Rund 58 Millionen Euro-Etat / Rücklagen gleichen Haushalt rechnerisch aus Kirchenkreis Mecklenburg beschließt Haushalt für 2027
Foto: kirche-mv.de/D. Vogel
06.11.2026 · Güstrow. Der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Mecklenburg steht vor finanziellen Herausforderungen. Die Einnahmen sinken, während Personal-, Energie- und Gebäudekosten weiter steigen. Der Haushalt für 2027 mit einem Gesamtvolumen von rund 58 Millionen Euro kann deshalb nur durch die Entnahme von rund 8,5 Millionen Euro aus Rücklagen rechnerisch ausgeglichen werden. Die Kirchenkreissynode befasste sich am Wochenende auf ihrer Herbsttagung in Güstrow intensiv mit der angespannten finanziellen Situation und beschloss den Etat mit großer Mehrheit.
„Wir haben wenig Spielraum“, sagte Kathrin Thim bei der Vorstellung des Haushaltsplans. Die Ressourcen würden knapper und stellten den Kirchenkreis vor strukturelle Herausforderungen. „Wir brauchen Gestaltungskraft und neue Konzepte, die klug und vorausschauend unsere finanzielle Leistungsfähigkeit sichern“, so die Fachbereichsleiterin Finanzen der Kirchenkreisverwaltung. Der Kirchenkreis sei weiterhin handlungsfähig, könne aber nicht unbegrenzt auf Rücklagen zurückgreifen, stellte sie klar.
Die Ursachen für die angespannte Finanzlage erläuterte Prof. Tobias Schulze, Vorsitzender des Finanzausschusses: Der demografische Wandel und die sinkende Mitgliederzahl führen zu rückläufigen Kirchensteuereinnahmen. Gleichzeitig belasteten die Inflation der vergangenen Jahre sowie steigende Personal-, Energie- und Gebäudekosten den Haushalt.“
Wo säen wir als Kirche trotz Sparzwang neue Hoffnung?
In der Diskussion wurde deutlich, dass der geistliche Auftrag der Kirche – die Verkündigung des Evangeliums und die Begleitung der Menschen – auch unter veränderten finanziellen Bedingungen gesichert werden soll. Pastorin Christina Jonassen aus Neubrandenburg gab den Synodalen in ihrer Morgenandacht dazu einen Impuls: „Wo säen wir trotz Sparzwang neue Hoffnung? Wo wir investieren wir, dass die Wärme des Evangeliums klug verbreitet werden kann?“
Die Berichte aus den Ausschüssen und der Diskurs im Plenum zeigten ebenso auf: Um weiterhin möglichst flächendeckend präsent zu sein, müssten Relevanz, Qualität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit stärker berücksichtigt werden. Auch Verwaltungsabläufe sollten vereinfacht und Einnahmen erhöht werden. Zugleich warnte Prof. Tobias Schulze davor, Entscheidungen allein an Zahlen auszurichten: „Kürzungen dürfen nicht nur mit dem Blick auf die reinen Zahlen erfolgen.“ Für den Finanzausschuss schlug der Synodale ein Maßnahmenpaket zur Haushaltskonsolidierung vor, dass eine Begleitgruppe erarbeiten sollte.
Kirchenkreisrat wird Konzept zur Haushaltskonsolidierung erarbeiten
Im Ergebnis der Diskussion und der Abstimmung wird nicht eine Begleitgruppe das Konzept erarbeiten. Vielmehr kündigte der Kirchenkreisrat an, bis zur Frühjahrssynode 2027 ein Maßnahmepaket vorzulegen, da das Gremium ohnehin schon längere Zeit mit dem wichtigen Thema beschäftigt ist.
Großteil des Budgets für kirchliche Arbeit vor Ort
Die wichtigsten Einnahmen des Kirchenkreises sind Kirchensteuern und Staatsleistungen einschließlich Patronatsleistungen. Die Nordkirche erhebt und verteilt diese Mittel zentral nach festgelegten Kriterien. Auf den Kirchenkreis Mecklenburg entfallen 2027 rund 38 Millionen Euro sogenannter Schlüsselzuweisungen. Hinzukommen als Einnahmen unter anderem Erträge aus dem Vermögen der örtlichen Kirchen, beispielsweise Pachteinnahmen für kirchliche Ländereien. Auf der Ausgabenseite belaufen sich beispielsweise die Personalkosten des gesamten Kirchenkreises für die Kirchengemeinden auf rund 21 Millionen Euro.
Gut 63 Prozent der verfügbaren Verteilmasse kommen den 172 Kirchengemeinden zugute. Damit werden unter anderem Seelsorge, Angebote für Familien, Kinder und Jugendliche, Geflüchtete und Senioren sowie Bauaufgaben finanziert. Die Höhe des Kirchenkreisanteils laut Finanzsatzung wurde im Haushaltsbeschluss auf 37 Prozent festgelegt.
Dienste und Werke werden neu aufgestellt – 1,2 Millionen Euro Einsparungen bis 2030
Neben dem Haushalt stand in Güstrow die Neuordnung der Dienste und Werke im Kirchenkreis Mecklenburg auf der Tagesordnung. Bis 2030 sollen in diesem Bereich insgesamt rund 1,2 Millionen Euro eingespart werden. Das entspricht etwa 30 Prozent der bisherigen Personalkosten. Über den Stand der Umsetzung informierte Propst Dirk Fey in seinem Bericht vom 22. Oktober 2026. Drei Maßnahmen sind bereits vollständig abgeschlossen. Sie entlasten den Haushalt jährlich um 276.540 Euro. Weitere Einsparungen betreffen unter anderem die Krankenhausseelsorge, das Zentrum Kirchlicher Dienste und die Zuschüsse an das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern.
Parallel dazu werden die Arbeitsbereiche unter dem Dach eines gemeinsamen „Campus für Dienste und Werke“ in Rostock neu organisiert. Auch die Tagungshäuser Pfarrhaus Damm und Haus der Kirche in Güstrow sollen wirtschaftlich gestärkt und ihre Angebote weiterentwickelt werden.
Fundraising soll zusätzliche Mittel erschließen
Neue Einnahmequellen will der Kirchenkreis durch den Aufbau einer Fundraising-Struktur erschließen. In einer Pilotphase von 2027 bis 2029 sollen insgesamt 350.000 Euro durch Spenden, Stiftungen und Kooperationen mit Unternehmen eingeworben werden. Damit sollen auch zusätzliche Fördermöglichkeiten für den Erhalt der rund 1.000 denkmalgeschützten Kirchengebäude erschlossen werden.
Geplant ist außerdem ein neuer Standort für das Zentrum Kirchlicher Dienste. Eine Kombination aus Räumen im Nikolaiturm und im Slüterhaus soll den bisherigen, kostenintensiven Standort am Alten Markt in Rostock ersetzen. Der Umzug soll bis Oktober 2028 abgeschlossen sein. Für die erforderlichen Umbauarbeiten gilt eine Budgetobergrenze von 1,4 Millionen Euro.
Propst Dirk Fey betonte: „Mit den Maßnahmen sollen die kirchlichen Dienste langfristig wirtschaftlich tragfähig aufgestellt und ihre Aufgaben unter veränderten finanziellen Rahmenbedingungen gesichert werden.“
Weitere Informationen und Bilder: 7. Tagung der III. Kirchenkreissynode
Quelle: ELKM (cme)