Arbeit mit Frauen in den Kirchenkreisen Mecklenburg und PommernAndacht


Juni 2021"Gott gab uns Atem, damit wir leben."

Liebe Schwestern, Freundinnen und Freunde der Arbeit mit Frauen,

mit dem Atmen fängt es an, beim Kind, das auf die Welt kommt und den ersten Atemzug tut. Und mit dem Atmen hört unser Leben auf, wenn wir den letzten Atemzug getan haben.

Das Atmen ist uns so selbstverständlich, dass wir gar nicht darüber nachdenken. Ob wir sitzen und hören, ob wir gehen oder uns anstrengen, ob wir wachen oder schlafen, immer atmen wir.

Und wir tun es unwillkürlich und unablässig. Immer nehmen wir etwas auf von der Welt und geben es dann wieder ab. Unser Atem ist die erste Brücke zwischen uns und unserer Welt.

Aufmerksam werden wir immer erst dann, wenn etwas nicht klappt, wenn uns die Puste wegbleibt, wenn jemand uns die Luft abdrückt, wenn wir schwer über etwas seufzen. Oder auch, wenn wir mal wieder so richtig durchatmen können, wenn wir tief Luft holen. Wenn wir im Stress und unter Anspannung zu flach atmen oder ungesunde Luft einatmen, fühlen wir uns nach kurzer Zeit unwohl, beengt, müde, bedrückt.

Beides also, die Atemnot und der befreiende Seufzer, beides können wir mit unserer ganzen Person spüren, mit unserem Körper, - das geht untrennbar ineinander über.

„Gott gab uns Atem, damit wir leben“ – das ist das Geschenk, das uns von früh bis spät begleitet, vom Anfang bis zum Ende unseres Lebens.

Ich glaube, dass es darauf ankommt, sich immer wieder auf diesen Atem zu besinnen, von dem wir leben. Sich zu erinnern an der Pulsschlag der Schöpfung, den nicht wir machen, aber von dem wir doch abhängig sind. Grenzen respektieren lernen, unsere eigenen menschlichen Grenzen und auch die der Natur. Damit auch die Natur wieder Atem holen kann.

Zum Grenzen respektieren gehört auch warten lernen – warten auf das, was Zeit braucht, um zu werden, um wachsen zu können, um zu reifen. Gott hat allem Leben seinen Rhythmus eingestiftet. In allem, was lebt, wohnt ein Hauch des Göttlichen. Nehmen wir diesen Hauch, diesen Schöpfungsatem in Acht, damit wir leben und die Schöpfung leben kann!

Die Dichterin Ute Latendorf hat diesen Gedanken wunderbar für sich durchbuchstabiert:

 

Ich schreib euch mal, wofür ich lebe,

ich sag euch mal, was ich zum Leben brauch:

Von Zeit zu Zeit den Anblick weiter Felder

und den Geruch von Erde und von Rauch,

den hohen blauen Himmel und die Sterne,

dass ich bescheiden werde und mich fügen lerne.

Ich brauche Kinderarme, die mich fest umschließen,

und manchmal Tränen, die aus meinen Augen fließen,

Ich liebe schöne, farbenfrohe Bilder, Gedichte, Lieder, Sinfonien,

damit die trüben Stimmungen aus meiner unruhvollen Seele fliehen.

Ich brauche Ruhe, Stille und oft eine Atempause,

dann Aufbruch, Fortgeh´n und die Wiederkehr nach Hause.

Und Stunden liebevoller Nähe mit Menschen, die mir wichtig sind,

und dass ich auch die alten Freunde auf meinem Wege wiederfind.

So ist mein Leben,

und so geh ich suchend durch die Tage

und hoffe immer, dass ein guter Engel

mich sanft auf Schwingen bis ans Ende trage.

 

Einen gesegneten Sommer!

Pastorin Ulrike Weber

Ausschuss für die Arbeit mit Frauen im Sprengel Mecklenburg und Pommern