"Schweriner Erklärung" der Ostdeutschen Diakonieverbände Für eine Zukunft der Menschenwürde und Nächstenliebe
01.09.2026 · Schwerin/Halle. Vier ostdeutsche Diakonieverbände haben am Dienstag mit der „Schweriner Erklärung“ einen gemeinsamen Appell zu den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin gestartet.
Der Aufruf richtet sich an alle demokratischen Parteien, einen gemeinsamen Weg für eine solidarische Zukunft zu finden, wie die Diakonie MV am Dienstag mitteilte. Zugleich appellieren die Diakonien MV, Mitteldeutschland, Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Sachsen an die Wahlberechtigten, ihr demokratisches Recht wahrzunehmen.
Mit rund 132.000 Mitarbeitenden in 6.500 Diensten und Einrichtungen leiste die Diakonie in Ostdeutschland einen zentralen Beitrag zur Daseinsvorsorge - besonders in Regionen, die von Armut, demografischem Wandel und strukturellen Herausforderungen geprägt sind. Die geplanten Reformen in Pflege, Gesundheit und Teilhabe würden die Versorgung gefährden. Die Pläne würden Familien, Menschen mit Behinderungen sowie ältere Bürgerinnen und Bürger überproportional belasten, so die Erklärung. Dabei bilde eine sozial gerechte Gesellschaft „das Fundament unserer Demokratie“.
Viel Armut im Osten
In ostdeutschen Bundesländern seien Kinder, Jugendliche und ältere Menschen überdurchschnittlich oft von Armut bedroht. Langzeitarbeitslosigkeit bleibe ein drängendes Problem, hieß es. Der demografische Wandel und insbesondere eine älter werdende Bevölkerung führten zu Engpässen in der Daseinsvorsorge. „Gerade im ländlichen Raum wird die soziale Infrastruktur stetig ausgehöhlt“, kritisieren die Verbände. Die von der Bundesregierung geplanten Änderungen in der Kranken- und Pflegeversicherung würden die ambulante Versorgung zudem „akut bedrohen“.
Diese Entwicklungen würden Menschen verunsichern und belasten. „Wir brauchen eine Politik, die Chancen für alle Menschen eröffnet, Zuversicht stiftet und Zusammenhalt stärkt. Das funktioniert nicht mit einfachen Lösungen und bedarf nachhaltiger Investitionen in den Sozialstaat“, heißt es in der Erklärung. Wer bei den Schwächsten spare, gefährde den sozialen Frieden und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in einen handlungsfähigen Staat.
Die vier Diakonieverbände appellieren an alle freiheitlich-demokratischen Parteien: „Finden Sie einen gemeinsamen Weg - für eine ostdeutsche Zukunft der Menschenwürde und Nächstenliebe.“ Zugleich seien alle Wahlberechtigten aufgerufen, ihr Stimmrecht zu nutzen und damit eine sozial gerechte, vielfältige und offene Gesellschaft im Land zu stärken.
Schweriner Erklärung der Ostdeutsche Diakonieverbände (PDF)
Quelle: epd