"Eine erschöpfte Gesellschaft produziert erschöpfte Kinder" Immer mehr Kinder bekommen Burn-out

03.03.2015 · Hamburg/Berlin.

Immer mehr Kinder leiden unter so starken Erschöpfungszuständen, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Der Hamburger Kinderpsychiater Michael Schulte-Markwort vom Universitätsklinikum Eppendorf sprach im "Deutschlandradio Kultur" von "alarmierenden Symptomen der Erschöpfung" bei Kindern. "Eine erschöpfte Gesellschaft produziert erschöpfte Kinder", sagte er. Ein bisher im Kinder- und Jugendalter unbekanntes Krankheitsbild sei in der Kindheit angekommen.

Wenn Kinder niedergeschlagen sind und weinen, an sich zweifeln oder nicht mehr essen und schlafen, deute das auf einen Erschöpfungszustand hin. Es gebe ganz unterschiedliche Varianten, sie mündeten aber letztendlich auch bei Kindern alle in einer Erschöpfungs-Depression.

Die Ursachen seien vielfältig, sagte Schulte-Markwort. Es gebe nicht die eine Ursache, sondern es sei ein ganzes "Puzzle, das sich aus Einzelteilen zusammensetzt". Die Schule spiele eine besondere Rolle, da sich dort das Leistungsprinzip auf ungute Weise verdichte. Der Psychiater wünscht sich eine konstruktive und nicht vorwurfsvolle Debatte darüber, "welche Kinder wir eigentlich haben wollen - und welche Werte wir ihnen vermitteln".

Schulte-Markwort ist ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie, -Psychotherapie und -Psychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sein Buch "Burnout-Kids: Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert" (ISBN 978-3629130655) erschien am Montag.

Quelle: epd