Sicherung des einsturzgefährdeten Gewölbes Stiftungen unterstützen Rettung der Schelfkirche in Schwerin

Schelfkirche Schwerin

Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz

12.06.2026 · Schwerin/Hamburg. Die beiden Hamburger Stiftungen, Hermann Reemtsma Stiftung und Dorit & Alexander Otto Stiftung, unterstützen die Rettung der St. Nikolai-Kirche in Schwerin mit zusammen 750.000 Euro. Die evangelische Kirche St. Nikolai in Schwerin gilt als bedeutendster barocker Kirchenbau der Nachreformation in Mecklenburg. Sie gehört als Teil des Schweriner Residenzensembles zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Kirche wurde 1708–1713 inmitten eines damals neuen Viertels in der sogenannten Schelfstadt errichtet, daher wird sie auch Schelfkirche genannt. Bis heute bildet die Schelfkirche das städtebauliche und kirchliche Zentrum des Stadtteils. Sie wird aufgrund der beeindruckenden Baukunst und des besonders schönen und komplett erhaltenen Innenraums von der engagierten Kirchengemeinde, aber auch von Konzertbesuchern, Architekturliebhabern und Touristen sehr geschätzt.

 

Ein erheblicher Schaden am Gewölbe des Hauptschiffs, der 2021 festgestellt und notgesichert wurde, macht eine dringende Instandsetzung nötig. Feuchtigkeit war in früherer Zeit in das Dachtragwerk eingedrungen, so dass sich unentdeckt großflächig Fäulnis und Hausschwamm im Mauerwerk und in den Dachbalken ausbreiteten. Die Konstruktion ist so geschwächt, dass ein Gerüstturm im Innenraum aufgestellt werden musste, der die Gewölbelast abfängt und den Einsturz verhindert. Das aufwendige Sanierungskonzept sieht die Ertüchtigung der Dachkonstruktion, die Ausbesserung des Mauerwerks und die Neueindeckung des Daches vor.

 

Die Gesamtkosten werden auf rund  3,8 Mio. Euro geschätzt. Im Dezember 2025 konnten Städtebausondermittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Höhe von 2,27 Mio. Euro eingeworben werden. Auch Gelder des Kirchenkreises Mecklenburg stehen zur Verfügung. Dennoch bleibt es für die Kirchengemeinde eine Herausforderung, Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund wurden Anfragen an Förderer gestellt und Spendenaktionen wie die Konzerte der „Schelfoniker“, dem Orchester des Konservatoriums Schwerin, organisiert.

 

Die jetzige Spende der beiden Hamburger Stiftungen soll helfen, die noch bestehende Finanzierungslücke zu schließen.

 

Anlässlich des Benefizkonzertes der Schelfoniker am 7. Juni informierten sich Dorit und Alexander Otto, Vorstandsvorsitzende und Stiftungsrat der Dorit & Alexander Otto Stiftung, und Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann Reemtsma Stiftung, über den Stand der Planungen und übergeben Pastorin Silke Draeger die Förderbescheide. Beide Stiftungen haben zuletzt in einem gemeinsamen Vorgehen auch die Turmsanierung der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, die jüngere Schwester der Schelfkirche, unterstützt.

 

Zitat Pastorin Silke Draeger, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Nikolai, Schwerin:

„Ich arbeite erst seit zwei Jahren in der Schelfkirchengemeinde und bin beeindruckt, wie sehr sich die Menschen in der Gemeinde und in der Stadt mit der Schelfkirche identifizieren. Sie ist nicht nur ein historisches Kleinod mit einer hervorragenden Akustik, sondern in ihr fühlen sich die Menschen geborgen und beheimatet. Daraus erwächst große Motivation, die Schelfkirche zu erhalten – auch wenn die Trauer groß ist, sie während der Bauarbeiten ganz schließen zu müssen.“

 

Zitat Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG:

„Der Schelfkirche und ihrer engagierten Gemeinde gehört unsere volle Unterstützung bei der Rettung ihres eindrucksvollen Gotteshauses. Die Schelfkirche ist ein herausragendes Zeugnis barocker Baukunst, ein wichtiger kirchlicher Ort und ein wunderbarer Raum für Gottesdienste, Konzerte und Begegnungen. Uns beeindruckt das große Engagement der Schweriner für ihre Schelfkirche“, so Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG.

 

Zitat Dorit Otto, Vorstandsvorsitzende der Dorit & Alexander Otto Stiftung:

„Die Schelfkirche ist weit mehr als ein beeindruckendes Bauwerk – sie ist ein lebendiger Teil der Schweriner Geschichte und Identität. Als Stiftung sind wir Schwerin seit vielen Jahren durch die Förderung der Modernisierung des Staatlichen Museums eng verbunden. Umso mehr freut es uns, nun auch zum Erhalt dieses barocken Juwels als weiterem Teil des UNESCO-Welterbes der Stadt beizutragen“, so Dorit Otto, Vorstandsvorsitzende der Dorit & Alexander Otto Stiftung.

 

Hintergrund:

Zur HERMANN REEMTSMA STIFTUNG:

Die 1988 von Hermann-Hinrich Reemtsma ins Leben gerufene HERMANN REEMTSMA STIFTUNG fördert kulturelle und soziale Projekte im nördlichen Deutschland und in Ostdeutschland, vereinzelt in Polen und England. Die private und gemeinnützige Stiftung ist Förderpartnerin für Einrichtungen und Initiativen, die öffentliche Baudenkmale und Kulturgüter erhalten. Sie unterstützt Menschen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, und trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Die Stiftung setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe und möchte Eigeninitiative, unternehmerisches Denken und Gemeinsinn stärken.

 

Zur Dorit & Alexander Otto Stiftung:

Die Dorit & Alexander Otto Stiftung wurde 2011 von dem Hamburger Stifterpaar gegründet. Zu ihren Förderungen zählen medizinische, soziale, Umwelt- und Artenschutzprojekte sowie kulturelle Projekte. In diesem Zusammenhang erfolgten u. a. die Modernisierung des Staatlichen Museums Schwerin und die Restaurierung der Hamburger Hauptkirchen St. Jacobi, St. Katharinen und St. Michaelis. Mehr Infos unter: www.dorit-und-alexander-otto-stiftung.de

Quelle: ELKM (cme)