Landessynode tagte Nordkirche: Doppelhaushalt, Klima und Amtsverständnis

Von Kristina Tesch

Die Landessynode stimmt ab.

Foto: T. Lorenzen/Nordkirche

22.02.2026 · Lübeck-Travemünde: Während das Klimaschutzziel in Reichweite bleibt, muss sich die Nordkirche anderen Herausforderungen stellen. Neben einem Haushaltsloch haben sich die Synodalen bei ihrer Tagung mit rechten Parolen, der Zukunft und dem Amtsverständnis beschäftigt.

Dass das Geld knapper wird, ist für die Kirche nicht neu. Dennoch hat der Doppelhaushalt 2026/2027 bei der Februartagung der Landessynode der Nordkirche für intensive Diskussionen gesorgt.

 

Für die Jahre 2026 und 2027 rechnet die Nordkirche jeweils mit Einnahmen in Höhe von rund 596 Millionen Euro. Damit ist der Doppelhaushalt defizitär: Es fehlen rund 3,5 Millionen Euro, die aus Rücklagen finanziert werden müssen.

 

„Wir müssen sparen“, sagte Jens Brenne, Mitglied der Kirchenleitung, bei der Vorstellung des Haushaltsplans am Wochenende bei der Synodentagung in Lübeck-Travemünde. In der folgenden Debatte stritten die Kirchenparlamentarier unter anderem darüber, ob an den richtigen Stellen und in den verschiedenen kirchlichen Ebenen gleichermaßen gespart werde.

 

Mehr Transparenz

 

Der Synodale Mathias Nebendahl aus Plön-Segeberg fragte etwa: „Wenn alle schon seit Jahren im Hintergrund arbeiten, warum sollen wir dann heute einen defizitären Haushalt beschließen?“ Zudem wurde die Sparbereitschaft von Kirchenkreisen und Landeskirche gegenübergestellt, was nicht nur positive Reaktionen, sondern auch die Aussage „Das schaffen wir nur alle zusammen!“ zur Folge hatte.

 

In der Debatte kritisierten viele Synodale den Informationsfluss im Vorwege der Haushaltsberatungen und forderten mehr Transparenz. Der Haushalt wurde schließlich unter der Maßgabe beschlossen, dass die Kirchenleitung spätestens bis zur Synode vor dem nächsten Haushaltsbeschluss eine mittelfristige, ausgeglichene Planung vorlegen muss.

 

Auf einem guten Weg

 

Während der Haushalt wankt, sei die Nordkirche „auf einem guten Weg“, 2040 treibhausgasneutral zu sein, sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt bei der Vorstellung des Klimaschutzberichts für 2023 und 2024. Besonders im Bereich Wärme sei weniger Energie verbraucht worden (minus 28 Prozent). „Wir haben effizienter und sparsamer geheizt.“ Auch der Stromverbrauch sei um elf Prozent zurückgegangen. Wehmutstropfen sei, dass weiterhin 96 Prozent der Wärme aus fossilen Energien stammen.

 

Die Landesbischöfin betonte, dass ohne eine schnellere Umstellung auf erneuerbare Energien das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2040 nicht erreichbar sei. Dem schloss sich auch Hannah Ladouceur aus dem Klimaschutzausschuss an. Sie mahnte trotz grundsätzlich positiver Entwicklung: „Wir sollten uns dennoch nicht zurücklehnen.“ Der Ausschuss fordert künftig regelmäßige Berichte aus den Kirchenkreisen, die Auskunft über die CO2-Einsparungen geben.

 

Gesetzesänderungen

 

Beratungen über die Änderung von Gesetzen haben am Donnerstag den Auftakt der Tagung bestimmt. Insbesondere die Frage, ob Pastorinnen und Pastoren verpflichtend Predigtaufträge übernehmen müssen, wurde von den Synodalen teils kontrovers diskutiert. In der Debatte entbrannte zudem die Grundsatzfrage nach dem Verhältnis und Verständnis von Verkündigung und Predigt. Teile des Gesetzes wurden deswegen auf September vertagt.

 

Auch über das „Berufungserprobungsgesetz“ diskutierten die Synodalen. Es soll eine Art Testmitgliedschaft im Kirchengemeinderat ermöglichen. Ziel ist ein niedrigschwelliger Einstieg in das Gremium. Diesen und weiteren Gesetzen und Gesetzesänderungen stimmte die Synode am Sonnabend zu.

 

Prävention bleibt Aufgabe

 

Zwei Jahre nach der ForuM-Studie zu sexualisierter Gewalt in der Kirche zog die Stabsstelle Prävention Bilanz. Die Nordkirche habe tragfähige Strukturen aufgebaut, Verfahren professionalisiert und Prävention breit verankert, erklärte Co-Leiterin Mirja Beck. Dennoch sei der Prozess keineswegs abgeschlossen. „Prävention ist ein Marathon, kein Sprint. Aufarbeitung ist eine langfristige, unverzichtbare Aufgabe, gerade im kirchlichen Kontext“, erklärte Beck. Das sei eine Verpflichtung gegenüber den Betroffenen. Am 21. März soll im geschützten Rahmen in Hamburg ein Forum für Betroffene zum Austausch und zur Vernetzung stattfinden.

 

Argumentieren gegen rechte Parolen

 

In einem Workshop haben die Synodalen am Donnerstagabend das „Argumentieren gegen rechte Parolen“ geübt. Mit dem Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus (RBT) aus Lübeck haben sie sich über Erfahrungen ausgetauscht und in Rollenspielen mögliche Argumente ausprobiert.

 

Eine Strategie für das Argumentieren sei, Fragen zu stellen, erklärt Saskia vom RBT. „Nachfragen und Hinterfragen verschaffen Zeit, in der wir das Gespräch in die eigene Hand nehmen können.“ Mit der Frage danach, wer in Behauptungen etwa „Die“ oder „Alle“ sind, könnten Pauschalisierungen zurückgewiesen werden. Auch nach Quellen zu fragen und sie gemeinsam einzuordnen, sei ein Weg.

 

Die Landessynode ist das verfasste Leitungsgremium der Nordkirche und besteht aus 156 stimmberechtigten Mitgliedern, dazu kommen acht Delegierte mit Rede- und Antragsrecht. Die Vertreterinnen und Vertreter der Nordschleswigschen Gemeinde in Dänemark und die Jugenddelegierten haben kein Stimmrecht. Ende 2024 hatte die Nordkirche 1.646.039 Mitglieder in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Einige Gemeinden liegen auch in Brandenburg.

Quelle: epd