"Wir werden oft mit rein westedeutscher Brille betrachtet" Ministerpräsident: Ost-West-Angleichung bleibt mühsam

20.07.2017 · Magdeburg.

Die Ost-West-Angleichung wird nach Einschätzung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) noch mehrere Jahrzehnte dauern. Es bleibe ein "mühsamer Prozess", sagte Haseloff der "Magdeburger Volksstimme". "Die alte DDR-Grenze wird womöglich auch noch am Ende dieses Jahrhunderts abgebildet sein", fügte er hinzu. Die Lücke wäre nur zu schließen, wenn der Osten auf Dauer ein höheres Wachstum hätte als der Westen.

Haseloff verwies auf große Wettbewerbsnachteile: "Die alten Länder waren 1990 schon hoch entwickelt, wir dagegen kamen aus einer ziemlich maroden Grundstruktur." Die fehlende Wirtschaftskraft sei in drei Jahrzehnten nicht aufholbar. "Schon in der Bibel steht: Die Sünden der Väter gehen bis in die dritte und vierte Generation." Insgesamt sei die Bilanz 27 Jahre nach der Wiedervereinigung "trotz noch bestehender Probleme" aber positiv.

Der Ministerpräsident kritisierte jedoch die Darstellung des Ostens vor allem von ausschließlich in Westdeutschland sitzenden überregionalen Medien. "Wir werden oft mit rein westedeutscher Brille betrachtet." Haseloff: "Mir geht die Bewertung der Lebensqualität und unserer Menschen hier im Osten gegen den Strich." Dies sei nicht fair. Es gebe immer noch zu viel Klischees. "Ostdeutschland ist kein No-Go-Gebiet und hier wird auch nicht nur rechts gewählt. Die Menschen im Osten sind kein Volk von Arbeitslosen ohne Perspektive. Mich ärgert diese oft einseitige Darstellung."

Quelle: epd