Stadtgeschichte Greifswald Archäologen entdeckten 224 Gräber
06.01.2026 · Greifswald. In Greifswald haben archäologische Ausgrabungen rund um das mittelalterliche Heiliggeistspital vor dem Steinbecker Tor neue geschichtliche Erkenntnisse ergeben. Diese sollen am kommenden Montag ausführlich vorgestellt werden.
Archäologische Ausgrabungen rund um das mittelalterliche Heiliggeistspital vor dem Steinbecker Tor in Greifswald haben neue Erkenntnisse zur Stadtgeschichte hervorgebracht. Nachgewiesen werden konnte, dass die heutige Stralsunder Straße bereits im 13. Jahrhundert existierte, wie die Stadtverwaltung am Dienstag informierte. „Sie verlief damals als befestigter Damm durch das morastige Gelände und war eine wichtige nördliche Zuwegung zur Stadt“, hieß es. Funde von Hölzern, Bauschutt und Lehmauffüllungen belegten, wie aufwändig die Stadt diesen Weg damals ausbaute und sicherte. Die ältesten entdeckten Holzreste stammten aus dem Jahr 1256.
Auch zur Geschichte des Heiliggeistspitals brachten die Grabungen laut Mitteilung neue Erkenntnisse. Obwohl Urkunden die offizielle Verlegung des Spitals von der Innenstadt vor die Stadtmauer auf das Jahr 1329 datierten, deuteten gefundene Holzsärge darauf hin, dass bereits um 1308 Menschen auf dem Gelände bestattet wurden, hieß es. „Die Gräber waren ohne Beigaben und lagen eng beieinander im torfigen Boden, teilweise in bis zu vier Schichten übereinander.“
Auch Frauen und Kinder
Im Heiliggeistspital seien vor allem jüngere, kranke oder körperlich beeinträchtigte Personen versorgt worden, „was zeigt, dass Spitäler damals multifunktionale städtische Einrichtungen waren“, hieß es. Sie dienten als Armenhäuser, als eine Art Pflege- und Versorgungseinrichtung und als Altersheim. „Die meisten dort versorgten Bedürftigen waren Männer. Die insgesamt 224 entdeckten Gräber zeigen jedoch, dass auch Frauen und Kinder dort bestattet wurden.“ Die nun geborgenen Verstorbenen gehören laut Stadt zu den ältesten bekannten Bewohnerinnen und Bewohnern Greifswalds. Sie sollen in naher Zukunft auf dem Neuen Friedhof beigesetzt werden.
Laut Mitteilung begleiteten Archäologinnen und Archäologen seit September 2024 die Gründungsarbeiten für einen privaten Neubau in der Stralsunder Straße/An der Bleiche. Auf dem untersuchten Gelände befand sich im Mittelalter das Heiliggeistspital, das im Jahr 1329 vor die damaligen Stadttore Greifswalds verlegt wurde.
Die Grabungen zeigten, dass der alte Spitalfriedhof nach der Schließung im Dreißigjährigen Krieg während der Schwedenzeit (1648-1815) erneut als Bestattungsort genutzt wurde. Ausführlich sollen die Funde am kommenden Montag vorgestellt werden.
Quelle: epd