"Markt der Vielen – Zusammen dafür" Pröpstin Carstensen wirbt für offene und demokratische Gesellschaft

Pröpstin Britta Carstensen spricht auf der Veranstaltung des Bündnisses „zusammen Bewegen“.

Foto: S. Kühl

18.09.2026 · Neubrandenburg. Zwei Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern wurde der Neubrandenburger Marktplatz zum „Markt der Vielen – Zusammen dafür“. Vereine, Initiativen, Bündnisse, Kirchen und Organisationen aus Neubrandenburg und der Region setzten gemeinsam ein sichtbares Zeichen für Demokratie, Vielfalt und ein solidarisches Miteinander. Auch die mecklenburgische Pröpstin Britta Carstensen war gebeten, auf der Veranstaltung des Bündnisses „zusammen Bewegen“ zu sprechen.

Aus christlicher und kirchlicher Perspektive sei es ebenso wichtig, „gesellschaftliche Entwicklungen nicht schweigend hinzunehmen“, betonte die Leitende Theologin des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Mecklenburg. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um Wahlempfehlungen, sondern um die Frage, an welchen Werten sich politisches Handeln messen lassen müsse.

 

„Wir sind hier und zeigen: Wir sind viele. Wir sind Gesellschaft“, sagte Pröpstin Carstensen weiter. Dabei betonte sie, dass die Sorgen und Zukunftsängste vieler Menschen ernst genommen werden müssten. Die aktuellen Herausforderungen seien komplex und verlangten politische Antworten, die über einfache Parolen hinausgingen. „Aus christlicher Sicht ist es Aufgabe der Kirche, sich einzumischen, wenn grundlegende Werte wie Menschenwürde, Mitmenschlichkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt berührt sind“. Dies sei ausdrücklich „keine Wahlempfehlung, sondern eine Frage der Werteorientierung“. Es ginge um eine „Prüfung der Geister“ und damit um die Frage, an welchen Grundsätzen politisches Handeln gemessen werden könne.

 

Ein Diskurs, der die Würde des einzelnen Menschen wahrt

 

Carstensen: „Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes, gleich an Wert und Würde – unabhängig davon, woher er kommt, was er glaubt oder wie er lebt.“ Daraus folge die Verantwortung, für eine Gesellschaft einzutreten, die Teilhabe und Vielfalt ermöglicht und auf Zusammenhalt statt Abgrenzung setzt. Kritisch äußerte sie sich in diesem Zusammenhang zu pauschaler Abwertung von Menschen und zu politischen Begriffen wie „Remigration“ und „Abschiebungsoffensive“. Über Zuwanderung müsse gesprochen und politisch gesteuert werden – aber in einer Weise, die die Würde des einzelnen Menschen wahrt.

 

Unterschiedliche Meinungen aushalten und im Gespräch bleiben

 

Zugleich warb die mecklenburgische Pröpstin dafür, den demokratischen Diskurs nicht aufzugeben. „Unterschiedliche Meinungen auszuhalten, miteinander zu sprechen und Kompromisse zu finden, sind keine Schwächen der Demokratie, sondern ihre wesentlichen Stärken.“ Die Evangelische Kirche wolle deshalb weiterhin für Mitmenschlichkeit, Vielfalt, Frieden und Demokratie eintreten – ausdrücklich auch im Gespräch mit Menschen, die sich von Politik und demokratischen Institutionen entfernt hätten.

 

Die Botschaft der Neubrandenburger Veranstaltung sei deshalb zugleich eine Botschaft der Hoffnung: Menschen und Meinungen könnten sich verändern. Gesellschaftliche Entwicklungen seien nicht unumkehrbar. Demokratie brauche Menschen, die sich einmischen, aber ebenso Menschen, die zuhören und im Gespräch bleiben. „Nicht gegen Menschen. Für Menschen. Und für unsere Heimat und für ein Zuhause, in dem jeder Mensch in Würde leben kann“, fasste Pröpstin Carstensen ihre Botschaft zusammen.

Quelle: ELKM (cme)