Wanderausstellung beleuchtet Motive und Erfahrungen des Kirchenasyls Ausstellung "Zuflucht geben – gemeinsam hoffen" in MV
Foto: Ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW
27.01.2026 · Rostock/Greifswald. Die Wanderausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ ist derzeit an mehreren Orten in Mecklenburg-Vorpommern sowie in Brandenburg zu sehen. Stationen sind Rostock, Bad Doberan, Schwerin, Greifswald, Tribsees und das brandenburgische Fürstenberg. Die Ausstellung gibt Einblicke in die Perspektiven von Geflüchteten, die im Kirchenasyl Schutz gefunden haben, und macht deren Fluchtgeschichten und Erfahrungen sichtbar.
Im Mittelpunkt stehen neun großformatige Porträtfotografien mit begleitenden Texten. Sie erzählen von Familien und Einzelpersonen, von Flucht, Entrechtung und dem Leben im Kirchenasyl. Die dargestellten Menschen werden dabei bewusst als handelnde Subjekte vorgestellt, die von ihren Erfahrungen berichten und ihre Stimmen selbst erheben. Ergänzt werden die Porträts durch drei weitere Roll-Ups, die über die Praxis des Kirchenasyls informieren. Zitate engagierter Personen geben Einblicke in Motivation, konkrete Unterstützung sowie in die Herausforderungen dieser Arbeit.
Ein weiterer Bestandteil der Ausstellung ist eine Installation aus orangefarbenen Möbeln, die die Notwendigkeiten des Kirchenasyls bildlich und symbolisch darstellt: Ein Bett steht für einen geschützten Schlafplatz, Tisch, Stuhl und Brot verweisen auf Gemeinschaft, Beziehung und menschliche Nähe. Eine Schwimmweste, die ebenfalls Teil der Installation ist, lenkt den Blick auf das Sterben an den Grenzen Europas.
Die Wanderausstellung richtet sich an interessierte Menschen aller Altersgruppen. „Sie sensibilisiert für die Geschichten und Erfahrungen der vorgestellten Geflüchteten. So wird das Thema Abschiebungen und der Widerstand gegen die damit einhergehende Entwürdigung sichtbar“, sagt Lars Müller, Flüchtlingsbeauftragter im Kirchenkreis Mecklenburg. Kirchenasyl werde dabei als „eine mögliche christliche Praxis der Gastfreundschaft und Solidarität“ vorgestellt. Kirchengemeinden seien eingeladen und ermutigt, sich zu engagieren und selbst Zeichen der Unterstützung zu setzen.
Gesunken: Fälle von neuem Kirchenasyl in der Nordkirche
Laut aktueller Statistik sind die Fallzahlen neu begonnenen Kirchenasyls in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland im vergangenen Jahr gesunken. In Hamburg wurden 2025 insgesamt 26 Fälle gezählt, nach 46 im Jahr zuvor. In Schleswig-Holstein sank die Zahl von 45 auf 20, in Mecklenburg-Vorpommern von 17 auf 13 Fälle.
Kirchenasyl ist dabei stets „ultima ratio“. Es ist ein letzter Versuch, durch zeitlich befristeten Schutz eine unmittelbar drohende Abschiebung abzuwenden und eine erneute, sorgfältige Überprüfung des Schutzbegehrens zu ermöglichen oder mit den Betroffenen und Behörden eine Möglichkeit zu suchen, eine zwangsweise Abschiebung zu verhindern bzw. eine geordnete Weiterwanderung zu ermöglichen. Mit den zuständigen staatlichen Behörden wird dabei zusammengearbeitet, den Kirchenasyl ist kein rechtsfreier Raum.
Hintergrund
Das Kirchenasyl entstand im Herbst 1983 als ökumenische und politische Bewegung in Berlin. Die Heilig-Kreuz-Kirche nahm damals eine von Abschiebung bedrohte palästinensische Familie auf. Viele Kirchengemeinden in ganz Deutschland folgten diesem Beispiel – bis heute konnten auf diese Weise tausende Schutzbedürftige unterstützt und Leben gerettet werden.
Quelle: ELKM/PEK (cme/sk)