"Geflüchtet - vertrieben - entwurzelt. Kindheiten in Mecklenburg 1945 bis 1952" Bewegende Zeitzeugnisse in der Feldberger Kirche
Foto: Walter Bedau/Stiftung Mecklenburg
13.07.2026 · Wanzka. Mit der Wanderausstellung „Geflüchtet – vertrieben – entwurzelt. Kindheiten in Mecklenburg 1945 bis 1952“ widmet sich die Feldberger Kirche bis Ende August einem Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, das bis heute nachwirkt. Im Gottesdienst am 5. Juli griff Pastor Michael Vogt das Thema auf und stellte fünf Zeitzeuginnenberichte in den Mittelpunkt. Einige der Zeitzeuginnen erzählten ihre Geschichte selbst, andere Berichte wurden stellvertretend vorgelesen. Allen Beteiligten gilt großer Dank für den Mut, ihre persönlichen Erinnerungen mit der Gemeinde zu teilen.
Die eindringlichen Schilderungen machten deutlich, welchen Entbehrungen Frauen und Kinder auf der Flucht ausgesetzt waren: Hunger, Kälte, Todesangst und der Verlust von Heimat und Angehörigen prägten ihre Kindheit. Die Ausstellung erinnert daran, dass mehr als elf Millionen Deutsche aus Ost- und Südosteuropa fliehen mussten oder vertrieben wurden. Hunderttausende überlebten Flucht und Vertreibung nicht. Wer das Kriegsende erreichte, fand häufig weder Sicherheit noch Mitgefühl, sondern musste sich unter schwierigsten Bedingungen ein neues Leben aufbauen.
Wie im Begleitprospekt der Stiftung Mecklenburg beschrieben wird, blieben viele Kriegskinder mit ihren traumatischen Erlebnissen allein. Über das Erlebte wurde in den Familien oft geschwiegen. Dieses Schweigen wurde für viele zur Überlebensstrategie und wirkte über Generationen hinweg nach. Neben allem Leid erzählten die Berichte jedoch auch von Menschlichkeit. Trotz eigener Not nahmen Familien in Mecklenburg Flüchtlinge auf, teilten Lebensmittel, boten Schutz und gaben den erschöpften Kindern für kurze Zeit ein Gefühl von Geborgenheit. Eine Zeitzeugin erinnerte sich an diese Momente mit den Worten: „Wir waren die glücklichsten Kinder der Welt.“
Plädoyer für Toleranz
Die Erfahrungen der damaligen Kriegskinder gewinnen angesichts heutiger Fluchtbewegungen neue Aktualität. Die Aufnahme von Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, dem Iran, afrikanischen Staaten und der Ukraine hat bei vielen Betroffenen Erinnerungen an die eigene Flucht wachgerufen. Einer der Zeitzeugen brachte die Botschaft der Veranstaltung auf den Punkt: „Dies ist ein Plädoyer für Toleranz.“
Auch Feldbergs Bürgermeisterin Constance von Buchwaldt würdigte in ihrem Grußwort insbesondere die Rolle der Frauen. Sie erinnerten daran, dass es vor allem Mütter und Großmütter waren, die in den Wirren der Nachkriegszeit Verantwortung übernahmen, den Flüchtlingstreck zusammenhielten und ihren Kindern Hoffnung gaben, während viele Männer gefallen, vermisst oder noch in Kriegsgefangenschaft waren.
Eingerahmt wurden die Zeitzeugenberichte von biblischen Texten über Flucht und Heimatlosigkeit sowie passenden Liedern, die Lydia George an der Orgel begleitete. So entstand ein Gottesdienst, der historische Erinnerung, persönliche Erfahrungen und christliche Hoffnung miteinander verband.
Noch bis Ende August 2026 in der Feldberger Kirche
Beim anschließenden Kirchenkaffee mit selbst gebackenem Kuchen kamen viele Besucherinnen und Besucher miteinander ins Gespräch. Es wurde erinnert, nachgefragt und zugehört – ein Zeichen dafür, wie sehr das Thema bis heute bewegt. Auch das Drehteam der Seeland Medienkooperative e. V. für das Projekt „Feldberg 2028 Film“ begleitete die Veranstaltung und dokumentierte die Eindrücke vor Ort.
Die Ausstellung ist noch bis Ende August 2026 in der Feldberger Kirche zu sehen. Begleitend liegt ein Prospekt aus, der weitere Zeitzeugenberichte enthält. Darin finden sich auch Erinnerungen aus der Region, unter anderem aus Warbende, Quadenschönfeld, Blankensee, Groß Schönfeld und Feldberg.
Die Stiftung Mecklenburg, Herausgeberin der Wanderausstellung, bittet um Unterstützung bei der Finanzierung der Druckkosten. In der Kirche liegen Prospekte aus; ein QR-Code führt direkt zur Spendenseite. Jede Spende trägt dazu bei, dieses wichtige Erinnerungsprojekt auch künftig zu ermöglichen.
Quelle: kirche-mv.de (fl/cme)