Zum Gebiet der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Waren St. Georgen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) gehören die Orte: Alt Falkenhagen, Eldenholz, Eldenburg, Neu Falkenhagen, Waren/Müritz (St. Georgenkirche) und Warenshof, Klink (Dorfkirche Klink), Klink-Urlaubersiedlung, Sembzin, Grabenitz.

Bemerkungen zur LandtagswahlDie Würde eines jeden Menschen

– oder:

Warum ich als Christin die AfD ablehne

 

Dieser Text wird von Anja Lünert in Absprache mit dem Kirchengemeinderat St. Georgen Waren verantwortet

 

„Am Anfang der Bibel steht eine klare Zusage: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau“ (1. Mose 1,27). Alle Menschen sind Gottes Ebenbilder. Diese Gottesebenbildlichkeit schreibt jeden einzelnen Menschen einen unvergleichlichen Wert und eine unverbrüchliche Würde zu. Sie gilt unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Sexueller Orientierung, körperlicher oder geistiger Verfassung. … Diese biblische Überzeugung hat ihren Ausdruck in den Menschenrechten und den in unserer Verfassung verbrieften Grundrechten gefunden. Sie bleibt für Christinnen und Christen ein zentraler Maßstab, an dem sich politisches Handeln messen lassen muss. … Mit Sorge nehmen wir wahr, wie in unserer Gesellschaft Ängste geschürt werden und Hass gegen Minderheiten verbreitet wird. Ideologien, die Menschen aufgrund ihrer Abstammung, Kultur oder Religion als ungleichwertig betrachten, stehen in direktem Widerspruch zur Lehre von der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen. Die Positionen der AfD sind mit christlichen Werten und mit der Verfassung unserer Kirche nicht vereinbar.“1

(aus dem Bischofswort zur Landtagswahl 2026 von Bischof Tilman Jeremias)

 

Hier als Beispiel ein Zitat von Björn Höcke, in dem er über das Thema Gewalt schreibt, sowohl über Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten als auch gegen Deutsche, die dem nationalistischen Kurs der AfD im Weg stehen:

„[Es wird] ein großangelegtes Remigrationsprojekt notwendig sein […]. Und bei dem wird man, so fürchte ich, nicht um eine Politik der wohltemperierten Grausamkeit […] herumkommen. Das heißt, dass sich menschliche Härten und unschöne Szenen nicht immer vermeiden lassen werden. […] Vor allem eine neue politische Führung wird dann schwere moralische Spannungen auszuhalten haben: Sie ist den Interessen der autochthonen Bevölkerung2 verpflichtet und muss aller Voraussicht nach Maßnahmen ergreifen, die ihrem eigentlichen moralischen Empfinden zuwiderlaufen.
[…] Ich bin sicher, dass […] am Ende noch genug Angehörige unseres Volkes vorhanden sein werden, mit denen wir ein neues Kapitel unserer Geschichte aufschlagen können. Auch wenn wir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind, sich der fortschreitenden Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung zu widersetzen. (…) Aber die deutsche Unbedingtheit wird der Garant dafür sein, dass wir die Sache gründlich und grundsätzlich anpacken werden. Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, dann machen wir Deutschen keine halben Sachen. Dann werden die Schutthalden der Moderne beseitigt.“3

 

Vor fast 10 Jahre strebte die AfD-Parteispitze ein Parteiausschlussverfahren gegen Björn Höcke an. In einem von der AfD in Auftrag gegebenen Gutachten wurde Höcke auf 60 Seiten eine „Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus“ und zu Hitler bescheinigt.4 Inzwischen hat sich Höckes Kurs bis in die Bundespolitik der AfD durchgesetzt.

Menschenfeindliche Äußerungen finden sich bei AfD-Politikerinnen und Politikern quer durch die gesamte Bundesrepublik. Neben dem Rassismus ist auch Antisemitismus nach wie vor Thema der Rechtsextremen, wobei der Schlüsselbegriff „Rasse“ heute vermieden wird.

Stattdessen spricht die AfD von „kultureller Identität“, sie postuliert eine kulturelle Volkshomogenität. Hier bezieht sich die Partei auf eine Verschwörungstheorie. Danach arbeiten linke Eliten an einem Bevölkerungsaustausch, um das deutsche Volk zu zerstören. Die Wiederherstellung der deutschen Volksgemeinschaft erfordert drastische Maßnahmen, die durch Politiker wie Björn Höcke (s. Zitat), sowie der Parteispitze Alice Weidel und Tino Chrupalla deutlich benannt werden. Diese sehen die Anwendung von brachialer Gewalt vor. Höcke spricht an anderer Stelle davon, Gegner „auszuschwitzen“5. Im Zusammenhang des Deutschtums wird zwischen Volksangehörigen und „Passdeutschen“ unterschieden. Wer ist deutsch genug und wie weit sind wir da noch von der Forderung nach einem Ariernachweis entfernt?

Auch antisemitisches Vokabular wird benutzt: „Semiten“, „Weltjudentum“ und „Globalisten“ sind Kernbegriffe für die jüdische Weltverschwörung, eine weitere Verschwörungstheorie, die besagt, dass jüdische Eliten die Weltherrschaft übernehmen wollen.6 Weitere Parallelen in die Zeit des Nationalsozialismus sind z.B. die Bezeichnung „Belastungsfaktoren“7 („Ballastexistenzen“) und der Boykottaufruf gegen türkische Geschäfte.8

 

Das AfD-Regierungsprogramm für MV 9

Hauptziel der AfD ist eine homogene deutschstämmige Bevölkerung. Im Wahlprogramm der AfD für MV fällt dieses Ziel in folgender Form ins Auge:

der Mythos der Umvolkung wird transportiert (S. 51f). Der Rassismus im Programm MV kommt vor allem durch einseitige Überspitzung in Bezug auf Migranten und Schutzsuchende zum Ausdruck (S. 48). Da wird von „entsetzlichem Leid“ ausschließlich durch Ausländerkriminalität gesprochen. Im Bildungssystem setzt sich die AfD MV für Vorschaltklassen ein, in der Kindern mit Migrationshintergrund Sprachkompetenz (ok!) und grundlegendes Sozialverhalten (was ist mit den deutschen Kindern?) vermittelt werden sollen (S. 25). Bei der Behaupteten Frühsexualisierung in Kindergärten (S. 25) geht es um eine Entnormalisierung queeren Lebens, denn dieses entspricht nicht dem Familienbild der AfD (S.16). Politische Neutralität in Schulen (S. 27) wird mit Gleichgültigkeit gegenüber der Verfassungswidrigkeit der eigenen Partei verwechselt. Das ganze 92seitige Programm MV ist von Ideologisierungsvorwürfen durchzogen (S. 17, 19, 20 … 85, 91).

 

Egal wie müde uns Politik derzeit macht: Die AfD ist keine Alternative! Es ist fragwürdig, ob eine AfD-Regierung – egal ob auf Kommunal-, auf Landes- oder auf Bundesebene die Herausforderungen um Wirtschaft, Rente oder Gesundheit zum Besseren bringen würde. Überlegen wir uns genau, ob es bei einer Wahl darum geht, Politiker „abzustrafen“. Die AfD ist verfassungsfeindlich und eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland. 

Ob eine Partei rechtstaatlich ist, entscheidet sich nämlich nicht an der Anzahl der Wählerinnen und Wähler, sondern an ihren Parteiprogrammen, Veröffentlichungen und an den Äußerungen und Verhaltensweisen ihrer Funktionsträger, Funktionsträgerinnen und Abgeordneten. Die Folgen unserer Wahl werden wir selber zu tragen haben.

Es muss möglich sein, über Themen wie Frieden und Wirtschaft zu streiten, ohne der AfD oder ihren Vorschaltorganisationen auf den Leim zu gehen.

Lasst uns niemals eine Politik der „wohltemperierten Grausamkeit“ wählen oder unterstützen!

 

Fußnoten

1 Tilman Jeremias, Bischofswort zur Landtagswahl 2026

2 = erste ursprüngliche Bevölkerung in einem Gebiet

3 Björn Höcke, Nie zweimal in denselben Fluss, Berlin 2018, S.254-258)

4 Kai Portmann, Parteiausschlussverfahren: „AfD-Spitze vergleicht Höcke mit Hitler“, Tagesspiegel 9.4.17 u.ö.

5 auf einem Treffen des sog. „Flügels“ am 6.3.2020

6https://kas.de/de/web/extremismus/rechtsextremismus/was-verstehen-rechtsextremisten-unter-globalismus

7 Björn Höcke im MDR-Sommerinterview am 9.8.2023

8 Kay Gottschalk, Mitglied des Bundestages und Bundessprecher, sowie Vice-Landesvorsitzender der AfD in NRW im Januar 2018 – Für den Boykottaufruf hat er sich inzwischen entschuldigt.

9 Bereit für die blaue Wende. AfD-Regierungsprogramm zur Landtagswahl 2026, 92 Seiten

https://afd-mv.de/wp-content/uploads/2026/06/AfD-Regierungsprogramm-Mecklenburg-Vorpommer-2026.pdf

Literaturtipp: Hendrik Cremer: Je länger wir schweigen, desto mehr Mut werden wir brauchen. Wie gefährlich die AfD wirklich ist, Piper 2025.

 

Am 19. September, 18 Uhr, Georgenkirche:

Gebet für Frieden, Vielfalt und Demokratie am Vorabend der Landtagswahl

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