Menschen aus zwölf Ländern Ost- und Mitteleuropas haben an der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Berliner Mauerstreifen ein gemeinsames europäisches "Friedensbrot" gebrochen. Anlass war der 25. Jahrestag von friedlicher Revolution und Mauerfall. An dem Festakt mit ökumenischer Andacht nahmen unter anderem Bundeslandwirtschaftminister Christian Schmidt (CSU) und die polnische Vize-Agrarministerin Zofia Szalczyk teil.
Das europäische "Friedensbrot" war von einem Berliner Bäckermeister aus Roggenernten von elf mittel- und südosteuropäischen Länder verbacken worden, die früher hinter dem Eisernen Vorhang lagen und seit 1989 der EU beigetreten sind. Das Saatgut stammte vom Roggenfeld auf dem ehemaligen Todesstreifen an der Bernauer Straße.
Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt würdigte das Projekt als eine großartige Idee, die Menschen über Grenzen hinweg verbinde. "Es mag klein und unscheinbar daher kommen und doch ist es ein Sinnbild für Leben, Frieden und Völkerverständigung", sagte der CSU-Politiker. Leider sei es nicht selbstverständlich, in allen Teilen der Welt in Frieden zu säen, zu ernten und Brot zu backen. Genauso, wie der Mangel an Brot Unsicherheit, Streit und Gewalt provoziere, habe Brot auch die Macht, Frieden zu schaffen.
An dem Projekt "Friedensbrot" sind neben Deutschland, Polen und Rumänien auch die baltischen Staaten, die Tschechische Republik, die Slowakei, Ungarn, Bulgarien sowie Kroatien und Slowenien beteiligt. "Wir wollen damit ein Zeichen setzen für ein Europa ohne Grenzen und ein friedliches Miteinander", erklärte der Geschäftführer des 2012 gegründeten Vereins "Friedensbrot", Gibfried Schenk. Im Jubiläumsjahr 2014 sollte zudem eine europäische Gesprächs- und Begegnungsplattform mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft geschaffen werden. Dazu wurde in Berlin auch eine Konferenz abgehalten. Im nächsten Jahr soll die Veranstaltung in Polen fortgesetzt werden.
Angelehnt an das Roggenfeld auf dem früheren Berliner Todesstreifen wurde das Getreide auch in den anderen Ländern an symbolträchtigen Orten angebaut. So stammte beispielsweise der Roggen aus Polen aus Suchowola, dem Geburtsort des Priesters Jerzy Popieluszko, der wegen seiner Unterstützung für die Gewerkschaft Solidarnosc 1984 vom polnischen Geheimdienst ermordet wurde. Das Korn aus Rumänien kam aus Rubla, einem früheren Verbannungsort, das litauische Getreide aus Kaunas, einem ehemaligen KGB-Gefängnis und Konzentrationslager.
Quelle: epd