Arbeit mit Frauen in den Kirchenkreisen Mecklenburg und PommernAndacht


April 2021Gedanken zur Jahreslosung 2021

Jesus Christus spricht:
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!   Lukas 6,36

 

Das Frühjahr ist schon da – wir wollten den ersten Abend unserer Ökumenischen Frauengruppe im Januar mit der Jahreslosung beginnen: „Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ aus Lukas 6,36. Ein Zusammenkommen zum gemeinsamen Gespräch ist uns leider bisher nicht gelungen. Wir haben einige Gedanken zusammengetragen und den Frauen zukommen lassen. In der Ungewissheit dieser Zeit  kann die Losung ein guter Begleiter sein.


Das Jesuswort, vom Evangelisten Lukas in der Feldpredigt berichtet, spricht von unserem Leben als einem Beziehungsgeschehen. Wir sind als Menschen aufeinander angewiesen. Deutlich wird dies schon in den ersten Lebenstagen eines Menschen, ein Kind ist auf die Fürsorge anderer angewiesen. Wenn das Mutter und Vater sind, die sich ihm in Liebe zuwenden, ist schon viel für ein gelingendes Leben gegeben.


>Seid barmherzig< werden wir mit der Jahreslosung aufgefordert. Was aber bedeutet dieses altehrwürdige Wort? Vom Hebräischen her, der alten Sprache der Bibel, bedeutet es: “Sein im Schoß/Mutterschoß“. Jesus spricht vom göttlichen Vater, der barmherzig ist. Die elterliche Fürsorge ist benannt, Mutter und Vater sind in den Worten der Jahreslosung zu finden.


Mit der Übersetzung des Ausdrucks aus alter biblischer Sprache kommt das Wort >barmherzig< näher. Im  Mütterlichen  darin klingt Geborgenheit an. Wenn ein Kind Trost braucht, wenn es zu viel wird für das Kind, birgt es sich im Schoß der Mutter. Es findet zu sich und dann kann es wieder losgehen in die Welt.  


Eine andere  Annäherung  zu  dem ungewöhnlichen, manchem ungewohnt und sperrig klingendem Wort, beschrieb die Pastorin im Dom. Barmherzig sei es, wenn die Sternsinger zu Epiphanias singend von Haustür zu Haustür zögen, ebenso wie es die weltweite solidarische Weltgebetstagsgemeinde sei.


In Kirche, im Gottesdienst geht es immer auch um das prophetische und ethische Zeugnis, das  Bekenntnis. Das Bekenntnis  hat  Auswirkungen in die Gesellschaft hinein. So ist das informierte Beten der Weltgebetstagsgemeinde für ein gerechteres Leben  in diesem Sinn ethisch und prophetisch. Unser Gebet ist nachdrücklich für die prophetische Erfüllung, es muss nicht eine Hoffnung für eine ferne Zukunft sein. Wir bekennen und glauben an positive Veränderungen zugunsten von benachteiligten Frauen in der weltweiten Gesellschaft. Unsere Gabe, die Kollekte, ist Teil tätigen Handelns. Sie  unterstützt hilfreiche Projekte. Sie fragt nicht nach einer Gegenleistung.


Einen weiten Bedeutungsraum des Wortes Barmherzigkeit erschließt sich in einem Gedicht mit der Überschrift >Licht im Kloster Vadstena< von der Heiligen Birgitta von Schweden, die im  14. Jahrhundert gelebt hat:
Die Finsternis
der Erde
ist vertrieben
und alle Himmel sind erleuchtet
wie die Wärme
von der Sonne
ausgeht, so ist
Barmherzigkeit.
Barmherzigkeit, eine mütterliche Eigenschaft, die nicht aufrechnet, vertreibt Finsternis. Wärme geht von ihr aus. Von der Zusicherung, den Worten „wie auch euer Vater barmherzig ist“ kann ich mich von Gottes warmem Wesen aufgenommen fühlen. Von hier aus gibt es mir die Kraft und den Mut, barmherzig zu handeln.
 „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“- das Bild Gottes als Vater mit mütterlicher Wärme und Liebe ermutigt, die Müdigkeit, das Dunkle sein zu lassen, als Vorübergehendes zu betrachten, sich getröstet zu sammeln und so gestärkt mitten im Leben zu sein.

 

Antje Heinrich-Sellering
Ausschuss für die Arbeit mit Frauen im Sprengel Mecklenburg und Pommern