Altbischof Gerhard Ulrich feiert 75. Geburtstag "Soziale Medien sind Zumutung und Chance zugleich"

Der ehemalige Landesbischof der Nordkirche Gerhard Ulrich, hier auf einer Veranstaltung im Jahr 2015.

Foto: kirche-mv.de/D. Vogel

09.03.2026 · Kiel. Mit dem Ruhestand hörte für ihn die Arbeit nicht auf: Am heutigen 9. März feiert Altbischof Gerhard Ulrich aus Kappeln an der Schlei seinen 75. Geburtstag - sein Terminkalender ist so voll wie eh und je.

Seinen Ruhestand hatte sich Gerhard Ulrich eigentlich anders vorgestellt. 2019 wurde der ehemalige Landesbischof der evangelischen Nordkirche verabschiedet. Damals ahnte er nicht, dass er nur kurz klassischer Rentner sein würde. Drei Jahre später, vor dem Terrorangriff der Hamas auf Israel, berief ihn die Landesregierung zum neuen Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus des Landes Schleswig-Holstein.

 

„Ich weiß dieses Ehrenamt sehr zu schätzen. Ich gestalte mit und kann meine Erfahrung weitergeben“, sagt Ulrich im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er merke aber auch sein Alter. Deshalb müsse er aufpassen, dass die Arbeit mit vielen Terminen und Vorträgen nicht zum Fulltime-Job werde. Am 9. März feiert der Altbischof seinen 75. Geburtstag.

 

Über das Theater zur Theologie

 

Zur Theologie kam er über das Theater: Er studierte unter anderem Schauspielkunst und stand auf der Bühne des Hamburger Ernst-Deutsch-Theaters.1974 wechselte er zum Studium der Evangelischen Theologie. Nach seinem Vikariat war er Pastor in Hamburg, Direktor des Predigerseminars in Preetz, Propst im Kirchenkreis Angeln an der Schlei und Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein. Als sich Pfingsten 2012 die Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern zur Nordkirche zusammen schlossen, wurde Ulrich bis zu seinem Ruhestand Landesbischof der neuen Kirche.

 

Seitdem habe sich die Welt massiv verändert, findet der vierfache Vater und sechsfache Großvater. Durch politische Krisen und die Entwicklung der Sozialen Medien, die „einem das Gefühl geben, dass man immer online sein und immer schnell reagieren muss“. Ulrich selbst hat weder bei Facebook noch bei Instagram einen Account. „Aus meiner Sicht sind Soziale Medien Zumutung und Chance zugleich. Ich bewundere alle, die sich da zurecht finden. Ich gehöre nicht mehr dazu.“

 

Es sei aber wichtig, dass Kirchen sich dort präsentierten. „Kirche findet nicht nur sonntags statt. Sie muss dahin, wo die Menschen sind, auf die Straße, aber auch ins Internet. Und dabei muss sie Haltung zeigen“, erklärt Ulrich. Er spricht den Judenhass an, der seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 in ganz Deutschland gravierend zugenommen hat. Allein in Schleswig-Holstein haben sich die antisemitischen Vorfälle seitdem verfünffacht.

 

Evangelium als Geschenk

 

Ulrich erinnert sich gut an einen Vorfall im September 2025. Ein Flensburger Ladenbesitzer erteilte Jüdinnen und Juden mit einem Schild im Schaufenster Hausverbot. „Es gab damals viele Anzeigen gegen ihn, aber keinen lauten Aufschrei aus Kirche und Gesellschaft. Das hat mich erschreckt“, sagt Ulrich. Deshalb freue er sich, dass die Schleswiger Bischöfin Nora Steen die Kirche kürzlich dazu aufrief, Haltung für Demokratie und Zusammenhalt zu zeigen. „In Krisen muss die Kirche zu sehen und zu hören sein. Sie muss mit klarer Stimme allem widersprechen, was das barmherzige Miteinander in unserer Gesellschaft gefährdet“, betont Ulrich.

 

Mit dem Evangelium habe die Kirche ein Geschenk, das sie zu den Menschen bringen müsse. Die Welt sei sehr komplex, das mache vielen Menschen Angst. Sie sehnten sich nach einfachen Antworten, was wiederum Populisten in die Hände spiele. „Aber da müssen wir als Kirche sagen: Einfache Antworten gibt es auf die großen Fragen des Lebens nicht.“ Kirche könne aber auf Gott als Schöpfungskraft verweisen, die größer sei als der Mensch. „Mit dieser Demut kann man vieles leichter ertragen.“

 

Keine große Feier

 

Ulrich wohnt mit seiner Frau Cornelia in Kappeln an der Schlei. Dank ihr könne er trotz seines Ehrenamtes ausreichend Zeit mit der Familie verbringen. „Meine Frau ist Mathematikerin und managt unseren Terminkalender ganz hervorragend.“ Eine große Feier zu seinem 75. Geburtstag sei nicht geplant.

 

Sein Amt als Beauftragter für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus des Landes Schleswig-Holstein ist an die aktuelle Legislaturperiode gebunden und endet 2027. Auf seine Pläne darüber hinaus lässt Ulrich sich nicht festnageln. „Ich habe gelernt, mir im Ruhestand nicht viel vorzunehmen.“ Diese Phase habe ihre ganz eigene Dynamik.

Quelle: epd