Andacht


Sommer - Garten Eden, eine Annäherung?

 

Es ist der 21. Juni und ein herrlicher Sommerabend. Die rahmweißen Blüten der Ramblerrose 'Lykkefund' scheinen in ihren großen Büscheln prächtig wie nie zuvor. Ein betörendes Duftgemisch weht mir im Innenhof entgegen.


Über den Garten Eden wolle ich diesmal die Andacht schreiben, hatte ich zu einer Freundin gesagt. Da hätten doch sicher die Gärten von Babylon den Alten vor Augen gestanden. Das kann ich mir gut vorstellen. Die aufwendige Gartenanlage in Babylon am Euphrat zählt zu den sieben Weltwundern der Antike. „Hängende Gärten“, Falko Behrendt hat vor einigen Jahren eine Reihe von Farbradierungen mit diesem Titel angefertigt, sehr schöne Arbeiten sind das.


Häuser bauen, Gärten anlegen und beides genießen können, das seien biblische Bilder des Friedens (Ulrike Bechmann/WGT-Material). Die Menschen, die damals in Kanaan gelebt hatten und ins Exil nach Babylon verschleppt wurden, kannten sicherlich nicht so prächtige Gartenanlagen, wie die, die sie dort zu sehen bekamen.


In den Bibelversen des Gottesdienstes zum diesjährigen Frauensonntag aus Jesaja 35 beginnen Wüste und Steppe zu blühen. Hier geht es mehr um Gottesbegegnung und um Gottes Erscheinen - Blühen, Aufblühen als Metapher.


Karl Foerster (1874-1970) ist wahrscheinlich jeder Gartenfreundin ein Begriff. Er beschreibt in einem seiner zahlreichen Bücher, was ihn dazu bewegt, immer wieder sein Wissen um die Kunst des Gärtners mitzuteilen: „Ein tiefes Bedürfnis wartet darauf, Widerhall zu finden – innerste Fühlung mit dem Wollen und Vollbringen unserer Gartenfreunde zu steigern und Anteil an ihrem Lebensfrohsinn zu nehmen.“ Von einem solchen Lebensfrohsinn bekomme ich gerade einiges mit. Denn von einer Frau aus der Greifswalder Ökumenischen Frauengruppe werden größere Vorbereitungen für das bevorstehende Sommerfest getroffen. Im örtlichen Gartenmarkt begegnet sie mir mit einem großen Sack Erde und strahlt mich an. Auch sie blüht auf. Das hat auch mit ihrem Mitwirken in der Initiative für Saatgutvielfalt, Humusaufbau und Lebensraum für Insekten, einem Projekt vom Frauenwerk der Nordkirche, zu tun.


Otto Bartning, der große Kirchenbaumeister, schreibt an seinen Freund Karl Foerster: „Immer hat es wohl Menschen gegeben,…, die in einer Sache ganz und sicher beheimatet sind, so wie Du in den Blumen, und von da aus das Ganze der Schöpfung greifen und begreifen.“
„… das Ganze der Schöpfung greifen und begreifen“, in diesen Worten schwingt so viel mit. Begreifen wir sie wirklich, die Schöpfung, muss es uns doch gelingen, unser Leben nach Kräften so auszurichten, dass wir das Mögliche tun, jetzt sofort, um die Bedrohungen durch Klimaveränderungen abzuwenden.


Möge uns das mit Gottes Hilfe in großer Zahl gelingen - dürfen wir doch den Garten Eden als Vorahnung im Blühen um uns herum gerade in reichlicher Fülle erleben.

 

Antje Heinrich-Sellering