Konferenz des Polnischen Ökumenischen Rats Bischof Abromeit für vertiefte Beziehungen zu evangelischen Ost-Kirchen

Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit

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14.05.2014 · Warschau.

Der Greifswalder Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit hat die deutschen Kirchen aufgerufen, ihre Beziehungen zu den evangelischen Kirchen im Osten zu vertiefen. Die evangelischen Kirchen in Deutschland orientierten sich traditionell eher nach Westen hin. Das bedeute aber eine Verkürzung der Perspektive, sagte Abromeit am Dienstag in Warschau bei einer Konferenz des Polnischen Ökumenischen Rates zum Thema "Versöhnung als Aufgabe der Kirchen in Europa". Abromeit ist seit 2010 Beauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die deutsch-polnischen Beziehungen.

Abromeit sprach sich grundsätzlich für die Versöhnungsarbeit der Kirchen aus. Gott gebrauche seine Kirche, um Versöhnung in dieser Welt auszubreiten. Differenzen müssten dabei nicht geleugnet werden. Einheit der Kirche müsse keine Einförmigkeit bedeuten und auch nicht einen organisatorischen Zusammenschluss. Das Modell der "versöhnten Verschiedenheit" habe sich aus evangelischer Sicht bewährt. "Versöhnte Verschiedenheit" setze Umkehrbereitschaft auf allen Seiten voraus und Offenheit für die Existenz der anderen, "die unter Umständen jahrhundertelang als Gegner eingeschätzt wurden."

Als Beispiel für versöhnendes Handeln der Kirche im politischen Raum nannte Bischof Abromeit in seinem Vortrag die sogenannte Ostdenkschrift des Rates der EKD von 1965. Sie begründete die Beziehungen zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und den polnischen Kirchen. Abromeit: „Niemand von den damaligen Politikern, der wiedergewählt werden wollte, wagte auszusprechen, dass es an der Zeit war, auf die vormals deutschen Gebiete im Osten zu verzichten. Die Ostdenkschrift geht diesen Weg, indem sie aber gleichzeitig auch das den deutschen Vertriebenen zugefügte Unrecht ausspricht. Trotzdem gibt sie durchgehend dem Willen zur Versöhnung Ausdruck.“

Der Polnische Ökumenische Rat (Polska Rada Ekumeniczna) ist ein Verbund von altkatholischen, evangelischen und orthodoxen Kirchen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg zusammengeschlossen haben. Die rund 75.000 Mitglieder der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen machen 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung aus und leben zum größten Teil in Schlesien.

Quelle: epd/Bischofskanzlei Greifswald