Mecklenburgische Synodale entschieden sich im 1. Wahlgang Pröpstin Antje Exner: "Verbindlichkeit und Zuhören sind für mich zentral"

Präses Dr. Christoph Heydemann (r.) gratuliert Antje Exner zur Wahl als mecklenburgische Pröpstin

Foto: kirche-mv.de/D. Vogel

13.03.2026 · Güstrow/Wismar. Antje Exner erhielt das Vertrauen: Die Mitglieder der mecklenburgischen Kirchenkreissynode wählten die 52-Jährige heute (13. März 2026) in Güstrow im 1. Wahlgang mit 37 Ja-Stimmen von 42 abgegebenen und 42 gültigen Stimmen zur mecklenburgischen Pröpstin mit Sitz in Wismar. Es gab 5 Nein-Stimmen. Zur Wahl nötig waren mindestens 28 Ja-Stimmen - die Mehrheit der gesetzlichen Anzahl von 55 Synodalen. Die Theologin war die einzige Kandidatin. Ihr Dienst als Pröpstin wird sie am 1. Juli 2026 beginnen.

Die jetzt gewählte Pröpstin ist Nachfolgerin von Propst Marcus Antonioli, der im Vorjahr zum Leiter des Dezernats „Personal im Verkündigungsdienst“ des Landeskirchenamts der Nordkirche in Kiel berufen worden war. Der zunächst gewählte Nachfolger, Pastor Jonas Görlich, hatte kurz vor der Einführung und dem Dienstantritt seinen Verzicht auf das Amt erklärt, so dass jetzt eine Neuwahl anstand.

 

Das Propstamt wird im Kirchenkreis Mecklenburg von vier pröpstlichen Personen – künftig drei Pröpstinnen und einem Propst – in gemeinsamer Verantwortung wahrgenommen. Zugleich tragen sie jeweils Sorge für ihr Propsteigebiet (Seelsorgebezirk) und ebenso für gemeinsame Aufgaben im kreiskirchlichen Dienst, etwa für die Verwaltung, die Diakonie oder für die Dienste und Werke. Die pröpstlichen Personen haben ihren Sitz in Parchim, Wismar, Rostock und Neustrelitz.

 

Alle kirchlichen Berufsgruppen mit ihren Stärken wahrnehmen

 

„Von Herzen sage ich Danke für das Vertrauen und freue mich auf die neue Aufgabe“, sagte Antje Exner unmittelbar nach ihrer Wahl. Bei ihrer Vorstellung zuvor hatte die Theologin zur deutlich gemacht, was ihr wichtig ist. Beispielsweise, dass alle Berufsgruppen in ihren Stärken wahrnehmen werden: Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker, Verwaltungsfachkräfte, Küsterinnen und Küster, Pastorinnen und Pastoren – „jede und jeder trägt Wesentliches bei“, so Antje Exner. Zugleich dürfe die Kirche nicht nachlassen, junge Menschen für kirchliche Berufe zu begeistern – und zugleich alles daransetzen, Mitarbeitende zu halten.

 

An die Synodalen gerichtet bekannte die Theologin, dass sie die synodale Struktur sehr schätze. „Sie zwingt uns, miteinander zu reden, vielleicht auch zu streiten, zu ringen allemal. Das ist manchmal anstrengend – aber notwendig.“ Das Zusammenspiel von Ehren- und Hauptamt sei dabei keine Nebensache. „Es ist das Herzstück unserer Kirche. Dazu gehört auch, füreinander Sorge zu tragen und solidarisch miteinander umzugehen.“

 

Exner: Propstamt heißt für mich, Anwältin der Realität sein

 

Im Blick auf die innerkirchlichen Umbauprozesse analysierte Antje Exner, dass ein solidarischer Umgang mit Ressourcen vor Ort manchmal zu Frust führe – „etwa wenn Verkaufserlöse nicht vollständig in der eigenen Gemeinde bleiben. Und doch schafft er, auf das Ganze gesehen, Gerechtigkeit“.

 

Der neue Stellenplan hat nach den Worten von Antje Exner in manchen Kirchengemeinden Wellen geschlagen. Daher möchte sie helfen, diese Wogen zu glätten – und zugleich „Anwältin der Realität sein“. Sie kündigte an, als Pröpstin vor Ort zukommen, zuhören und Gespräche zu führen. „Vielleicht hat diese Aufgabe auch etwas von einer Dolmetscherin: Entscheidungen und Gründe, Sorgen und Bedenken hin und her zu übersetzen“, formulierte sie wörtlich und ergänzte: „Mir ist wichtig, nichts zu versprechen, was nicht gehalten werden kann. Verbindlichkeit und Zuhören sind für mich zentral.“

 

Kirche muss Haltung zeigen und vor allem Evangelium weitersagen

 

Im Blick auf die evangelische Kirche insgesamt plädierte die Theologin: „Kirche darf und muss außerdem gesellschaftlich Haltung zeigen – besonders dort, wo Menschenwürde infrage gestellt wird, Hass gesät oder Menschen ausgegrenzt werden.“ Denn „unsere Kinder werden uns fragen, ob wir den Mut hatten und ob unser Glaube uns getragen hat“.

 

Motto: Tragfähige Ideen. Keine Luftschlösser. Aber Häuser mit Fundament.

 

Aufgabe der Kirche sei, das Evangelium weiter zu sagen und in diesem Sinne auch in die Gesellschaft hinein Gutes zu tun. Antje Exner zeigte sich überzeugt: „Wenn wir weiter miteinander denken, offen und ehrlich sprechen und pragmatisch bleiben, entstehen tragfähige Ideen. Keine Luftschlösser. Aber Häuser mit Fundament. Abschließend wünschte sich Antje Exner für ihre Kirche, bereit zu sein, Grenzen zu überschreiten. Zugleich sollten Christinnen und Christen aus Verheißung leben. „Nicht verzweifeln an dem, was wir sehen. Und nicht zweifeln an dem, was wir noch nicht sehen.“

 

Das heiße für sie ebenso, manchmal zuversichtlicher in die Zukunft zu sehen; mit mehr Vertrauen in das, was möglich sei und was allen gemeinsam ja auch gelinge. „Ich wünschte mir einen beherzteren und klaren Blick. Nicht blauäugig. Nicht naiv. Aber zuversichtlich.“

 

Bischof Jeremias: hoch motivierte Persönlichkeit zur Wahl vorgeschlagen

 

Bevor die 42 anwesenden Synodalen ihre Stimmen zur Wahl in Güstrow abgaben, hatte MV-Bischof Tilman Jeremias, der den Pröpste-Wahlausschuss leitete, das Votum des Gremiums begründet und gesagt: „Wir freuen uns, dass mit Pastorin Antje Exner eine hoch motivierte und erfahrene Persönlichkeit zur Wahl steht, die viel Energie, eine ruhige und besonnene Art und nüchternem Blick einbringen kann.“ Denn das pröpstliche Amt beinhalte eine Fülle von Aufgaben im Geflecht zwischen Kirchenkreis und Nordkirche. „Deshalb gehört Mut dazu, bereit für dieses Amt zu sein. Gerade auch in Zeiten von Sparzwang und Strukturveränderungen.“ Im Namen des Ausschusses bat der Bischof zudem um Verständnis, dass das Gremium nach intensiver Beratung nur eine Kandidatin für das Propstamt vorgeschlagen konnte.

 

Neue Pröpstin: gebürtige Berlinerin mit Studienerfahrungen in Rostock und Italien

 

Die neue Pröpstin Antje Exner stammt gebürtig aus Berlin-Pankow. Zwischen dem Studium der Evangelischen Theologie in Rostock und Berlin führte sie ein Studienaufenthalt nach Rom. Nach dem Vikariat war sie in den Jahren 2006 bis 2018 als Pastorin in der Kirchengemeinde Dorf Mecklenburg tätig. Seit 2018 ist sie Pastorin in der Kirchengemeinde Wismar St. Nikolai und seit Januar 2022 in der fusionierten Kirchengemeinde Wismar Heiligen Geist-St. Nikolai. Darüber hinaus ist die Theologin seit 2017 Regionalpastorin und seit 2023 stellvertretende Pröpstin. 


„Ich bin Pastorentochter. Ich habe meinen Vater immer als jemanden erlebt, der zwar viel gearbeitet hat, aber das gerne gemacht hat“, erzählt sie von ihrer eigenen Entscheidung für den Pfarrberuf. Ihr Vater war das gute Vorbild. Antje Exner hat darüber hinaus eine Weiterbildung in der Familien- und Lebensberatung absolviert. „Das war außerordentlich bereichernd und hat meinen Blick geschärft auf Menschen in ihren Lebenssituationen.“

 

Die 52-Jährige wohnt mit ihrem Ehemann in Wismar und sagt: „Ich bin seit fast 25 Jahren verheiratet und wir haben drei Töchter. Zwei von ihnen sind mittlerweile zum Studium ausgezogen und unsere jüngste Tochter macht gerade Abitur.“

 

Verantwortung im Kirchenkreis und in der Propstei

 

Die Propstei Wismar umfasst die vier Kirchenregionen Mecklenburg Nordwest (Bereich Gadebusch und Grevesmühlen), Schwerin-Land, Schwerin-Stadt und Wismar mit rund 37.500 Gemeindegliedern in 48 Kirchengemeinden (Stand: 1/2026).

 

Das Propstamt wird im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg derzeit von zwei Pröpstinnen und einem Propst in gemeinsamer Verantwortung wahrgenommen. Zugleich tragen sie jeweils Sorge für ihr Propsteigebiet (Seelsorgebezirk) und ebenso für gemeinsame Aufgaben im kreiskirchlichen Dienst, etwa für die Verwaltung, die Diakonie oder für die Dienste und Werke. Die aktuellen Pröpstinnen und der Propst haben ihren Sitz in Neustrelitz, Parchim, Rostock sowie in Wismar.

 

Im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg werden 172 Kirchengemeinden mit insgesamt rund 135.500 Gemeindegliedern gezählt (Stand: 1. Januar 2026). Der Kirchenkreis Mecklenburg, einer von 13 in der gesamten Nordkirche, regelt seine Aufsicht und Verwaltung im Rahmen der rechtlichen Vorgaben eigenständig, unterstützt die Kirchengemeinden und ist für alle Aufgaben zuständig, die den örtlichen Bereich der Kirchengemeinde überschreiten. Der Kirchenkreis gliedert sich in vier Propsteien: Parchim, Wismar, Rostock und Neustrelitz.

 

Weitere Infos und Bilder: 6. Tagung der III. Kirchenkreissynode 

Quelle: ELKM (cme)