Ausstellung zum Warschauer Aufstand eröffnet Gauck nennt heutige Freundschaft zwischen Deutschland und Polen ein "Wunder"

30.07.2014 · Berlin. Mehr als 160.000 Tote an 63 Tagen: Der Warschauer Aufstand von 1944 markiert ein besonders grausames Kapitel der Geschichte. Rund 70 Jahre später führt eine Ausstellung in Berlin die Ereignisse wieder vor Augen.

Rund 70 Jahre nach dem Warschauer Aufstand hat die Berliner Gedenkstätte "Topographie des Terrors" dem blutig niedergeschlagenen Widerstand eine Ausstellung gewidmet. Bundespräsident Joachim Gauck eröffnete am Dienstag gemeinsam mit seinem polnischen Kollegen Bronislaw Komorowski die Präsentation von Schaubildern, Dokumenten und Filmen auf historischem Gelände.

"Diese Ausstellung hier an diesem Ort ist notwendig, vielleicht überfällig", sagte das deutsche Staatsoberhaupt. Die Ausstellung wurde vom polnischen Museum des Warschauer Aufstands extra für das Berliner Dokumentationszentrum erarbeitet.  

Der deutsche Überfall auf Polen 1939 habe sich tief in das Bewusstsein der Deutschen gegraben, sagte Gauck. Die Erinnerung an die nachfolgende gut fünfjährige Besatzungszeit werde allerdings vom Krieg gegen die Sowjetunion und dem Mord an den Juden überlagert. "Es ist deshalb kein Zufall, dass der Aufstand im Warschauer Ghetto im Frühjahr 1943 in Deutschland bekannter ist als der Warschauer Aufstand im Spätsommer 1944."

Die Ausstellung bringe zudem eine spezifisch polnische Perspektive ein. "Sie hilft uns zu verstehen, welche besondere Rolle der Warschauer Aufstand in der polnischen Geschichte spielt", sagte Gauck." Sie hilft uns zu verstehen, warum für viele Polen Fragen von Freiheit und Unabhängigkeit bis heute so essenziell bleiben."

Für die Ausstellung könne es kaum einen angemesseneren Ort in Deutschland geben als die "Topographie des Terrors", sagte der Bundespräsident.  Auf dem gut sechs Hektar großen Gelände direkt neben dem Martin-Gropius-Bau im Zentrum Berlins befand sich zwischen 1933 und 1945 das Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und der SS-Führung. "Hier wurde das Schicksal der polnischen Hauptstadt endgültig besiegelt, als Hitler den Befehl zur vollständigen Niederschlagung des Aufstandes und zur Zerstörung der Stadt erteilte."

Abgesehen von einem Teil der Tschechoslowakei sei kein Land länger von der Wehrmacht besetzt gewesen als Polen. Auf polnischem Boden errichtete das NS-Regime die meisten der Konzentrationslager, in denen Millionen europäischer Juden ermordet wurden. "Angesichts dieser Vergangenheit, auch angesichts der Tatsache, dass die Strafverfolgung der Hauptverantwortlichen in der jungen Bundesrepublik zögerlich war oder ganz unterblieb, grenzt es für mich an ein Wunder, dass Polen und Deutsche heute nicht nur Nachbarn sind, die sich vertragen, sondern Freunde, die sich mögen."

Vom 1. August 1944 an kämpften die Widerständler 63 Tage gegen die deutschen Besatzungstruppen, bevor sie kapitulierten. Die deutschen Truppen begingen Massenmorde unter der Zivilbevölkerung, mehr als 150.000 Zivilisten sowie 15.000 Soldaten wurden getötet. Mit Archivfotografien, Textinformationen, Faksimiles von Dokumenten, aber auch Tonquellen, interaktiven und multimedialen Elementen soll die Geschichte der polnischen Hauptstadt nach 1918 bis zu ihrer Zerstörung lebendig gemacht werden. Auch die Jahre nach Warschaus Unterwerfung werden beleuchtet.

Quelle: epd