Studie zur Abwanderung aus Ostdeutschland Ostbeauftragte: Bevölkerungsentwicklung im Osten bleibt problematisch
Foto: Büro Gleicke/Sandra Ludewig
Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), hält die jüngste Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zur stark gesunkenen Abwanderung aus Ostdeutschland für nur bedingt aussagekräftig. Sie müsse da "einen ordentlichen Schuss Wasser in den Wein gießen", sagte Gleicke der "Berliner Zeitung" (Samstag). Der Studie zufolge ist die Abwanderung von Ost nach West nahezu gestoppt.
Die Abwanderung in Richtung Westen sei nicht zuletzt deshalb zum Stillstand gekommen, weil es in vielen ostdeutschen Regionen schlicht niemanden mehr gebe, der noch abwandern könne, sagte Gleicke. "Die Herausforderungen für die Kommunen werden nicht kleiner, sondern größer" - zumal der Anteil älterer Menschen ständig zunehme.
Gleicke verlangte eine Förderung der strukturschwachen Regionen in Ost und West. "Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass vor allem die wirtschaftsstarken Städte von der Wanderungsbewegung profitieren." Gleichwohl beweisen aus ihrer Sicht die Zahlen, dass der Aufbau Ost Früchte trägt: "Die Beliebtheit der ostdeutschen Universitätsstädte wäre ohne die Erfolge bei der Städtebauförderung und die Investitionen in eine hochmoderne Hochschullandschaft völlig undenkbar." Es müsse jetzt gelingen, junge Leute über das Studium hinaus vor allem an die kleineren Universitätsstädte zu binden.
Nach der am Freitag bekanntgewordenen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft lag die Differenz von Zuzügen und Fortzügen von Ost nach West ohne Berlin im Jahr 2014 bei 3.300 Menschen. Das sei der mit Abstand geringste Wert seit der Wiedervereinigung. Die neuen Bundesländer hätten wirtschaftlich aufgeholt, der starke Abbau von Arbeitsplätzen aus den Nachwendejahren sei gestoppt, hieß es. Der Osten sei attraktiv geworden.
Quelle: epd