Uhrwerk repariert Schlagglocken am Doberaner Münster ertönen wieder vollständig
Foto: M. Heider
Nach rund 50 Jahren hat das Doberaner Münster (bei Rostock) jetzt wieder ein vollständig funktionierendes Uhren-Schlagwerk. Wie die Münsterverwaltung mitteilte, wurden in den vergangenen Wochen die Gewichte und Stahlseile durch eine Firma aus Grimmen in Ordnung gebracht. Zudem wurden die Küsterinnen am Münster in die Funktion des mechanischen Werkes und das wöchentliche Aufziehen der Uhr eingewiesen.
Die drei Gewichte werden den Angaben zufolge wie eh und je mit einer Kurbel aufgezogen. Ein Gewicht dient zum Antrieb des Uhrwerkes und je eines für den Viertelstunden- sowie den Stundenschlag. Nachdem die Viertelstundenglocke in den 1960er Jahren abgestürzt und zerschellt war, konnte nur das Schlagwerk für die vollen Stunden genutzt werden. Allerdings wurde auch dieses Schlagwerk in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr genutzt.
Quelle: epd
Aus der Geschichte von Uhr und Schlagglocken
Von Martin Heider (Münsterkustos/Münsterverwalter)
Blicken wir kurz in die Geschichte von Uhr und Schlagglocken. Eine genaue Datierung des jetzigen Uhrwerks ist nicht möglich. Dazu konnten bislang keine genauen Angaben in den Archiven gefunden werden. Nach Aussage der Uhrmonteure sollte es in den 1920er Jahren entstanden sein.
In einem Bericht vom 7. September 1892 erfahren wir, dass die Uhr am Westgiebel ganz renoviert und mit einem neuen Ziffernblatt versehen wurde, bei Verwendung der Schlagglocken von 1831, wie auch ältere Ansichten der Kirche belegen.
Schauen wir weiter zurück: S. v. Schreiber schreibt in seinem Album über Doberan im Jahr 1855, dass der "westliche Giebel die goldbezifferte Stundenuhr der Kirche" birgt. Es handelt sich hier um das vorherige Ziffernblatt.
Zu den Schlagglocken: In der Acta betreffs "Die Bauten und Reparaturen an der Kirche und den geistlichen Gebäuden zu Doberan...", erfahren wir für 1831 die Beantragung der Umgießung der Glocken in Stralsund. Dass die Schlagglocken 1831 dort gegossen wurden, "VON SIMON ZACH / IN STRALSUND IM IAHR CHRISTI 1831" besagen die Inschriften auf den Glocken.
Hans Heinrich Klüver nennt 1738 die Inschrift an der Stunden-Glocke, damals sicher der Astronomischen Uhr zugehörig: "Im Jahr des Herrn 1330/ Am Tage Simonis Judae feyerlich / Der da kömmt im Nahmen des Herrn/ Gelobet sey nah und auch fern.", wobei es 1390 heißen müsste, aber der Eintrag ist wertvoll, da der Zusammenhang mit der Schlagglocke überliefert wird.
In der gerade publizierten und unbedingt zu empfehlenden Doktorarbeit von Stefan Thiele über die Restaurierungsarbeiten am Münster im 19. und 20. Jahrhundert, erfahren wir darüber hinaus, dass die alte Schlagglocke in einem extra Dachreiter auf dem Südquerhaus hing, der 1750 abgetragen wurde.