Pommerscher Evangelischer Kirchenkreis Einsturzgefährdeter Kirchturm wird abgetragen
Von Nicole Kiesewetter
25.06.2026 · Papendorf. Der Turm der Kirche in Papendorf bei Pasewalk ist laut einem vor kurzem erstellten Gutachten nicht mehr standsicher. Nun soll er schrittweise abgetragen werden.
Ein vertrautes Bild, das bald verschwinden wird: Wer von der Autobahn A 20 in Richtung Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) abbog, fuhr bis vor kurzem in Papendorf an der alten Dorfkirche mit ihrem weit sichtbaren Turm vorbei. Den Turm wird es in dieser Form in wenigen Wochen nicht mehr geben, er muss abgetragen werden. Wie ein Gutachten zum Zustand der Kirche ergab, sind die hölzernen, von Backstein ummantelten Fachwerkteile so stark geschädigt, dass der Turm der Kirche nicht mehr standsicher ist. Die in der Nähe befindliche, stark frequentierte Bundesstraße 104 ist daher seit Anfang Juni aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Mit der Gefahrenabwehr und der Sicherung seien enorme Kosten verbunden, sagt der Pressesprecher des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises, Sebastian Kühl: „Schätzungen gehen von rund 200.000 Euro aus, Tendenz steigend.“ In der Summe sind das Einrüsten des Turmes, das Abnehmen der Haube, der Rückbau des einsturzgefährdeten Turmbereiches sowie der Bau eines Notdaches enthalten. Diese Kosten stellten die Kirchengemeinde Hetzdorf, zu der die Kirche Papendorf gehört, vor gewaltige Herausforderungen.
Eine Kirchensperrung ist sehr selten
Die Kräfte der pommerschen Kirchengemeinden und des pommerschen Kirchenkreises seien begrenzt. Gemeinden und Kirchenkreis sähen sich nicht in der Lage, alle Kirchen zu erhalten, „sind aber offen für ein breit gefächertes gesellschaftliches Engagement für den Kirchenerhalt“, heißt es von Sebastian Kühl.
Die Kirchengemeinden und die Mitarbeitenden der Bauabteilung hätten „stets sehr genau und umsichtig“ den Zustand der mehr als 450 Kirchen im Kirchenkreis im Blick und kümmerten sich um die Verhinderung von Schäden. Daher komme es äußerst selten vor, dass Kirchen gesperrt werden müssen.
Letzter Gottesdienst in Papendorf vor sieben Jahren
Im Zuge der Untersuchungen zum Bauzustand der Kirche Papendorf seien in der Vergangenheit aufgrund der Einschätzung von Fachleuten Sicherheitsvorkehrungen in Form verschlossener Kirchhofportale mit „Betreten-Verboten-Schildern“ getroffen worden. Der Feldsteinbau aus dem 14. Jahrhundert habe nur noch zu Untersuchungszwecken betreten werden dürfen, nicht mehr für Veranstaltungen. Die letzten beiden Gottesdienste fanden 2018 und 2019 statt.
Erste Vorschläge zur Sicherung der Kirche seien zwar schon vor Jahren entwickelt worden, jedoch habe erst das aktuelle Gutachten das ganze Ausmaß der Schäden und die akute Gefährdung offenbart, erklärt der Pressesprecher. Der Kirchenkreisrat habe das Kirchenkreisamt beauftragt, die Kirchengemeinde Hetzdorf umfassend zu unterstützen und falls nötig, ein zinsloses Darlehen in Aussicht zu stellen.
Notsicherung soll bald fertig sein
Die Notsicherung soll voraussichtlich bis Ende Juli oder Anfang August abgeschlossen sein. So lange wird auch die Bundesstraße gesperrt sein. Über die genannten Maßnahmen hinaus bestünden derzeit keine weiteren Konzeptionen für die Kirche Papendorf, so Pressesprecher Kühl.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat für die Kirche in Papendorf einen Notfallfonds eingerichtet und bittet gemeinsam mit der Gemeinde dringend um Spenden. Damit solle geholfen werden, das bedeutende Kulturdenkmal vor weiterem Schaden zu bewahren. Seit Jahrhunderten präge das Gotteshaus das Ortsbild und sei ein bedeutendes Zeugnis regionaler Bau- und Kulturgeschichte, so die Stiftung.
Quelle: epd