Wie 70 Mecklenburger den Frieden aus Taizé mit nach Hause nehmen Trotz der Eisheiligen warm im Herzen
Foto: ELKM
04.06.2026 · Rostock/Taizé. „Während der Gebete in Taizé werden alle Sorgen unwichtig.“ So formulierte es eine Teilnehmerin der Taizé-Himmelfahrtsfahrt im Bus. Nach einer 17-stündigen Reise hatte die Gruppe aus Mecklenburg das kleine Dorf im französischen Burgund erreicht. Auf den ersten Blick wirkt Taizé unscheinbar – und doch ist dieser Ort von einer besonderen Atmosphäre geprägt. Was die Menschen dort verbindet, ist die Sehnsucht nach Gemeinschaft, Ruhe und Gott.
Die Eisheiligen machten den 70 Teilnehmenden der diesjährigen Himmelfahrtsfahrt vom 9. bis 17. Mai allerdings zu schaffen: Temperaturen von nur zwei Grad in der Nacht, Hagelschauer und immer wieder Regen verlangten besonders den jungen Menschen in den Zelten einiges ab. Doch die Stimmung litt darunter keineswegs. Beim jüngsten Nachtreffen in der Rostocker Jugendkirche war die Meinung eindeutig: Wir würden sofort wieder fahren!
Denn Taizé ist kein gewöhnlicher Urlaub. Die Erfahrungen wirken weit über die Rückkehr hinaus. Viele fühlen sich gestärkt und getragen, und Gesänge wie „Meine Hoffnung und meine Freude“ begleiten sie noch Wochen später durch den Alltag.
Ein starkes Netzwerk im Norden
Dass sich alle zwei Jahre eine so große und vielfältige Gruppe auf den Weg nach Frankreich machen kann, ist auch eine Frucht des Europäischen Jugendtreffens von Taizé, das zum Jahreswechsel 2022/23 in Rostock stattfand. Die damals geknüpften Kontakte wirken bis heute nach, unter anderem zum Pädagogischen Kolleg Rostock.
Die Gruppe setzte sich aus Jugendlichen und Erwachsenen verschiedener Gemeinden sowie zahlreichen Menschen ohne kirchlichen Hintergrund zusammen. 40 Teilnehmende waren unter 18 Jahre alt, viele von ihnen von der Werkstattschule. Hinzu kamen junge Erwachsene sowie 13 Teilnehmende über 35 Jahre. Gemeinsam erlebten sie eine Woche, die Hoffnung und Zuversicht schenkte.
Angehende Erzieherinnen und Erzieher des Pädagogischen Kollegs nutzten die Fahrt zugleich als anerkannte Praxiszeit und sammelten Erfahrungen in der Gruppenleitung. Unterstützt wurden sie von Studierenden aus Mecklenburg, die inzwischen in Leipzig oder Berlin leben und kirchliche Berufe anstreben.
Keine Blase, sondern Proviant für den Alltag
Zwischen den schlichten Gebeten, den Gesängen und den stillen Momenten entstand etwas, das im Alltag oft verloren geht: innere Ruhe. Viele beschreiben dieses Gefühl mit den Worten aus Matthäus 11,28: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch Ruhe schenken.“
Dabei soll Taizé keine abgeschlossene Erlebniswelt bleiben. Entscheidend ist der Transfer in den Alltag. Die Teilnehmerin Steffi berichtete, dass die Woche für sie eine Suche nach dem eigenen Selbst angestoßen habe. Sie wolle künftig bewusster mit Offenheit, Wertschätzung und Freundlichkeit auf andere Menschen zugehen.
Seit mehr als 75 Jahren steht die Bruderschaft von Taizé für Versöhnung. Dieser Gedanke ist angesichts aktueller Krisen und Konflikte hochaktuell. Wer Menschen aus anderen Ländern persönlich begegnet, mit ihnen lebt, arbeitet und betet, baut Brücken statt Vorurteile auf.
Einladung zur Nacht der Lichter
Um diesen Geist der Versöhnung weiterzutragen, findet am Samstag, 7. November 2026, um 17 Uhr die Nacht der Lichter in der Nikolaikirche Rostock statt. Das ökumenische Gebet mit Gesängen aus Taizé verbindet Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft. Zugleich stimmt es traditionell auf das Europäische Jugendtreffen zum Jahreswechsel ein, das diesmal im polnischen Łódź stattfindet. Im Anschluss sind alle Besucherinnen und Besucher zu einem gemeinsamen Beisammensein eingeladen.
Die Nacht der Lichter ist nur einer von vielen Orten, an denen die Spiritualität von Taizé in Mecklenburg weiterlebt. Regelmäßige Taizé-Gebete finden das ganze Jahr über in zahlreichen Gemeinden statt, etwa in der Jugendkirche Rostock jeweils am letzten Donnerstag des Monats.
Wie sehr diese Form von Glaube und Gemeinschaft junge Menschen anspricht, zeigt auch das Jugendfestival „Fette Weide“ vom 19. bis 21. Juni 2026 im mecklenburgischen Tempzin. Dort gehören die Gebete aus Taizé längst selbstverständlich zum Programm. Zwischen Konzert, Festivalstimmung und Mitternachtsgebet entsteht ein besonderer Raum für Begegnung und Stille.
Weitere Fahrten geplant
Weitere Fahrten nach Taizé sind bereits geplant. Ein besonderer Höhepunkt wird die Sprengel-Himmelfahrtsfahrt vom 20. bis 28. Mai 2028 sein, an der Menschen aus ganz Mecklenburg und Pommern teilnehmen werden. Auch das Jubiläum „5 Jahre TaizéRostock“ wirft seine Schatten voraus. Vom 5. bis 7. November 2027 soll in Rostock ein Festwochenende gefeiert werden.
Die jüngste Taizé-Fahrt machte erneut deutlich: Die Verbindung zwischen Rostock und Taizé ist keine Einbahnstraße. Auch in Taizé erinnert man sich gern an das Europäische Jugendtreffen in Rostock und an die Gastfreundschaft der Menschen im Norden. Wer von dort zurückkehrt, blickt oft mit neuer Dankbarkeit auf die eigene Heimat.
Möglich wurde die Reise durch das Engagement vieler Ehrenamtlicher und die Unterstützung der Kirchenregionen der Propstei Rostock. Ihnen gilt ein herzlicher Dank. So kann Taizé im Norden weiterwirken – ganz im Sinne des Mottos: „TaizéRostock geht weiter.“
Quelle: kirche-mv.de (cme) Redaktionell gekürzte Fassung eines Textes von Kyra Meikies, Phillip Dingler und Anne Jax, die bei der Fahrt dabei waren.