Nordkirche Präses Tietze sieht politisches Mandat der Kirchen bei Frieden und Gerechtigkeit
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Nordkirchen-Synodenpräses Andreas Tietze hat der Kirche ein "klares politisches Mandat" bei den Themen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eingeräumt. Die evangelische Kirche könne mit ihrem Erfahrungspotential bei der Entwicklung zu einer "Gemeinwesenökonomie und einer solidarischen Wirtschaft eine echte Vorreiterrolle einnehmen", sagte Tietze am Dienstag auf einer kirchlichen Veranstaltung in Preetz. Neben dem Grünen-Politiker hielt auch der Botschafter der Republik Ecuador, Jorge Jurado, einen Vortrag.
In seinem Impulsreferat verwies der Präses auf die Entwicklung der Vorstellung vom "guten Leben" in Europa. "Das Brutto-Inlandsprodukt (BIP) war bisher Gradmesser dessen, was gutes Leben ausmacht", sagte er. Das BIP bilde aber die gesellschaftliche Wirklichkeit nur unzureichend ab. Umweltfragen, Bildungschancen und Verteilungsgerechtigkeit würden nicht berücksichtigt, seien aber Kerngrößen bei der Frage nach der zukünftigen Entwicklung der Gesellschaft.
Jurado erläuterte in seinem Vortrag, dass das Prinzip "Buen Vivir - Gutes Leben" Eingang in die konkrete politische Planung der Regierung Ecuadors gefunden habe. Das Prinzip, das von ihm mit "Leben in Würde" übersetzt wurde, beinhalte die Wahrung der Menschenrechte wie die Rechte der Natur und ziele auf die Überwindung des auf Ausbeutung der Ressourcen zielenden Wirtschaftens.
Jurado erwähnte in diesem Zusammenhang das Scheitern der Initiative zur Rettung des Nationalparks Yasuní in Ecuador durch einen internationalen Treuhandfond (Yasuní ITT Initiative). In dem von der UNESCO 1989 zum Biosphärenreservat ausgerufenen Regenwaldgebiet werden seit Ende 2013 Ölvorkommen abgebaut. Die Regierung Correa hatte die Entscheidung zum Schutz des Nationalparks von der Ausgleichszahlung durch die internationale Staatengemeinschaft abhängig gemacht. Der Nationalpark hat eine Fläche von 9.820 Quadratkilometern.
Quelle: epd