Internationales Symposium zur Vermittlung von religiösen Inhalten Hamburger Theologe: Religion verliert für Kirchen an Bedeutung
26.02.2015 · Jena/Hamburg.Die säkulare Gesellschaft ist nach Ansicht des Hamburger Theologieprofessors Michael Moxter mit einem Bedeutungsverlust der Religion für die Kirchen verbunden. Religion sei zwar wieder "ein ernsthaftes Thema", sagte Moxter am Mittwoch auf einer Podiumsdiskussion in der Jenaer Universität. Es sei aber "sehr die Frage, ob die Kirchen daraus Hoffnung schöpfen können". Religion bestimme "nicht länger nur die kirchliche Leitkultur", sondern sei von Vielfalt geprägt. Moxter lehrt in Hamburg Systematische Theologie.
Das Podium beendete ein dreitägiges internationales Symposium von Theologen und Soziologen zur Vermittlung von religiösen Inhalten in der modernen Welt. Dabei ging es auch um notwendige Veränderungen, um in einer weitgehend nichtreligiösen Gesellschaft überhaupt noch gehört und verstanden zu werden. Vor diesem Hintergrund sei eine öffentliche Präsenz von religiösen Symbolen und Riten unverzichtbar, sagte Moxter.
Dazu bedürfe es der "religiösen Rede im O-Ton" mit allen ihren Feierlichkeiten, Übertreibungen, Metaphern und Bildern, betonte Moxter. Zu einer solchen "Sprache mit Widerhaken" gehöre auch "die Verweigerung, alles zu glätten". Die säkulare Gesellschaft müsse Religion "ertragen, ohne ihr zu folgen". "Religiöse Rede muss das Wort stiften, mit dem das Ambivalente des Lebens ertragen werden kann", fügte der evangelische Theologe hinzu.
Der Jenaer Religionspädagoge Michael Wermke sagte, bei den Wortmeldungen religiöser Menschen in den gesellschaftlichen Debatten gehe es häufig um Fragen wie Pränataldiagnostik oder Sterbehilfe und damit um Themen, "die Grenzen menschlichen Lebens berühren". Dazu gehörten ferner ethische Debatten, die durch den technischen Fortschritt ausgelöst werden. Für religiöse Menschen gebe es dabei Bezugsgrößen außerhalb der menschlichen Sphäre.
Quelle: epd