Aus dem Gemeindeleben Sternenkinder-Café in Lärz bietet Raum für Trauer
Foto: H.J. Kohl
03.09.2026 · Lärz/Mirow. Wenn ein Kind vor, während oder kurz nach der Geburt stirbt, bleiben Eltern und Angehörige häufig mit einer tiefen Trauer und vielen Fragen zurück. Das Sternenkinder-Café in Lärz möchte Menschen, die ein Kind verloren haben, einen geschützten Raum geben, in dem Trauer, Schmerz und Erinnerungen ihren Platz haben. Das nächste Treffen findet am 29. September ab 18 Uhr im Backhaus auf dem ehemaligen Pfarrgrundstück in Lärz bei Mirow statt.
Eingeladen sind Frauen, Paare und Familien – unabhängig von Konfession, Religion oder Weltanschauung. Initiatorinnen des Sternenkinder-Cafés sind Pastorin Ulrike Kloss, Gemeindepädagogin Mascha Liesche und Yasmin Abu-Taa. Die ausgebildete Kinderkrankenschwester und Stillberaterin hat unter anderem in der Geburtshilfe und in einem Kinderhospiz gearbeitet und verfügt zudem über Erfahrungen als Babylotsin und in der Begleitung von Trauer- und Traumaerfahrungen.
„Dabei geht es immer ums Begleiten der Betroffenen und darum, ihren Gefühlen Raum zu geben und einfach für sie da zu sein“, sagt Abu-Taa. Gerade nach dem Verlust eines Kindes erlebten viele Eltern, dass Menschen in ihrem Umfeld nicht wüssten, wie sie mit der Situation umgehen sollen. „Sie wissen oft gar nicht, wohin mit ihrem Schmerz und ihrer Trauer. Sie trauen sich gar nicht mehr, das Thema anzusprechen, weil sie merken, dass auf der anderen Seite ein Vorhang runtergeht.“
Ein Ort, an dem sich Betroffene öffnen können
Deshalb sei es wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem Betroffene sich öffnen können und auf Menschen treffen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Die Idee für das Café entstand bei Yasmin Abu-Taa. Sie wandte sich damit an die Kirchengemeinde in Lärz. Pastorin Ulrike Kloss und Gemeindepädagogin Mascha Liesche griffen die Idee auf; auch der Kirchengemeinderat stimmte dem Vorhaben zu. Gemeinsam entwickelten die drei Frauen das Konzept. Dabei gelten zwei wichtige Grundsätze: Alles darf sein, nichts muss. Und: Was im Café erzählt und gezeigt wird, bleibt im geschützten Raum. „Man muss sich hier öffnen dürfen“, sagt Abu-Taa. „Denn hier gibt es Menschen, die einen verstehen, weil sie Ähnliches oder Gleiches erfahren haben.“
Das Treffen dauert etwa zwei Stunden. Zu Beginn sitzen die Teilnehmenden im Halbkreis um Kerzen. „Es wird eine Kerze für jedes Kind geben“, erklärt Abu-Taa. Wer möchte, kann den Namen des verstorbenen Kindes nennen. Anschließend gibt es Kaffee und Tee, eine warme Suppe mit Brot und ein Dessert. Ein kreatives Angebot soll zudem Gelegenheit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Die Teilnahme an den zwei Stunden ist ausdrücklich keine Verpflichtung. „Wenn es jemandem zu viel wird, kann sie oder er de oder einen Besucher kümmern.
Hoffnung auf eine feste Gruppe
Das Sternenkinder-Café versteht sich als offenes Angebot. „Es ist Nächstenliebe“, sagt Abu-Taa. „Die christlichen Werte, die dabei sind, die sollten eigentlich alle Menschen betreffen.“ Wenn weitere Unterstützung benötigt wird, können die Initiatorinnen Kontakte zu entsprechenden Hilfsangeboten vermitteln. Für die Zukunft hoffen die drei Frauen, dass aus den regelmäßigen Treffen eine feste Gruppe entstehen kann. „Vielleicht übernehmen irgendwann auch die Eltern oder ein Paar, die immer wieder kommen und sagen: Ich habe hier etwas Gutes erfahren und möchte das gerne weitergeben.“ Auch zum Weltgedenktag für verstorbene Kinder am zweiten Sonntag im Dezember ist eine gemeinsame Aktion geplant.
Quelle: kirche-mv,de (hjk/cme)
