Soziales Eigenanteil für Heimbewohner im Norden gering

04.08.2017 ·  Kiel/Schwerin.

Um bis zu 600 Euro im Monat unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland der Eigenanteil, den Pflegebedürftige im Heim zuzahlen müssen. Das geht aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf Anfrage der Linksfraktion hervor, über die die Oldenburger "Nordwest-Zeitung" (Donnerstag) zuerst berichtet hatte. In Schleswig-Holstein (289 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (295 Euro) ist der Eigenanteil vergleichsweise gering - knapp 200 Euro unter dem Bundesdurchschnitt von 581 Euro. Hamburg liegt etwa im Durchschnitt.

Die Gründe für die Unterschiede beim Eigenanteil zur Pflege im Heim liegen in der regional sehr verschiedenen Bezahlung von Pflegekräften, in den unterschiedlichen Personalschlüsseln je nach Bundesland sowie in den Kalkulationen der Heimbetreiber. Der größte Unterschied besteht zwischen dem Saarland, wo ein Eigenanteil von 869 Euro fällig wird, und Thüringen mit einer durchschnittlichen Eigenbeteiligung von 225 Euro.

Neben dem Saarland liegen Berlin (856 Euro), Baden-Württemberg (768 Euro), Bayern (725 Euro) und Nordrhein-Westfalen (758 Euro) deutlich über dem Durchschnitt. In Sachsen-Anhalt (303 Euro), Sachsen (313 Euro) und Niedersachsen (346 Euro) ist der Eigenanteil relativ gering. Auch in Bremen (473 Euro) und Brandenburg (479 Euro) liegt er noch unter dem Durchschnitt. Wie in Hamburg müssen Pflegeheim-Bewohner auch in Hessen und Rheinland-Pfalz etwa so viel bezahlen wie im Bundesdurchschnitt.

Der Eigenanteil wird von den Trägern der Heime festgelegt und für die pflegerischen Anwendungen und die Personalschulung erhoben. Seit diesem Jahr ist die Zuzahlung für alle Bewohner eines Heimes gleich hoch, unabhängig davon, wie pflegebedürftig sie sind. Früher stieg der Eigenanteil mit der Pflegestufe. Zusätzlich zum Eigenanteil müssen die Heimbewohner noch die Kosten für Unterkunft und Essen sowie einen Anteil für die Investitionsausgaben des Trägers selbst zahlen.

Die Vizevorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion, Sabine Zimmermann, warnte vor der wachsenden Ungleichheit zwischen den Bundesländern. Mancherorts seien die Eigenanteile "ein Ticket in die Altersarmut". Deshalb müsse die Pflegeversicherung zur Vollversicherung umgebaut werden, so Zimmermann. Gute Pflege dürfe nicht vom Geldbeutel und Wohnort abhängen.

Quelle: epd