angeboten, bei gutem Wetter auch Eis. Die Kirche Groß Tessin ist geöffnet. Für Kinder gibt es eine Schatzsuche.
Auch im Landkreis Ludwigslust-Parchim beteiligen sich zahlreiche Kirchen, darunter die Dorfkirchen in Kreien, Neuenkirchen bei Zarrentin, Sülten und Müsselmow, die Kirche Drefahl, die evangelisch-lutherische Kirche in Conow sowie die Reformationsgedächtniskirche St. Maria und St. Nikolaus in Sternberg.
In Kreien öffnen Kirche und Heimatstube um 13 Uhr. Rund um die Kirche kann gerätselt, gebastelt und entdeckt werden. Um 14 Uhr gibt es eine Andacht mit anschließender Enthüllung einer Gedenktafel für Erich Voutta, den ehemaligen Friedhofswart und Dorfchronisten. Nach Kaffee, Kuchen und weiteren Angeboten steht um 16.30 Uhr das Konzert „Musikalische Häppchen“ auf dem Programm. Die Dorfkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert.
In Wittenburg kann die Stadtkirche St. Bartholomäus von 13 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der um 1230 errichtete Bau zählt zu den ältesten Sakralbauten Mecklenburgs. Zu den besonderen Ausstattungsstücken gehören eine Tauffünte von 1342, ein Schnitzaltar aus dem 15. Jahrhundert und eine Orgel von 1848.
Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind unter anderem die Dorfkirche Möllenhagen und weitere Denkmale im Programm vertreten.
Dorfkirche Putzar: Kirche, Schloss und Park
Ebenso im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis öffnen zahlreiche Kirchen ihre Türen. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald lädt unter anderem die Backsteinbasilika Behrenhoff zum Besuch ein.
Ein besonderer Programmpunkt erwartet Besucherinnen und Besucher in Putzar. Dort werden Kirche, Schlossruine und Landschaftspark gemeinsam erkundet. Die Führung beginnt am Sonntag, 13. September, um 10 Uhr am Eingang zum Schlosspark und dauert etwa eine Stunde.
In der St.-Johannes-Kirche Schaprode auf Rügen beginnt der Tag um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst zum „Tag des offenen Denkmals“. Bei der anschließenden Kirchenführung geht es um die Geschichte Schaprodes als „Eingangshafen der Christianisierung Rügens“.
In Gingst sind die St.-Jacobi-Kirche und das Kantorhaus von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Unter anderem werden Baustellenführungen angeboten.
Die St.-Marien-Kirche in Waase auf Ummanz öffnet ab 12 Uhr. Bei Kaffee und Kuchen besteht Gelegenheit zur Besichtigung und zur Begegnung.
In Patzig beginnt der Denkmaltag mit einem Gottesdienst in der St.-Margarethen-Kirche bereits um 9 Uhr.
In Garz wird um 10.30 Uhr in der St.-Petri-Kirche ein Gottesdienst zum „Tag des offenen Denkmals“ gefeiert.
Die Maria-Magdalena-Kirche in Vilmnitz lädt um 10 Uhr zum Denkmaltag ein.
Auch in Stralsund steht die St.-Nikolaikirche im Zeichen des Denkmaltags. Der Besuch lässt sich mit einem Altstadt- und Festgottesdienst anlässlich des Jubiläums „750 Jahre St. Nikolai“ verbinden.
In der Universitäts- und Hansestadt Greifswald beteiligen sich gleich mehrere große Kirchen. Im Dom St. Nikolai beginnt der Tag um 10 Uhr mit einem Gottesdienst. Anschließend ist der Dom von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Zu entdecken sind unter anderem Kirchenschiff, Turm, Kranstube, Turmgefängnis, altes Uhrwerk und das neue Ostfenster. Führungen widmen sich außerdem den Wandmalereien in der Kapelle der Stille, der Empore des Schwedischen Hofgerichts und neu zugeschriebenen Pastorenporträts.
Die St.-Marienkirche Greifswald öffnet nach dem Gottesdienst um 10.15 Uhr bis 17 Uhr. Neben Führungen gibt es eine Kaffeetafel und ein Kuchenbuffet. Um 15 Uhr lädt die Gemeinde gemeinsam mit Chören der Stadt und dem Posaunenchor zu einem offenen Singen ein.
Auch die St.-Jacobikirche Greifswald beteiligt sich. Für Kinder gibt es um 14.30 Uhr ein besonderes Mitmachangebot: Mit zahlreichen Bausteinen können sie in der Kirche selbst bauen und dabei den Kirchenraum spielerisch entdecken.
Weitere Informationen
Der „Tag des offenen Denkmals“ ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days unter der Schirmherrschaft des Europarats. Jährlich öffnen bundesweit mehrere tausend historische Gebäude und Orte ihre Türen. Der Besuch ist in der Regel kostenfrei. Mehr: www.tag-des-offenen-denkmals.de
Quelle: ELKM/PEK (cme/skü)