Stasi-Unterlagenbehörde Nachfrage nach Stasiakten stark rückläufig

14.10.2013 · Berlin. Die Zahl der Anträge auf Akteneinsicht bei der Stasi-Unterlagenbehörde geht in diesem Jahr stark zurück. Das berichtet die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf neueste Behördenzahlen. Demnach gingen bis Ende September 48.365 Anträge auf Akteneinsicht ein. Das sind im Schnitt 5.373 Anträge monatlich und hoch gerechnet auf das gesamte Jahr 64.476. 

Im Vorjahr lag die Gesamtzahl der Anträge demnach bei 88.231, was durchschnittlich 7.352 pro Monat entsprach. Der Rückgang beträgt also knapp 25 Prozent, schreibt das Blatt. Der sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Lutz Rathenow, sagte der "Berliner Zeitung" gleichwohl: "Der Beratungsbedarf zur Akteneinsicht oder zur Frage, ob man einen Antrag stellen solle, ist im Laufe dieses Jahres bei uns in Sachsen keinesfalls gesunken." Statistische Erhebungen seien kein Zeichen sinkenden Interesses.

So führe er persönlich etwa ein Viertel der Gespräche mit Leuten, die sich noch nicht trauten, einen Antrag zu stellen, erläuterte Rathenow gegenüber der "Berliner Zeitung". Die einen hätten Angst vor unangenehmen Überraschungen. Die anderen fürchteten, überhaupt keine Akten zu haben. Wieder andere sorgten sich, in der Behörde auf einen ehemaligen Stasi-Mitarbeiter zu treffen - oder wollten abwarten, bis alle zerrissenen Akten zusammengepuzzelt seien.

Der FDP-Politiker Patrick Kurth, Mitglied im Behördenbeirat, erklärte: "Die Zahlen sind kein Grund dafür, bei der Aufarbeitung die Axt anzulegen." Der linke Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich betonte in der "Berliner Zeitung": "Unabhängig von der konkreten Antragszahl finden wir, dass die Einsicht in die Akten gewährleistet bleiben muss. Ob es dazu einer eigenen Behörde bedarf, sollte auf Basis der Vorschläge der lang angekündigten Expertenkommission diskutiert werden." Liebich ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beratungsgremium der Behörde. Die schwarz-gelbe Koalition hatte eine solche Kommission eigentlich einsetzen wollen, dann aber darauf verzichtet.

Quelle: epd