Drei Fragen an Birgit Haaks von der Rostocker Seemannsmission "Das Volksfest 'Hanse-Sail' sehen Seeleute nur im Vorbeifahren"

07.08.2025 · Rostock. Zur diesjährigen, 34. Hanse-Sail in Rostock werden von Donnerstag bis Sonntag wieder hunderttausende Besucher erwartet. Mit welchem Beitrag sich die Seemannsmission an dem maritimen Volksfest beteiligt und vor welchen Problemen Seefahrer heute stehen, sagt die Leiterin der Rostocker Seemannsmission, Birgit Haaks, im Gespräch: 

Die Hanse-Sail ist ein Volksfest. Doch wie sieht das Leben heutiger Seeleute aus?

 

Birgit Haaks: Sie leben, arbeiten und wohnen auf einem Schiff. Im Hafen ist wenig Zeit für einen Landgang, denn Liegezeiten sind teuer. Da muss schnell be- und entladen werden. Von Romantik keine Spur! Und wenn es auf dem Frachter kein Wlan gibt, was mehrheitlich der Fall ist, ist das Telefonieren nach Hause nicht einfach. Die meisten Seeleute sind Philippinos. Da kommt dann noch die große Zeitverschiebung erschwerend dazu. Das Volksfest „Hanse Sail“ sehen Seeleute nur im Vorbeifahren, denn die Betriebsamkeit auf dem Schiff hat fast immer Vorrang.

 

Welche Hilfen bietet die Rostocker Seemannsmission den Seeleuten?

 

Ein freies Wlan-Netz für Telefonate sowie für das Senden und Empfangen von Nachrichten. Im Club „Hollfast“ können Seeleute täglich von 17 bis 22 Uhr verweilen, Billard oder Tischtennis spielen oder einfach die Ruhe und Weite an Land genießen. Wir fahren sie auf Wunsch zum Einkaufen, meist in einen großen Supermarkt, wo sie sich Dinge für den alltäglichen Bedarf kaufen können - wie Zahnpasta, Seife oder Creme.

 

Beim Team der Seemannsmission treffen Seeleute auf offene Ohren und Augen, die sich Zeit nehmen für ein Gespräch und Interesse haben an ihren Geschichten und Sorgen. Auch in Notfällen, bei Unfällen oder Tod an Bord stehen wir den Seeleuten mit geschultem Fachpersonal zur Seite. Gott sei Dank ist das in Rostock nicht so häufig nötig.

 

Frauen in Rostock stricken warme Socken für Seeleute. Diese finden besonders im Winter großen Anklang. Auch für dieses Netzwerk steht die Seemannsmission.

 

Am Sonntag gibt es um 10 Uhr in der Warnemünder Kirche wieder den traditionellen Seefahrer-Gottesdienst der Seemannsmission und der evangelischen Gemeinde zur Hanse-Sail. Was ist diesmal geplant?

 

Musikalisch begleiten wird der Shantychor „De Klaashahns“ den Gottesdienst. Predigen wird Pastor Edwin Becker-Wichmann, der seit anderthalb Jahren bei der Rostocker Seemannsmission mitarbeitet. „Ihr seid das Salz der Erde, …ihr seid das Licht der Welt!“ aus dem biblischen Matthäusevangelium sind Worte, die Jesus Christinnen und Christen zuspricht. Wahrzunehmen, zu würzen und Halt zu geben, das sehen wir in der Deutschen Seemannsmission als unsere Aufgaben an. Die Worte Jesu geben uns selbst Halt, Kraft und den Mut, das Licht weiter zu geben an Menschen, die in der Betriebsamkeit des Hafens und der Seefahrt weltweit meist ungesehen sind. 

 

Mehr: Deutsche Seemannsmission Rostock e.V.

Quelle: epd