Schleswig-Holstein Kirche und Bauern ringen um Umweltschutz
Von Johanna Tyrell
10.04.2026 · Kiel/Rendsburg. Die Nordkirche will ihre verpachteten, landwirtschaftlichen Flächen stärker an ökologischen Kriterien ausrichten. Doch der Bauernverband Schleswig-Holstein lehnt neue Auflagen ab.
„Land ist teuer und knapp“, sagt Klaus-Peter Lucht. Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein benennt damit den Kern der Diskussion um kirchliche Pachtflächen. Denn die evangelische Nordkirche gehört mit rund 58.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche zu den größten nichtstaatlichen Landbesitzern im Norden - bislang ohne einheitliche Regelungen für die Verpachtung. Jetzt sollen Naturschutz und Nachhaltigkeit auf diesen Flächen eine größere Rolle spielen.
Mit ihrem Klimaschutzgesetz hat sich die Nordkirche das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Künftig sollen daher Klima-, Boden- und Artenschutz stärker in Pachtverträgen berücksichtigt werden. In der Praxis ist die Verpachtung kirchlicher Flächen bislang nicht einheitlich geregelt. Die Verhandlungen führen die Kirchengemeinden vor Ort - konkret die Kirchengemeinderäte (KGR). Dort fehlt jedoch nicht selten landwirtschaftliches Fachwissen.
Musterpachtverträge keine Pflicht
„In Schleswig-Holstein ist die Verpachtung von Kirchenland eine Angelegenheit zwischen der jeweiligen Kirchengemeinde und dem Pächter“, erklärt Stefan Block, Leiter der Untergruppe Landverpachtung der Nordkirche. Musterpachtverträge stehen zur Verfügung, ihre Nutzung ist jedoch nicht verpflichtend. Die Nordkirche will jetzt eine abgestimmte Linie für die Kirchengemeinden entwickeln und diese besser unterstützen.
„Wir wollen kein neues Regelwerk erfinden, sondern den Kirchengemeinderäten, die Verhandlungen mit den Landwirten führen, eine Handreiche geben“, sagt Block. Im Kern geht es um Pachtverträge, ökologische Anforderungen und Vergabekriterien. Im Hintergrund steht ein juristisches Spannungsfeld: Einerseits verpflichtet sich die Kirche zum Klimaschutz, andererseits muss kirchliches Eigentum wirtschaftlich verwaltet werden.
Die Frage ist, wie weit ökologische Vorgaben gehen können, ohne Betriebe zu überfordern. „Die Landwirte wittern gleich weitere Auflagen, die die Bewirtschaftung der Flächen weiter erschweren“, sagt Block. Umso wichtiger sei es, Vertrauen zu schaffen und die Balance zu halten: „Wir haben einen ökologischen Anspruch, wollen aber auch die Situation der Landwirte nicht aus dem Blick verlieren.“
Bauernverband lehnt neue Auflagen ab
Das mahnt auch Bauernverbandschef Lucht an. Viele Höfe arbeiten bereits unter strengen Vorgaben und geraten durch steigende Anforderungen und knappe Flächen unter Druck. Weitere Auflagen dürften aus seiner Sicht nicht ohne Ausgleich eingeführt werden. Zugleich weist er den Vorwurf zurück, Landwirtschaft müsse erst zu mehr Nachhaltigkeit gedrängt werden. Kein Betrieb habe ein Interesse daran, seine Flächen auszubeuten, betont Lucht. Die Höfe lebten von ihren Böden und verfügten über das nötige Fachwissen. Kirche und Gesellschaft müssten darauf vertrauen, dass Landwirte wissen, was sie tun.
Auch wenn der Anteil kirchlicher Flächen an der gesamten Agrarfläche in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gering ist, spiele die Kirche in vielen ländlichen Regionen im Gebiet der Nordkirche eine wichtige Rolle. Veränderungen bei der Verpachtung können spürbare Auswirkungen haben. „Wir brauchen die Flächen“, sagt Lucht.
Verpachtung ohne einheitliche Regeln
Mit Blick auf die gesellschaftliche Debatte sieht Lucht zudem eine wachsende Distanz zwischen Stadt und Land. Viele Forderungen nach mehr ökologischen Vorgaben kämen aus einem Umfeld, das die praktische Landwirtschaft kaum kenne. „Solange ich nicht persönlich davon betroffen bin, ist es leichter zu urteilen“, sagt er.
Doch Lucht signalisiert Bereitschaft, sich auf neue Modelle einzulassen - solange sie nicht verpflichtend sind. Freiwillige Vereinbarungen könne er sich etwa bei Maßnahmen wie Blühstreifen oder Brachen vorstellen, die gefördert oder bei der Pacht berücksichtigt werden.
Die Gespräche zwischen Kirche und Landwirtschaft sind damit mehr als eine technische Frage von Pachtverträgen. Es geht um Vertrauen - und darum, ob die Kirche von den Betrieben als Partner wahrgenommen wird oder als zusätzlicher Regulierer. „Ich habe immer wieder gehört, wenn die Kirche nicht an unserer Seite steht, dann trete ich aus. Und das ist ja auch schon passiert“, berichtet Lucht. Gleichzeitig hält der Bauernpräsident am Dialog fest: „Ich habe uns immer als Partner gesehen.“ Und ergänzt dann: „Aber ich streite mich auch gerne. Konstruktiv.“ Wie das gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Quelle: epd