EKD-Synodentagung Die evangelische Kirche will weitere Reformen anstoßen
09.11.2016 · Magdeburg. In der evangelischen Kirche zeichnen sich für den Anschluss an die Feiern zum 500. Reformationsjubiläum neue Reformbestrebungen ab. Dabei will sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) vor dem Hintergrund sinkender Mitgliedszahlen weniger mit Strukturen als mit inhaltlichen Fragen befassen.
Der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte am Dienstag bei der EKD-Synodentagung in Magdeburg, in der Vergangenheit habe man die Erneuerung der Kirche vielleicht zu leichtfertig mit strukturellen Veränderungen gleichgesetzt. Entscheidend sei aber die geistige Ausstrahlung der Kirche. "Die Strukturen haben immer nur dienenden Charakter", sagte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten.
Berufsbild des Pfarrers mögliches Reformthema
In einem Bericht des EKD-Kirchenamtes an die Synode werden als mögliche Reformthemen das Berufsbild des Pfarrers, die Gestalt von Kirche und ihrer Gemeinden, das kirchliche Handeln in der Welt und die theologische Profilierung des diakonischen Engagement genannt, die nach dem Abschluss des Festjahres im Oktober 2017 vertieft behandelt werden sollen. In dem Papier, das eine Zwischenbilanz des vor zehn Jahre begonnenen Reformprozesses "Kirche im Aufbruch" zieht, wird den 20 Landeskirchen in Aussicht gestellt, frühzeitig und umfassend in die Überlegungen eingebunden zu werden, um individuelle Planungen in den EKD-Gliedkirchen zu ermöglichen.
"Weniger denn je werden umfassende Generallösungen als geeignet angesehen für den Umgang mit der Diversität kirchlicher Verhältnisse vor Ort", heißt es. Die dominierende Rolle der EKD bei "Kirche im Aufbruch" war angesichts der tiefgreifenden Veränderungs- und Fusionsvorschläge in den Landeskirchen auf teils heftigen Widerstand gestoßen. Unter anderem hatte eine Arbeitsgruppe unter Leitung des damaligen Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber vorgeschlagen, die Qualität von Amtshandlungen durch Pfarrer genauer unter die Lupe zu nehmen und durch Zusammenschlüsse die Zahl der damals 23 Landeskirchen auf acht bis zwölf zu reduzieren. Heute zählen 20 Landeskirchen in der Summe rund 22,3 Millionen Mitglieder
Der Ratsvorsitzende Bedford-Strohm sagte, er wünsche sich einen von der EKD koordinierten "genetztwerkten Reformprozess". Das Engagement der EKD solle als Serviceleistung verstanden werden, um gegenseitig voneinander zu lernen. Wie der neue Reformprozess konkret gestaltet werden soll und welchem Zeitplan er folgt, wird nach den Worten des Vorsitzenden nun zunächst im Rat besprochen.
Zusammenführung der Kirchenämter beschlossen
Die EKD-Synode stimmte in Magdeburg abschließend für die Zusammenführung der Kirchenämter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der Union Evangelischer Kirchen und der EKD. Nach kurzer Aussprache votierten in offener Abstimmung fünf Synodale gegen die Ämterfusion. Das Kirchenparlament hat 120 Mitglieder. In den Tagen zuvor hatte die Vollversammlung der UEK einstimmig und die Generalsynode der VELKD mehrheitlich für die Zusammenführung der Ämter gestimmt. Einige Synodale aus lutherischen Landeskirchen tun sich schwer mit der Zusammenführung, in der VELKD-Generalsynode war über juristische Fragen teils äußerst kontrovers diskutiert worden.
Quelle: epd/EKD