Neu eingeführte mecklenburgische Pröpstin Antje Exner: "Unsere evangelische Kirche befindet sich in tiefen Gewässern"
Foto: kirche-mv.de/D. Vogel
05.07.2026 · Wismar/Schwerin. „Mir ist bewusst, dass diese neue Aufgabe viele Herausforderungen bietet. Und doch freue ich mich darauf. Ich fürchte mich nicht – oder zumindest noch nicht. Ich fühle mich von vielen Seiten unterstützt und freue mich, dass Sie und Ihr als Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeitende an meiner Seite seid.“ Mit diesen Worten beschrieb die neue mecklenburgische Pröpstin Antje Exner am heutigen Sonntag ihre Gefühlslage im Gottesdienst zu ihrer Einführung.
In ihrer Predigt bezog sich die 53-jährige Theologin auf die biblische Geschichte vom Fischzug des Petrus (Lukas 5). Musikalisch wurde der festliche Gottesdienst in der St. Nikolaikirche in Wismar von Kantor Christian Thadewald-Friedrich gestaltet.
Zuvor hatte der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Tilman Jeremias, Antje Exner in ihr leitendes Amt im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg eingeführt und ihr das Amtskreuz überreicht. Zu den zahlreichen Gästen zählten Vertreterinnen und Vertreter des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises, des Landkreises Nordwestmecklenburg, der Städte Wismar und Schwerin sowie weiterer gesellschaftlicher Institutionen und aus Kirche und Diakonie.
Pröpstin Exner: „Nicht mehr in Ufernähe unterwegs“
In ihrer Predigt zeichnete Antje Exner ein realistisches Bild der aktuellen Situation der evangelischen Kirche. Die Herausforderungen beträfen nicht nur die Leitungsebene, sondern alle haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden sowie die Gemeindeglieder. Mit Blick auf den Predigttext sagte sie: „Wir sind nicht mehr in Ufernähe unterwegs, im Flachwasser oder im ,Stehrevier‘, wie es bei den Surfern heißt.“ Im Stehrevier könne man lernen, denn wer ins Wasser falle, finde festen Grund unter den Füßen.
„Wir aber sind schon dort, ,wo es tief ist‘, wohin Jesus Petrus aufgefordert hatte zu fahren. Da, wo es tief ist, ist es unheimlicher und unsicherer. Man kann den Grund nicht sehen. Da wohnen vielleicht komische Tiere oder gar Ungeheuer. Den meisten ist dieser Lebensraum unbekannt.“ Dennoch führe aus ihrer Sicht kein Weg daran vorbei, sich diesen Herausforderungen gemeinsam zu stellen. „Ich glaube, es hilft nichts. Dem müssen wir uns aussetzen und gemeinsam nach Lösungen suchen, wenn wir weiterhin ,Menschen fischen‘ wollen, wie es uns aufgetragen ist.“
In den tiefen Gewässern könne das Wasser zudem unruhiger sein. „Hier ist unser Vertrauen – nicht unsere Naivität – gefragt. Ich sage: Ja, mit Gottes Hilfe oder mit Jesus im Boot befahren wir diese Tiefe und werden, so Gott will, die Fülle des Lebens fischen, auch wenn sie vielleicht anders aussieht, als wir es uns vorgestellt haben.“
Die biblischen Geschichten mit Jesus zeigten, so Exner weiter, dass Gott auch heute mit Christinnen und Christen seine Kirche bauen wolle – trotz aller Ängste, Unsicherheiten und menschlichen Schwächen.
Bischof Jeremias würdigt Besonnenheit und Glaubensstärke
Bischof Tilman Jeremias würdigte Antje Exner als Persönlichkeit mit großer Erfahrung und ausgeprägter Besonnenheit. Sie kenne die Propstei Wismar „wie ihre Westentasche“ und bringe Eigenschaften mit, die gerade in einer aufgeheizten Zeit von unschätzbarem Wert seien.
Er erlebe sie „als einen besonnenen, unaufgeregten Menschen mit festem Glauben, einer realistischen Sicht auf die Schönheiten und Herausforderungen unserer Kirche und unserer gesamten Gesellschaft – entschlossen, aber dabei stets bedacht und zuhörend“. Für ihren Dienst wünschte der MV-Bischof ihr Gottes Segen, Beharrungsvermögen, innere Kraft, Kreativität sowie die Gabe, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können.
Herzliches Willkommen im Kirchenkreis Mecklenburg
Für den mecklenburgischen Kirchenkreis begrüßten Pröpstin Sabine Schümann und Propst Dirk Fey die neue Pröpstin herzlich im Kreis der vier Pröpstinnen und Pröpste sowie in den Leitungsgremien des Kirchenkreises. Dort werde Antje Exner künftig unter anderem Verantwortung für die Arbeit der Diakonie übernehmen.
Der Präses der Kirchenkreissynode, Dr. Christoph Heydemann, erinnerte daran, dass neben zahlreichen Verwaltungsaufgaben auch eine wichtige geistliche Verantwortung auf die neue Pröpstin zukomme. Sie habe die Aufgabe, Menschen mit den Worten der Bibel Mut zu machen und „ein Stück weit auch die Seelsorgerin der Seelsorger zu sein“.
Wismarer Senator: Kirche gibt Halt und Orientierung in der Gesellschaft
Der Erste Stellvertretende Bürgermeister der Hansestadt Wismar, Senator René Domke, überbrachte die Grüße der Stadt. Angesichts von Krisen, Kriegen und gesellschaftlicher Verunsicherung seien die Kirchen ein wichtiger Anker. „Gerade in Zeiten der Krise, der Kriege und der Verunsicherung sind die Kirchen ein Anker, der den Menschen Hoffnung, Halt und Orientierung gibt. Und das betrifft nicht nur gläubige Menschen, sondern die ganze Gesellschaft.“
Die Kirche schaffe Räume für Begegnung und Dialog. Während politische Debatten häufig von Lautstärke, Zuspitzung und Populismus geprägt seien, könne sie Orte des Zuhörens schaffen, Brücken bauen und Versöhnung fördern. Zusammenhalt entstehe nicht dadurch, „dass wir immer einer Meinung sind, sondern dadurch, dass wir füreinander da sind“.
Grüße aus dem benachbarten Pommerschen Kirchenkreis
Pröpstin Kathrin Kühl überbrachte für den Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis die Glückwünsche. Die Kirche stehe überall vor großen Herausforderungen. An Antje Exner gerichtet sagte sie: „Du willst Dich mutig und voller Zuversicht diesen Herausforderungen stellen – gemeinsam mit den Menschen in Deiner Propstei, im Kirchenkreis und über Kirchenkreisgrenzen hinweg.“
Im Namen ihrer pröpstlichen Kollegen Dr. Tobias Sarx und Philipp Staak wünschte sie der neuen Pröpstin Gottes Segen und Zuversicht für ihren Dienst sowie eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Sprengel Mecklenburg und Pommern.
Zur Person:
Die Kirchenkreissynode Mecklenburg hatte die bisherige Gemeindepastorin der Kirchengemeinde Heiligen Geist–St. Nikolai Wismar im März 2026 mit 37 Ja-Stimmen von 42 abgegebenen und 42 gültigen Stimmen zur Nachfolgerin von Propst Marcus Antonioli gewählt. Antonioli war 2025 zum Leiter des Dezernats „Personal im Verkündigungsdienst“ des Landeskirchenamtes der Nordkirche in Kiel berufen worden.
Antje Exner wurde in Berlin-Pankow geboren und studierte Evangelische Theologie in Rostock und Berlin. Ein Studienaufenthalt führte sie zudem nach Rom. Nach ihrem Vikariat war sie von 2006 bis 2018 Pastorin in der Kirchengemeinde Dorf Mecklenburg. Seit 2018 wirkte sie an St. Nikolai in Wismar, seit 2022 in der fusionierten Kirchengemeinde Heiligen Geist–St. Nikolai. Darüber hinaus war sie seit 2017 Regionalpastorin und seit 2023 stellvertretende Pröpstin.
Die 53-Jährige absolvierte außerdem eine Weiterbildung in Familien- und Lebensberatung. „Das war außerordentlich bereichernd und hat meinen Blick für Menschen in ihren jeweiligen Lebenssituationen geschärft“, sagt sie. Antje Exner lebt mit ihrem Ehemann in Wismar. Das Paar ist seit fast 25 Jahren verheiratet und hat drei Töchter.
Quelle: ELKM (cme)















