„Du krönst das Jahr mit deinem Gut; deine Fußtapfen triefen von Segen.“
Psalm 65,12


Der Sommer klingt mit warmen Tagen langsam aus und stetig hält der Herbst Einzug. Da kommen sie wieder, die Tage, die kürzer werden. Und dennoch hält der Herbst wie jede Jahreszeit seinen Zauber bereit. Das Licht wirkt weicher und die ersten Blätter färben sich und erstrahlen in warmen Tönen. Auf den Feldern bleiben Stoppel stehen, die Zeit der Ernte ist gekommen: Ähren werden eingebracht, Äpfel und Birnen hängen schwer an den Bäumen und in den Gärten leuchten Kürbisse, Tomaten, Beeren und viel anderes Obst und Gemüse.

 

In dieser Jahreszeit wird sichtbar, was gewachsen ist. Was im Frühjahr gesät und den Sommer über gepflegt wurde, darf nun geerntet werden. Wenn die Früchte erzählen könnten, würden sie von der Geduld, von der Arbeit und von Gottes Schöpferkraft berichten. Sie dürfen uns daran erinnern, dass nicht alles in unserer Hand liegt. Sonne und Regen, Werden und Reifen, Gelingen und Bewahrung – das bleiben Geschenke.

 

In unser Gemeinde kennen wir ebenfalls die Zeiten des Säens und Erntens. Vieles wächst dort, wo Menschen füreinander da sind: in Gottesdiensten und Gruppen, bei Festen und
Begegnungen, im Zuhören und Helfen, wie z. B. bei den Dorfengeln. Eine der großen Stärken unserer Kirche ist die Gemeinschaft. Menschen jeden Alters sind verbunden mit ihren Lebensgeschichten. Das sollten wir uns in Gottes Namen bewahren.

 

In diesem Herbst stehen in unserem Bundesland die Landtagswahlen an. Es ist mehr als „nur“ ein organisatorischer Termin. Die Wahlen sind Ausdruck unser aller Verantwortung und ein wertvolles Zeichen gelebter Demokratie. Jede Stimme zählt, jede Meinung darf gehört werden, Darin liegt eine große Errungenschaft: Wir dürfen mitbestimmen, Entscheidungen gemeinsam tragen und unsere Zukunft aktiv mitgestalten.

 

Ein klares Zeichen für ein demokratischen Miteinander sprechen bedeutet: keine Ausgrenzung, Hass und Gleichgültigkeit – sondern Respekt, Freiheit, Menschenwürde und Nächstenliebe. Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einmischen, Verantwortung übernehmen und einander zuhören. Hoffen wir auf einen Herbst, der im Zeichen von Dankbarkeit, Zusammenhalt und Verantwortungsbereitschaft steht.

 

Die Farben der Schöpfung wahrnehmen, den Reichtum der Früchte genießen und darin Gottes liebevolle Fürsorge entdecken, das ist der kommende Herbst. Aber auch Gemeinschaft zu pflegen, einen Ort zu bieten und zu haben, an dem Menschen willkommen sind, damit wir Hoffnung und Zukunft mit Gottes Hilfe gestalten können.

 

Denn wie der Psalm sagt: Gott krönt das Jahr mit seinem Gut.

 

Herzliche Grüße und eine gesegnete Herbstzeit wünscht Ihnen 

 

Kerstin Dünker-Nestler