Geschichtlicher Werdegang der Kirche in ZweedorfNeubau einer Kirche

Eine hölzerne Kirche in Zweedorf wurde 1335 erstmals urkundlich erwähnt. Sie gehörte zum Bistum Ratzeburg. Nach Auflösung des Klosters Zarrentin kam der dem Heiligen Georg geweihte Kirchenbau um 1555 unter landesherrliches Patronat, mit einer Unterbrechung zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als dieses durch die verwitwete Dorothea Margarethe von Graevenitz, geb. von Wendessen, übernommen wurde. Nachdem die Kirchgemeinde über die Jahrhunderte stets einen eigenen Geistlichen hatte, wurde die Kirche von 1785 bis 1803 von dem Pfarrer in Gresse verwaltet. Von 1804 bis 1813 gab es wieder einen eigenen Geistlichen. Von 1813 bis 1827 wurde Zweedorf mit Granzin und danach bis 1899 erneut mit Gresse zusammengelegt. 1899 wurde die Pfarre zunächst mit einer Hilfspredigerstelle, ab 1910 als selbständige Pfarre wieder eingerichtet.

Der um 1760 errichtete Sakralbau war ein im Innern flachgedeckter Fachwerkbau mit einem nach Westen vorgeblendeten Ziegelmauergiebel und einem Dachreiterturm. An der Ostseite befand sich eine angebaute Sakristei. Zur Innenausstattung zählte ein besonders wertvoller spätgotischer Schnitzaltar mit einem grau und weiß überstrichenen Triptychon mit Abbildungen des Heiligen Georg, der Heiligen Maria mit dem Kinde, des Heiligen Johannes und je vier Heiligen in den Flügeln. Die Predella war mit gemalten Halbfiguren (Mitte: Christus als Schmerzensmann und vier lateinische Kirchenväter, rechts: St. Hieronymus und St. Ambrosius, links: St. Gregorius und St. Augustinus) bemalt. Der Schrein war mit einem hölzernen Kruzifix bekrönt. Einer Kanzel im Renaissancestil maß der Kunsthistoriker Friedrich Schlie in seinen Ausführungen keine Bedeutung zu. Zwei silbervergoldete Kelche (einer mit Hamburger Stadtstempel; einer mit Lüneburger Stadtzeichen und der Jahreszahl 1765), zwei Oblatendosen (eine länglich, Lüneburger Arbeit von 1763; eine rund, Lübische Arbeit) zählten ebenso zu den Kleinkunstwerken, wie eine versilberte Weinkanne und fünf Messingleuchter aus dem endenden 17. und dem beginnenden 18. Jahrhundert.

Im Glockenstuhl der Kapelle in Schwanheide befindet sich die ehemalige Zweedorfer Glocke von 1651

Die Kirche besaß zwei Glocken, eine aus dem Jahr 1651, die zweite aus dem Jahr 1894. Letztere war jedoch ein Umguss einer älteren geborstenen Glocke.Von den zwei Glocken musste eine vor Ende des Zweiten Weltkrieges zur Einschmelzung abgegeben werden. Zwar wurde sie nicht mehr eingeschmolzen, allerdings kam sie auch nicht zurück, da sie vermutlich mit weiteren Exemplaren nach Kriegsende in Hamburg versenkt wurde.

In den 1970er Jahren befand sich die Bausubstanz der Kirche in einem schlechten Zustand. Bereits im Dezember 1972 wurde das Gotteshaus baulich gesperrt. Da die DDR-Führung befürchtete, dass das Gebäude als Versteck für Flüchtlinge vor ihrem Grenzübertritt dienen könnte, wurde es am 18. und 19. November 1978 abgerissen und der Bauschutt in den Dorfteich geschoben. Gerettet werden konnten die Fenster, die noch heute in der Friedhofskapelle in Boizenburg/Elbe zu sehen sind, die Pfeifen der Friese-Orgel, deren Aufenthaltsort jedoch unbekannt ist, sowie der Altar und der Taufstein, die an die Johanniterkirche Sülstorf verkauft wurden. Ein Kirchgemeindemitglied rettete zudem zwei Kronleuchter, eine Sargbestückung, bestehend aus zwei Leuchten und einem Kreuz, ein Abendmahl-Besteck und einen Taufstein mit Taufschale. Die Glocke aus dem Jahr 1651 wurde eingelagert und findet heute Verwendung im 1991 errichteten Glockenstuhl der Schwanheider Kapelle.

 

Das leerstehende Pfarrhaus in Zweedorf wurde 1982 auf Anweisung des Rates des Kreises Hagenow abgerissen. Der damalige Kurator, Pastor Scharnweber aus Boizenburg, erstattete deshalb Strafanzeige bei der Polizei in Boizenburg und wurde daraufhin ohne Angabe von Gründen für 24 Stunden eingesper


Der Wiederaufbau

Bestrebungen zum Bau einer Kapelle gab es seit 1992.Die Initiative ging von Maurermeister Wolfhard Meinck aus, der Sohn des ehemaligen Küsters in Zweedorf war und 2010, noch vor Einweihung der Kapelle, verstarb. Er gestaltete einen Bauentwurf und leistete Überzeugungsarbeit.Bereits 2002 begann man in Eigeninitiative mit dem Bau, der jedoch von der Kirchenleitung gestoppt wurde.2005 gründete sich der Kirchenbauverein Zweedorf e. V., der sich die Errichtung und den Erhalt einer Kapelle zum Ziel setzte. Ein hölzerner Glockenturm wurde bereits im Sommer 2007 durch Mitglieder errichtet und durch Spenden finanziert. Die beiden Glocken wurden durch die Hamburger Kirchgemeinde St. Gertrud gestiftet.Der Grundstein für die neue Kapelle wurde am 6. Juni 2009 gelegt. Am 2. August 2009 fand der erste Gottesdienst im Rohbau statt.Das Richtfest wurde am 23. August des gleichen Jahres gefeiert.

Die Kapelle ist ein eingeschossiger Bau mit dreiseitigem Ostschluss. Neben der Kapellenhalle existieren ein Mehrzweckraum und sanitäre Einrichtungen. Vom Flur führt eine Treppe zur Orgelempore unter dem Dach. An der Westwand war ein Unterstand vorgesehen, entgegen den ursprünglichen Planungen wurde dort jedoch ein massiver Glockenturm mit holzverkleidetem Aufsatz und Pyramidendach erbaut. Die Glocken sind im Juli 2011 vom hölzernen in den massiven Glockenturm umgezogen.

Zur Inneneinrichtung zählt eine Orgel des Orgelbauunternehmens Arnold aus Plau am See. An der Orgelempore befinden sich, vom Kapellenraum aus sichtbar, fünf Gemälde von Barbara Jentz-Koska. Abgebildet sind ein einzelner Baum aus dem Ort, das ehemalige Pfarrhaus, die alte Kirche, die Pfarrscheune und das Kriegerdenkmal. Die Kirchenfenster wurden von Thomas Kuzio aus Sommersdorf gestaltet und von der Landeskirche finanziert.

 

Landesbischof Andreas von Maltzahn hat am 4. September 2011 die Einweihung vorgenommen


Der Kirchenbauverein

Zunächst war es nur ein einzelner der 1978 in Zweedorf, im ehemaligen Speergebiet der DDR, wieder ein neues Kirchengebäude entstehen lassen wollte. Doch viele Jahre vergingen bis der der Enthusiasmus, das Engagement und die große Durchsetzungskraft des Wegbereiters und Sohn der ehemaligen Küsterfamilie, Wolfhard Meinck, Wurzeln schlugen. Nach der Wende wird der Wunsch nach einem Wiederaufbau der Kirche konkreter und findet immer mehr Zustimmung.

 

  • 2005 Zusammenschluss vieler Gleichgesinnter und Befürworter und Gründung des Kirchbauverein Zweedorf - Vereinsarbeit, Spenden sammeln, Öffentlichkeitsarbeit, Konfliktlösungen um das gemeinsame Ziel voranzutreiben

 

  • 2009 Baubeginn und Richtfest – 80.000,- € Baukosten, unzählige freiwillige Helferstunden und Materialspenden, Förderung der Baumassnahmen durch die evangelische Landeskirche, Stiftung der Buntglasfenster durch den Oberkirchenrat

 

  •  4. September 2012 - Weihe der Kirche – St. Georgkirche Zweedorf

EIN NACHRUF AUF EINEN GROSSARTIGEN MANN

Wolfhard Meinck (Theo) war ein Mann aus Zweedorf – der mit seiner Begeisterung und als treibende Kraft, viele andere mitriss. Eine Begeisterung für ein aussichtslos erscheinendes Projekt – den Wiederaufbau einer Kirche in Zweedorf. Als die Kirche 1978 vom DDR Regime abgerissen wurde – rettete die Küsterfamilie Meinck die wichtigsten Requisiten. Die Glocke und die Taufschale wurden der Nachbargemeinde Schwanheide überlassen, der gusseiserne Tresor steht noch heute in der Nostorfer Kirche. Die Fenster zieren heute eine Boizenburger Kirche. Der Altar und der Taufstein gingen nach in die Kirche nach Sülstorf bei Schwerin. Das Abendsmahlgeschirr blieb all die Jahre wohlverwahrt bei der Familie Meinck und ziert heute den Altar den neuen St. Georg Kirche.

Theos Tod war ein großer Verlust. Seine Persönlichkeit und sein geistiges Erbe waren ein wichtiger Grundsatz bei der Arbeit des Kirchenbauvereins. Ohne Theo wäre das Projekt niemals Realität geworden. DANKE!!!!!