Dorfkirche - Kunstwerke

Heutige Erscheinung

Die Dorfkirche Lichtenhagen wurde wie viele Kirchen des Mittelalters im 19. Jahrhundert einer Sanierung nach damaligem Zeitgeschmack unterzogen. Der in Doberan ansässige Baumeister Gotthilf Ludwig Möckel (1828 bis 1915), dem auch die Sanierung des Doberaner Münsters oblag, hat auch die Umgestaltung dieser Kirche stark beeinflusst. Die bis dahin barocke Innenausstattung wich der neugotischen Gestaltung. Diese wurde erst mit der Sanierung Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückgenommen und lässt seitdem die Raumwirkung des ursprünglichen Baus aus der Spätgotik zur Geltung kommen.

Die Ausmalung des zweijochigen Gewölbes und des Triumphbogens stellen biblische Szenen und Aussagen dar und stammt aus der Entstehungszeit der Kirche. Sie ist am Ende der Sanierung 1894 in atemberaubender Geschwindigkeit (man spricht von 2-3 Tagen) durch zwei Wismarer Maler Michaelis und Krause die Darstellungen zwar übernehmend aber in ihrem Malstil stark "überarbeitet". An einigen Stellen sieht man noch ursprüngliche Reste. Dort ist ihre "Kunst" nicht ganz aufgegangen.



Kanzel

Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1619 und ist im Renaissancestil gebaut - mehr lesen


Tauffünte auf einem Sandsteinsockel

Die Herkunft ist unbekannt, sie wird aber skandinavischen Ursprungs zugerechnet. Das granitene Becken mit plastischem Schuppenmuster ist möglicherweise als Ballast mit Handelsschiffen hierhergekommen. Die Taufe soll älter als die Kirche sein.



Triumphkreuz

Das Triumphkreuz wird mit den Resten der alten Ausführung der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zugeordnet. (G. Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler M-V 2000)
Die Bezeichnung Triumphkreuz weist auf den Triumph des auferstandenen Christus über den Tod hin. Auf der Brust des Gekreuzigten ist ein Glasstein zu erkennen, der wahrscheinlich eine Reliquie enthielt. Am Ende der Kreuzesbalken sprießen Blätter, auf denen die Symbole der vier Evangelisten dargestellt sind. Für den Evangelisten Matthäus ist es ein Engel, für Johannes der Adler, für Lukas der Stier und für Markus der Löwe. In der Dorfkirche sind die Evangelisten auch am Kanzelkorb zu sehen  mehr lesen.

Sanierungsarbeiten und der jetzige Standort

Der jetzige Ort des frei aufgestellten Triumphkreuzes im Chorraum hinter dem Altar ist nicht der ursprüngliche Ort.
Der ursprüngliche Platz des Triumphkreuzes war auf einem Querbalken unter dem Triumphbogen des Chores. Das Triumphkreuz zeigte die Grenze zwischen dem Chorraum der Amtsträger und dem Kirchenschiff für die Laien.
Nach der Renovierung der Kirche in den 1970er Jahren erhielt das Triumphkreuz den jetzigen Platz im Chorraum – freistehend hinter dem Altar.


Kreuzigungsgruppe

Am Ostende des nördlichen Seitenschiffes sind drei unterschiedliche Holzbildwerke zu einer Figurengruppe zusammengestellt. In der Mitte ein kreuztragender Christus. Die links und rechts angeordneten Skulpturen, Maria und Johannes gehörten wahrscheinlich zu einer Triumphkreuzgruppe, die nicht erhalten ist. Sie sind von anderer künstlerischer Qualität, wie der kreuztragende Christus. Dieser wird wahrscheinlich der künstlerischen Handschrift, die auch die Anna Selbdritt kennzeichnet, zuzurechnen sein.
Die Datierung schwankt von 1490 bis 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Im Mecklenburgischen Monatsheft 10. Jahrgang Oktober 1934 heißt es: "... Nach 1490 schufen Handwerker vom Lande, die für Dorfkirchen arbeiteten, den Kreuztragenden Christus und die Skulptur Anna Selbdritt."


Anna Selbdritt

Anna Selbdritt hat ihren jetzigen Ort an der Nordwand des nördlichen Seitenschiffes.
Ihre Datierung schwankt - ebenso wie die vom Kreuztragenden Christus - von 1490 bis 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Friedrich Adolf Martens veröffentlichte im Mecklenburgischen Monatsheft 10. Jahrgang Oktober 1934: „... Nach 1490 schufen Handwerker vom Lande, die für Dorfkirchen arbeiteten den Kreuztragenden Christus und die Anna Selbdritt.“
Anna erhält in der Kunstgeschichte oft die Bezeichnung Anna Selbdritt. „selbdritt“ ist ein altes Wort für „zu dritt“, „zu dritt miteinander dargestellt“.
In der Lichtenhäger Kirche ist die Skulptur Anna Selbdritt mit einem jungen Mädchen und einem Kind zu sehen. Es sind in der Darstellung drei Generationen der Heiligen Familie sichtbar. Nach traditioneller kirchlicher Überlieferung wird die Heilige Anna als Mutter von Maria verehrt. Sie ist matronenhaft mit Haube dargestellt. Die Marienfigur ist verhältnismäßig klein und mädchenhaft ausgeführt. Maria sitzt auf dem Schoß ihrer Mutter Anna und ihr gegenüber sitzt das Jesuskind. Maria und das Jesuskind halten eine Weintraube in der Hand. Der Wein steht für das Blut, das Christus für die Errettung der Menschheit vergossen hat.


Skulptur einer Pietà

An der Ostwand des südlichen Seitenschiffes befindet sich die Pietà (it. für „Frömmigkeit, Mitleid“, lat. domina nostra de pietate: „unsere Herrin vom Mitleid“).
Diese Darstellung Marias mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Christus in ihrem Schoß auf ihren Knien ist eine kostbare Schnitzarbeit. Die Schnitzerei wird der Doberaner Schule zugerechnet und auf ca.1360 datiert. Die Skulptur ist die früheste Darstellung der „Schmerzensmutter“ in Norddeutschland (nach F. A. Martens). Es ist ein Vesperbild. Am Karfreitag zwischen Kreuzverehrung und Grablegung – zur Zeit der Vesper – ist Zeit zur Betrachtung der heiligen fünf Wunden des auf dem Schoß der Mutter ruhenden toten Christus.
Um die Skulptur vor möglichen Kriegsschäden zu schützen, ist sie (wie die Skulptur des Heiligen Olaf auch) durch einen Sammeltransport des Rostocker Museums am 9. August 1943 in das Gutshaus von Bristow bei Teterow gebracht worden. 1946 kehrten beide Skulpturen nach Rostock zurück. Am 23. März 1972 kehrte sie nach 29 Jahren Irrfahrt und Zerstörung als Torso zurück in die Lichtenhäger Kirche. Nach ihrer denkmalgerechten Restaurierung hat die Pietà seit Weihnachten 1975 ihren heutigen Platz. Sie beeindruckt auch als Torso mit dem Christus ohne Kopf, Füße und Hände.

Der Platz unter der Skulptur der Pietà ist jetzt ein spiritueller Ort geworden. Hier ist die betende Gemeinde an den Fürbittenleuchter eingeladen, eine Kerze kann angezündet werden. So wird in stiller beeindruckender Weise erinnert:
"Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.“ Gebet aus dem 4. Jahrhundert, Quelle: unbekannt


Skulptur des Heiligen Olaf

Die Skulptur befindet sich im südlichen Seitenschiff.

Die vorhandene wertvolle Skulptur wird skandinavischem Ursprung zugerechnet und um 1250 datiert. Diese Alterseinschätzung bestätigte sich durch eine Messung nach einer kohlenstoffbasierten Untersuchung durch die Universität Kiel.

Der Heilige Olaf ist der Christianisator und Schutzheilige Norwegens. Er sitzt auf einem Thron mit einem Unterworfenen unter seinen Füßen. Die Gestaltung der Gewandfalten und seiner Füße sind von außerordentlicher Feinheit. Das Vorkommen ist in unserer Gegend in so früher Zeit äußerst selten.

Die Skulptur ist ebenso wie die Pietà während des 2. Weltkrieges ausgelagert worden. Nach langer Zeit der Aufbewahrung in einem Lager im Turm der Nikolaikirche in Rostock konnte 2013 die beschädigte Skulptur wieder in die Lichtenhäger Dorfkirche zurückgeholt werden. Nach der Restaurierung ist seit Pfingstsonntag, 19. Mai 2013 der Heilige Olaf nach fast 70-jähriger Abwesenheit wieder „zu Hause“. Während der Auslagerung ist unter ungeklärten Umständen leider der Kopf verloren gegangen.


Skulptur Maria

Maria, die Mutter Jesu, befindet sich an einem Pfeiler im nördlichen Kirchenschiff. Sie ist vor 1990 restauriert worden. Sie war ursprünglich eine hölzerne Begleitfigur eines barocken Triumphkreuzes von Anfang des 18. Jahrhunderts.


Skulptur Johannes

Johannes, der Lieblingsjünger Jesu und Evangelist befindet sich an einem Pfeiler im südlichen Kirchenschiff. Er ist 2003 restauriert worden. Er war ursprünglich eine hölzerne Begleitfigur eines barocken Triumphkreuzes von Anfang des 18. Jahrhunderts.


Das Sakramentshaus

aus: "Erinnerungen von Hans-Georg Haberstroh", Lütten Klein:
"Seit September 1966 versammelten sich in der Kirche zu Lichtenhagen drei Gemeinden zu ihren Gottesdiensten und sehen diesen Ort als ihr geistliches Zentrum: die Evangelische Gemeinde des Dorfes und die im Aufbau befindlichen evangelischen und katholischen Gemeinden des Neubaugebietes von Lütten Klein. Sehr bald entwickelte sich ein gutes Miteinander, das nicht nur die technisch-organisatorischen Fragen zu Terminabstimmungen betraf. ... Das vertrauensvolle Miteinander der Gemeindeglieder und der Gemeindegremien brachte es mit sich, dass die evangelischen Christen eines Tages fragten, ob die Katholiken in der Dorfkirche einen Tabernakel sehr vermissen und ob Interesse bestünde, das in der Kirche vorhandene alte gotische geschnitzte Sakramentshaus zur "Aufbewahrung des geweihten Brotes': wie man sich ausdrückte, herzurichten. ... Bei der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag 1977 wurde die Einweihung feierlich vollzogen. Einhellige Meinung der Katholiken war: diese Einmaligkeit eines Tabernakels in einem seit der Reformation evangelischen Gotteshaus ehrt in höchstem Maße die Toleranz der evangelischen Gemeinden."

Hier liegt der ganze Text der Erinnerungen als pdf-Datei.