Bischofswort zur Landtagswahl 2026 "Mit Hoffnungskraft für Zusammenhalt und Demokratie"
27.02.2026 · Greifswald/Schwerin. Der Greifswalder Bischof Tilman Jeremias ruft zur Stärkung demokratischer Kräfte bei der Landtagswahl in MV auf. In einem Bischofswort appelliert er an die Menschen im Land, mit ihrer Stimme jene zu unterstützen, „die für Menschenrechte und die freiheitlich-demokratische Grundordnung einstehen.“
Jeremias erklärt darin: „Die Positionen der AfD und anderer rechtsextremer Organisationen, die die gleiche Würde aller Menschen bestreiten, sind mit christlichen Werten und mit der Verfassung unserer Kirche nicht vereinbar.“
Mecklenburg-Vorpommern wählt am 20. September einen neuen Landtag. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der „Ostsee-Zeitung“ liegt die AfD mit 37 Prozent vorn. SPD (23 Prozent), CDU (13 Prozent) und Linke (11 Prozent) folgen. Das Bündnis Sarah Wagenknecht liegt bei fünf Prozent, Grüne (4) und FDP (2) bewegen sich unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde.
Jeremias spricht von einer Zeit, „in der demokratische Prozesse angezweifelt, Institutionen verächtlich gemacht und Misstrauen geschürt wird“ und in der „populistische, rechtsextremistische und antisemitische Positionen (...) gesellschaftsfähiger“ würden. Hass und Hetze trieben Menschen auseinander.
Der 2. Timotheusbrief erinnere jedoch daran, dass Gott keinen Geist der Verzagtheit gegeben habe. Christinnen und Christen dürften sich weder von Angst noch von scheinbar einfachen Lösungen leiten lassen, die Menschenwürde missachteten. Jeremias ermutigt dazu, das Gespräch zu suchen und sich für gelebte Demokratie einzusetzen.
In der Bibel stehe geschrieben, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen sei. Daraus folge ein unveräußerlicher Wert unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensweise. Diese Überzeugung spiegele sich in Menschen- und Grundrechten wider und bleibe für Christinnen und Christen Maßstab politischen Handelns.
Ideologien, die Menschen als ungleichwertig betrachten, widersprächen diesem Glaubensgrundsatz. Die AfD werde zwar demokratisch gewählt, sei aber deshalb nicht automatisch demokratisch, sagte Jeremias: „Ihre Programme verfolgen eine national-völkische Ausrichtung, die den Boden der Demokratie verlässt.“ Zugleich betonte er: Auch Andersdenkenden gebühre Würde. Gemeinden könnten Orte sein, an denen Verunsicherung Raum habe und Begegnung Veränderung ermögliche.
Quelle: epd