Liturgiewissenschaftler Kranemann: Verzicht auf Karfreitag wäre Verlust für Festkultur
09.04.2014 · Erfurt.Der katholische Erfurter Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann hat vor einem Verzicht auf den besonderen Charakter des Karfreitags als "stiller Tag" gewarnt. Die Abschaffung dieses besonderen Feiertages bedeute "einen deutlichen Eingriff in unsere Festkultur", sagte Kranemann. Der Karfreitag ist ursprünglich religiös motiviert und gilt Christen als Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz.
Mit seiner Besonderheit stehe dieser Tag "quer zu allen sonst üblichen Feiertagsgewohnheiten, besonders wenn es um Events im öffentlichen Raum geht", stellte der Theologe fest. Eine Abschaffung sei mit Verlusten verbunden. Eine über Jahrhunderte gewachsene Festkultur sei "leicht zu beschädigen, aber nur schwer zu reparieren". Zudem sollte gerade in einer pluralen Gesellschaft auch der Respekt vor der religiösen Praxis, wie sie Juden, Christen und auch Muslime leben, selbstverständlich sein.
Das gelte besonders dann, "wenn Traditionen wie die von Judentum und Christentum die Kultur eines Landes maßgeblich geprägt haben", betonte der Wissenschaftler. Manche Ablehnung des Karfreitags erkläre sich möglicherweise mit heutigen Schwierigkeiten beim Umgang mit dessen Themen wie Leiden, Tod und Trauer. Dieser Tag sei jedoch "für Christen und Nichtchristen eine Zeit, um sich mit existenziellen Fragen konfrontieren zu lassen", fügte Kranemann hinzu.
Quelle: epd