Die Geschichte des Neubrandenburger FranziskanerklostersTeil 5: Das Klosterende

Die eifrig wirkenden Brüder hatten das Kloster bis 1500 zu einer blühenden geistlichen Institution ausgebaut. Dementsprechend wählte das sächsische Provinzkapitel 1521 Neubrandenburg als Tagungsort, um über die Bildung der Ordensprovinz Thüringen zu beraten. Für die Unterbringung der Gäste nutzte man u.a. das Obergeschoss des Nordflügels, wo noch heute die Doppelfenster der früheren Wohnzellen erhalten sind.

 

Zwei Jahre später fand die klösterliche Idylle ein jähes Ende, als in der Stadt erstmals evangelische Prediger auftraten. Sie verurteilten die Franziskaner, die als Vertreter der Papstkirche den Kirchenbetrieb mit Ablasshandel, Seelenmesse und Heiligenverehrung lukrativ gestalteten. Wegen der unchristlichen Geschäftigkeit nannte der radikale Prädikant Henning Krukow die Brüder 1525 verächtlich „gemästete Schweine“. Die römisch-katholische Geistlichkeit versuchte, die Lutheraner mit allen Mitteln zu vertreiben. Ein Unterfangen, das erfolglos verlief, weil der Landesherr Herzog Heinrich V. von Mecklenburg wie auch die Neubrandenburger Bürger überzeugte Verfechter des Protestantismus waren.

 

Aufgrund der schwindenden öffentlichen Akzeptanz diskutierten die Brüder 1531 die evangelische Idee. Während der Beratung behielten die ordenstreuen Kräfte die Oberhand. Das Festhalten am römischen Ritus, dem der Verlust der Glaubenshoheit folgte, beförderte den Streit innerhalb der Gemeinschaft. Angesichts der ausweglosen Lage verließen ein Jahr später zwei Ordensmitglieder, darunter der Guardian, das Kloster. Die verbliebenen Brüder wählten einen neuen Guardian, der jegliche Neuerungen ablehnte. Die Vorgänge im Konvent erregten den Unmut des Stadtrates, so dass er die Schließung des Klosters anordnete. Außerdem verklagte man die „grawen Monnicke“ beim Landesherrn. Postwendend verbot Herzog Heinrich 1535 den katholischen Gottesdienst in der Stadt und befahl gleichzeitig die Öffnung des Klosters. Die Brüder leisteten der landesherrlichen Anordnung keine Folge. Deshalb kam aus Neubrandenburg ein erneutes Protestschreiben, in dem das Fehlverhalten der „unhüren Mönche und geistlosen Papen, ihre muthwillige Betrügereien und Verführungen, dazu ihr botenloses Leben“ scharf angeklagt wurden. Da der Herzog auf seinen Weisungen beharrte, musste der Rat das Kloster wieder öffnen. Wenngleich die Bürgerschaft die Aufhebung des Konventes nicht durchsetzen konnte, gelang ihr ein wichtiger Teilerfolg, denn von nun an fungiert die St. Johanniskirche als evangelisches Gotteshaus (Bild).

 

Die letzten Franziskaner hatten sich derweil in den Ost- und Nordflügel zurückgezogen. Ihnen hinterließ noch 1540 Henning Behr, gemäß dem katholischen Glauben, eine testamentarische Stiftung. Ein Jahr später wurde den Brüdern endgültig der Gebrauch „des Evangelo“ vorgeschrieben. Damit hatte das Kloster seine geistliche Funktion verloren. Mit der Auflösung des Ordenshauses traten schnell Visitatoren auf den Plan, die alle Besitztümer des Konventes, wie Landgüter, Einkünfte aus Pachten und bewegliche Objekte sicherten. Das Vermögen sollte für den Umbau des Klosters zu einem Hospital für Arme und Kranke Verwendung finden. Das Ende des Neubrandenburger Franziskanerklosters wurde besiegelt, als der letzte Bruder Nicolaus Schutte 1552 in aller Form aus dem Orden trat.

 

Rainer Szczesiak, Roga

 

Bild: Evangelische Kirche Sankt Johannis um 1843

 

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