Diakoniepastor Martin Scriba zu steigenden Flüchtlingszahlen "Die Kommunen müssen ihre Öffentlichkeitsarbeit verbessern"

Diakoniepastor Martin Scriba

© kirche-mv.de/D. Vogel

20.02.2015 · Schwerin. In Mecklenburg-Vorpommern wird in diesem Jahr mit 6.000 neuen Asylbewerbern gerechnet. Im vergangenen Jahr waren es rund 4.400. Steigende Flüchtlingszahlen stellen auch die Wohlfahrtsverbände vor neue Herausforderungen. Im Gespräch erzählt Diakoniepastor Martin Scriba was die Diakonie unternimmt und was von der Politik erwartet wird.

Was tut die Diakonie im Nordosten angesichts steigender Flüchtlingszahlen?

Martin Scriba: Zunächst einmal muss gesagt werden, dass uns alle die Situation überrollt hat. Die Diakonie versucht, durch verschiedene Maßnahmen Hilfe zu schaffen. Ich bin dankbar, dass die Träger unserer Einrichtungen, dort, wo es möglich ist, unbürokratisch Flüchtlingskinder in die Gruppen integrieren. Außerdem haben wir als Dachverband einen neuen Fachbereich eingerichtet, in dem fünf Mitarbeiter auch für die Beratung und Begleitung von Flüchtlingen zur Verfügung stehen werden und die notwendige Netzwerkarbeit leisten sollen. Diese Arbeit wird derzeit ganz aus kirchlichen Mitteln bezahlt.

Was erwarten Sie von der Politik?

Martin Scriba: Es gibt leider noch keine ausreichende Struktur für die Flüchtlingsberatung in MV. Die Betroffenen kommen in die wenigen Migrationsberatungsstellen, deren Mitarbeiter inzwischen überlastet sind. Noch ist leider nicht erkennbar, wie das Land die notwendige Begleitung der Flüchtlinge zu organisieren beabsichtigt. Außerdem müssen gute Lösungen für die Beschulung von Flüchtlingskindern gefunden werden. Auch hier sind noch wichtige Fragen zu klären.

Wie schätzen Sie die Bereitschaft in der Bevölkerung ein, Flüchtlinge aufzunehmen?

Martin Scriba: Ich erlebe die Menschen als offen. Damit das so bleibt, müssen die Kommunen ihre Öffentlichkeitsarbeit allerdings verbessern. Sie müssen die Menschen rechtzeitig darüber informieren, woher die Flüchtlinge kommen, warum sie nach Deutschland kommen und welchen kulturellen Hintergrund sie haben. Wichtig ist auch, dass die Unterbringung der Flüchtlinge gut organisiert wird. Sonst könnte möglicherweise die Bereitschaft der Bevölkerung schwinden, diese Menschen bei uns auch willkommen zu heißen.

Quelle: epd