Gemeindeleben

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Miteinander - FüreinanderEntdekt - Kirche Lansen
In einzigartig schöner Landschaft eingebettet ist die Kirchengemeinde Gielow-Rittermannshagen mit den Dörfern, den Ortsteilen und den elf Kirchen. Jede der Kirchen hat ihre eigene Entstehungsgeschichte und diese Bauwerke prägen seit früher mittelalterlicher Zeit die Dorfbilder.
Die Kirche von Lansen wurde um 1400 erbaut, ist als rechteckiger Backsteinbau ausgelegt und mit einem freistehenden Glockenstuhl versehen. Diese alte Kirche wird nur noch selten für Gottesdienste genutzt, doch es wurde eine gute Lösung für eine besondere Nutzung gefunden. So haben sich die Kirchengemeinde Rittermannshagen und die Kulturgemeinschaft Lansen zusammengetan und laden in diese Kirche zum Kinobesuch ein.
Ich möchte gerne auf eine Besonderheit in dieser Kirche aufmerksam machen. Rechts vom Eingang auf der Südseite sehen wir innen einen eingemauerten muldenförmigen Granitstein. Wir können davon ausgehen, dass bereits mit dem Bau der Kirche dieser Stein eingelassen wurde. Welchen Zweck sollte er erfüllen? Beim Betreten und Verlassen der Kirche wurde sich damals mit geweihtem Wasser bekreuzigt, das sich in einem Behältnis, dem Weihwasserbecken (Weihkessel), befand.
Die damaligen Baubetriebe, es waren sogenannte Bauhütten, mussten, bevor die Kirche gebaut wurde, das Baumaterial wie Feldsteine, Ziegel, Dachsteine, Bauholz usw. bevorraten. Dazu zählte dann auch ein geeignetes Weihwasserbecken.
In der archäologischen Forschung Mecklenburgs setzte sich Friedrich Lisch bereits 1847 mit dem Thema Weihkessel auseinander. Von der Auffassung, dass man diese von den Handwerkern der Bauhütten extra gefertigt hat, trennte man sich. Wurden doch diese halbmuldenförmigen Granitsteine sowohl in Mecklenburg und Pommern als auch in Dänemark zahlreich auf und in der Nähe von Hügelgräbern gefunden (damals „Kegelgräber der Bronzeperiode“ genannt). Man kam zu der Erkenntnis, dass es sich hierbei um „Quetschmühlen“ handelt. Heute sagen wir Trogmühle dazu, die mit einem Handreibstein betrieben wurde.
In Band V der Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin von 1902 lesen wir über die Kirche von Lansen: „In der Kirche, rechts vom Eingang auf der Südseite, ein Weihwasserbecken, ganz gleich den bekannten alten Quetschmühlen.“ In der Gegend um Lansen finden sich aus der Bronzezeit zahlreiche Hügelgräber und Siedlungsplätze. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese alte Trogmühle hier gefunden und in der Kirche verbaut wurde.
Mit der Einführung der Reformation in Mecklenburg 1531 und vor allem seit dem Konfessionswechsel zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche, so auf dem Landtag in Sternberg an der Sagsdorfer Brücke am 20. Juni 1549 beschlossen, verloren Weihwasserbecken in den Kirchen ihre Bedeutung. Aus der Chronik von Malchin wissen wir, dass in der dortigen Kirche nach der Reformation ein Weihwasserbecken entfernt wurde.
In der Kirchengemeinde Gielow-Rittermannshagen haben wir außer der Kirche in Lansen nur einen weiteren Nachweis von einem Weihwasserbecken in der Kirche: aus der Wüsten Kirche von Ulrichshusen, allerdings ohne die genaue ursprüngliche Lage zu kennen.
Sollte es weitere Hinweise, Anregungen oder auch Fragen geben – ich bin gerne für Sie / Dich da. Übrigens, Trogmühlen sind meldepflichtige Bodendenkmale und werden als Hinterlassenschaft der materiellen Kultur aus der Bronzezeit erfasst.
Hans Behn
Parkstraße 25, Malchin

