Von unverhohlener Kriegsbegeisterung zum Pazifisten Ausstellung zu "Ernst Barlach und der Erste Weltkrieg" in Güstrow
31.07.2014 · Güstrow.Eine Sonderausstellung "Ernst Barlach und der Erste Weltkrieg" wird am Sonntag (3. August, 11.30 Uhr) in der Güstrower Ernst-Barlach-Stiftung eröffnet. Anlass für die Präsentation im Ausstellungsforum am Heidberg ist der 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges. Die bis zum 19. Oktober laufende Schau widme sich dem bislang kaum beachteten Aspekt, wie der Bildhauer, Zeichner und Schriftsteller Ernst Barlach (1870-1938) zunächst den Ersten Weltkrieg begrüßte.
Gezeigt werden bislang noch nie ausgestellte Zeichnungen, Handschriften und Taschenbuchskizzen Barlachs, historisches Bildmaterial, Waffen und Uniformen sowie zahlreiche Künstlerflugblätter. Sie gewähren einen Einblick seine Biographie, fördern neuartige Facetten seines Werkes zu Tage und ermöglichen anhand eines herausragenden Künstlers der klassischen Moderne Aufschluss über den durch den Ersten Weltkrieg bewirkten Epochenbruch.
Barlach zeigte anfänglich eine unverhohlene Kriegsbegeisterung, die er in seinem ab 1914 verfassten "Güstrower Tagebuch" dokumentierte. Spätestens während seiner dreimonatigen Ausbildung zum Landsturmmann ab Dezember 1915 "kamen ihm jedoch heftige Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Legitimation des Krieges". Etwa ab Anfang 1916 veränderte sich seine Einstellung zum Krieg grundlegend. Er wurde zu einem vehementen Kriegsgegner und Pazifisten.
Dieser Wandel zeigt sich laut Stiftung besonders deutlich in seinem originären Beitrag zur Frage der angemessenen Ehrung im Krieg gefallener Soldaten. Barlach entwickelte einen neuartigen Typus von Kriegerdenkmal, der weder den Soldatentod als sakralen Opfertod für das Vaterland darstellt noch einen bedingungslosen Heroismus proklamiert.
Krieg und seine Folgen waren für ihn "Ausdruck der Apokalypse in einem technisierten Zeitalter, die den Menschen schonungslos dem Schmerz, Tod, Leid und der Trauer aussetzt", erklärte die Stiftung. Barlach verstand seine Kriegerehrenmale als "Denkzeichen", die die Frage aufwerfen, ob Krieg mit all seinen Folgen je legitimierbar sei. Seine einzigartigen Darstellungen wie etwa der Schwebende im Güstrower Dom (1927) und die Soldatengruppe seines "Magdeburger Mals" (1929) seien zeitlose Gestalten und "von bestürzender Aktualität".
Zum Begleitprogramm gehören ein Vortrag im Güstrower Dom (23. August, 19.30 Uhr) und eine Filmvorführung "Im Westen nichts Neues" im Ausstellungsforum (23. September, 19 Uhr). Am letzten Ausstellungstag gibt es ein Konzert im Ausstellungsforum (19. Oktober, 11.30 Uhr).
Quelle: epd