Religiöse Zwecke verlieren an Bedeutung Die Deutschen spenden mehr und anders
05.11.2014 · Berlin. Das Spendenverhalten der Deutschen ist im Umbruch. Die Bereiche Krankheit und Behinderung verzeichnen deutliche Zuwächse, während kirchliche und religiöse Zwecke an Bedeutung verlieren. Immer mehr Geld fließt in kleine Organisationen und Projekte.
In Deutschland wird wieder mehr gespendet. Von Januar bis August dieses Jahres gaben die Deutschen rund 2,7 Milliarden Euro, wie der Deutsche Spendenrat am Dienstag in Berlin mitteilte. Damit lag das private Spendenaufkommen mit einer Steigerung von 4,6 Prozent deutlich über dem Vorjahreszeitraum, der von der Flut an Donau und Elbe in Deutschland geprägt war. Vergleichbar hohe Spenden gab es zuletzt nur im Jahr 2005 nach dem Tsunami in Asien.
Laut einer im Auftrag des Deutschen Spendenrates erstellten GfK-Analyse sank zugleich die Zahl der Spender in diesem Jahr um zwei Millionen auf rund 16,2 Millionen Personen. Das entspricht knapp einem Viertel der deutschen Bevölkerung über zehn Jahre, die in den ersten acht Monaten dieses Jahres Geld an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen spendeten. Zugleich stieg die durchschnittliche Spende von 30 auf 34 Euro und es wurde häufiger gespendet.
Fast alle Bereiche verzeichneten laut GfK Zuwächse im Spendenaufkommen. Deutlich an Bedeutung gewonnen haben den Angaben zufolge aber Spenden für die Bereiche Krankheit und Behinderung (plus sieben Prozent). Sie wurden überdurchschnittlich oft über Freunde und Bekannte oder über die Medien angestoßen.
Weniger Spenden (minus drei Prozent) verzeichneten dagegen die Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie der Bereich Not- und Katastrophenhilfen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum spendeten die Deutschen zwischen Januar und August dieses Jahres beispielsweise 82 Millionen Euro mehr für humanitäre Hilfe, 27 Millionen Euro mehr für den Sport ("WM-Effekt") oder 13 Millionen Euro mehr für den Natur- und Umweltschutz.
Dabei ist die Bedeutung nicht konfessioneller Organisationen laut GfK in diesem Jahr mit einem Plus von über sechs Prozent weiter angestiegen. Immer häufiger würde für kleinere nicht konfessionelle Organisationen wie die Deutsche Herzstiftung, Care, Aktion Medeor oder die Tierschützer von PETA gespendet. Dagegen verzeichneten alle katholischen und evangelischen Organisationen einschließlich der jeweiligen Hilfswerke aber auch die Top 30 bekannter nicht konfessionellen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, WWF oder der Weiße Ring leichte Rückgänge von durchschnittlich zwei Prozent.
Die Zuwächse im Spendenvolumen sind laut der GfK-Analyse vor allem auf die 40- bis 59-Jährigen zurückzuführen. Diese Altersgruppe habe im Zeitraum Januar bis August 2014 weit überproportional für den Spendenzweck Krankheit und Behinderung gespendet und löste damit die bisherigen Hauptspender der Altergruppe 60 plus ab. Der Anstoß dazu erfolgte deutlich häufiger durch Freunde und über die Medien als bei älteren Spendern. Das durchschnittliche Spendenvolumen lag bei den 40- bis 59-Jährigen bei 213 Euro, bei den Spendern über 60 Jahre bei 167 Euro.
"Hier könnten auch Initiativen wie die Ice-Bucket-Challenge oder soziale Netzwerke wesentlich zur Erhöhung der Spendenbereitschaft beigetragen haben", vermutet die Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats, Daniela Felser. Darauf deutet auch hin, dass laut der GfK-Analyse immer häufiger Freunde den Anstoß für eine Spende geben.
Quelle: epd