Im Kirchenkreis Mecklenburg gibt es bereits zukunftsweisende Klimaschutz-Projekte Photovoltaik-Anlagen auf Kirchen zur Bewahrung der Schöpfung

220721 Pastorin Verena Häggberg mit dem e-Auto vor dem Pfarrhaus Vipperow

Foto: Hans-Joachim Kohl

21.07.2022 · Schwerin/Goldberg. Die steigenden Gaspreise und der hohe CO2-Ausstoß machen es immer notwendiger die Verstromung von Gas zu vermeiden. Die Nordkirche möchte ab 2035 kein CO2 mehr in die Atmosphäre pusten. Das hat ihr Kirchenparlament so beschlossen. Ob das gelingen kann?

Seit Jahren versuchen die Landeskirche und ihre 13 Kirchenkreise Wege zu finden wie CO2 eingespart werden kann. Es bräuchte Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) auf kirchlichen Gebäuden und Flächen, sowie e-Autos, damit das Ziel 2035 bzw. im Kirchenkreis Mecklenburg – der einen eigenen Klimaschutzplan hat – sogar schon 2030 erreicht werden kann.

 

Annett Barkhahn aus Goldberg engagiert sich seit Jahren in mehreren Ausschüssen dafür. „Ich persönlich finde das super“, sagt die mecklenburgische Synodale. „Allerdings weiß ich aus dem Alltag in den Kirchengemeinden, das ist sehr ambitioniert. Ich bin gespannt, ob wir das schaffen“. Denn Kirchengemeinden würden ihrer Ansicht nach „manchmal zu zögerlich entscheiden, haben wenig Mut und schrecken vor den bürokratischen Hürden zurück“.

 

Neuerdings ist Annett Barkhahn auch im Klimaausschuss der Nordkirchenleitung. „Es geht um die Bewahrung der Schöpfung“, erläutert sie: „Leider verbrauchen wir seit langer, langer Zeit mehr als wir der Welt zurück geben können bzw. als sie uns geben kann. Wir leben schon lange nicht mehr nachhaltig. Mittlerweile sieht es ja doch sehr düster aus für die Zukunft und das wollen wir unseren Kindern nicht so hinterlassen“.

 

Im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg wurde 2014 das Kirchliche EnergieWerk (KEW) gegründet. Es kümmert sich um Windkraftanlagen auf Kirchenland und jetzt vermehrt auch um Photovoltaikanlagen. „Die eigene Klimaschutzstiftung des Kirchenkreises Mecklenburg unterstützt zudem die Gemeinden, um sich E-Autos anzuschaffen“, informiert Annett Barkhahn. „Konkrete Hilfe gibt es bei der Finanzierung und der Ladeinfrastruktur.

 

e-Autos rollen in Kirchenkreisverwaltung und in einigen Kirchengemeinden

 

Die Kirchenkreisverwaltung hat ein e-Auto, einige Kirchengemeinden auch. Bisher sind 18 Projekte umgesetzt – beispielsweise sind in Gresse und in Rechlin die Pastorinnen elektrisch unterwegs. „Das ist in der Praxis unproblematisch“, sagt Pastorin Verena Häggberg aus Rechlin. „Allerdings“, so ergänzt Pastorin Johanna Montesanto aus Gresse, „muss bedacht werden, dass die Autos sehr leise fahren. Mensch und Tier sind das nicht gewohnt“. In der Weihnachtszeit vor Jahren musste sie stehenbleiben, laut rufen und hupen, ehe die Rehe die Straße verließen. Optimal wäre es, wenn das e-Auto der jeweiligen Kirchengemeinde von einer PV-Anlage auf dem Pfarrhaus oder der Kirche aufgeladen werden könnte.

 

Mirower Gemeinde setzt schon lange auf Sonnenenergie

 

Einen etwas anderen Weg ging die Kirchengemeinde Mirow. 2002 installierte der Turmverein eine PV-Anlage auf die Johanniterkirche und übergab sie an die Kirchengemeinde. Die speiste den ganzen gewonnenen Strom ins öffentliche Netz ein. Hartwig Grählert, Vorsitzender des Kirchturmvereins und 2. Vorsitzender des Kirchengemeinderates sagt: „In diesem Jahr läuft die Einspeisevergütung von garantierten 46,5 Cent pro KWh aus. Die Gemeinde wird elektrische Veränderungen an der Anlage vornehmen, um auch selber Strom nutzen zu können“. Rückblickend sei das schon gut gelaufen und wir sind alle froh darüber. Gerade unsere Kirchengemeinde, die finanziell nicht sehr stark ist, hat davon profitiert“. Etwa 100.000 Euro nahm die Kirchengemeinde in den vergangenen 20 Jahren mit der Anlage ein und konnte so einiges an der Kirche reparieren.

 

Doch Denkmalschutz darf den Schutz des Klimas nicht ausbremsen

 

Überhaupt keine Probleme hätte es 2002 mit dem Denkmalschutz gegeben, so Hartwig Grählert. „Die Behörde hat nur gefordert, dass die Anlage nicht auf das Dach gebaut wird, sondern in das Dach integriert wird“. „Das wird heutzutage etwas anders sein“, sagt Annett Barkhahn. „Der Denkmalschutz ist gut, aber der Klimaschutz wird in den kommenden Jahren wichtiger werden. Was nützt uns das Denkmal, wenn wir das nicht mehr nutzen können, weil der Strom aus dem öffentlichen Netz zu teuer geworden ist“.

Auf der mecklenburgischen Frühjahrssynode 2022 hatte der Synodale Frank Claus bereits gemahnt: „Bei Gebäuden mit sehr alter Bausubstanz habe der Denkmalschutz zwar ein gewichtiges Wort mitzureden. Doch Denkmalschutz darf den Schutz des Klimas nicht ausbremsen.“

 

Mehr:

 

www.kirche-mv.de/klimaschutz

 

www.kirchliches-energiewerk.de

Quelle: ELKM (ako/cme)