Mahn- und Gedenkstunde am 9. November „Schon vergessen?!“ – Schwerin erinnert an die Pogromnacht

03.11.2026 · Schwerin. Unter dem Titel „Schon vergessen?!“ findet am Montag, dem 9. November 2026, um 18 Uhr auf dem Schweriner Schlachtermarkt eine öffentliche Mahn- und Gedenkstunde zum 88. Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 statt.

Der Arbeitskreis „9. November 1938“ lädt gemeinsam mit dem Landesrabbiner Yuriy Kadnykov und der Jüdischen Gemeinde Schwerin dazu ein, der Opfer nationalsozialistischer Gewalt zu gedenken und ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit zu setzen“, informiert Karl-Georg Ohse.

 

Die Pogromnacht vom 9. November 1938 markierte einen entscheidenden Einschnitt auf dem Weg zur systematischen Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Synagogen wurden in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte zerstört, Menschen misshandelt, ermordet und in Konzentrationslager verschleppt. Was sich in jener Nacht offen und gewaltsam zeigte, mündete schließlich im Holocaust, dem millionenfachen Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden.

 

Erinnerung ist keine Selbstverständlichkeit

 

„Heute erleben wir erneut, wie antisemitische Einstellungen Raum gewinnen, wie die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert und historische Verantwortung infrage gestellt werden. Nationalistisch-autoritäre Kräfte versuchen, die Erinnerung an den Holocaust zu verdrängen oder zu instrumentalisieren“, so Karl-Georg Ohse. Gerade deshalb stelle die Gedenkstunde die Frage: „Schon vergessen?!“ Ohse: „Sie richtet sich an die Verantwortung der Nachgeborenen und erinnert daran, dass das Wissen um die Geschichte und die Bereitschaft, daraus Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen, unverzichtbar bleiben.“

 

Bereits am Vormittag des 9. November findet ein Projekttag für rund 200 Schülerinnen und Schüler statt. Im Mittelpunkt steht dabei das jüdische Leben in Mecklenburg-Vorpommern. Damit verbindet der Arbeitskreis das historische Gedenken mit der Auseinandersetzung über jüdische Gegenwart, Kultur und gesellschaftliche Vielfalt. Der Arbeitskreis „9. November 1938“, der Landesrabbiner Yuriy Kadnykov und die Jüdische Gemeinde Schwerin laden alle Bürgerinnen und Bürger herzlich ein, an der Mahn- und Gedenkstunde teilzunehmen und gemeinsam ein Zeichen für Erinnerung, Menschlichkeit und ein solidarisches Miteinander zu setzen.

Quelle: ELKM (kgo/cme)