Folgen der Corona-Pandemie Krisenforschung: Stigmatisierung ist kein Randphänomen
23.09.2026 · Greifswald. Welche Folgen eine Pandemie wie Corona langfristig haben kann, zeigt ein neues Positionspapier des Bundesforschungsministeriums. Eine Studie aus Greifswald hat den Umgang mit Stigmatisierung erforscht.
Eine Kommunikation ohne Vorurteile sollte grundsätzlich zum Krisenmanagement gehören. Das ist ein Ergebnis des Projekts „StiPEx“ des Instituts für Psychologie an der Universität Greifswald. Die Studie ist Teil des Positionspapiers des Bundesforschungsministeriums, wie die Universität Greifswald mitteilte. Es enthält 14 Forschungsprojekte zur Corona-Pandemie. Für zukünftige Krisen wird empfohlen, neben epidemiologischen Daten stärker soziale und psychische Entwicklungen zu beobachten. Dazu zählen soziale Teilhabe, Einsamkeit, politische Einstellungen und Vertrauen in Institutionen.
Eine Lehre aus der Pandemie sei, dass Krisenkommunikation immer soziale Folgen habe. „Für die Vorbereitung auf zukünftige Krisen ist es wichtig, die sozialen und psychischen Folgen von Anfang an mitzudenken und entsprechende Erkenntnisse in die medizinische Versorgung und Krisenplanung zu integrieren“, sagte Projektleiter Samuel Tomczyk, der heute an der Universität Rostock arbeitet.
Stigma kein Randphänomen
Durch eine Pandemie könnten soziale Beziehungen, gesellschaftliche Teilhabe und das Vertrauen in Politik und Wissenschaft langfristig beeinträchtigt werden. Tomczyk: „Wir müssen deshalb nicht nur fragen, welche Informationen Menschen erreichen, sondern auch, wie sie sie verarbeiten und welche Zuschreibungen und Vorurteile entstehen können.“
Stigmatisierung sei kein Randphänomen einer Pandemie, das habe sich unter anderem bei Pflegefachkräften gezeigt: Sie seien von Angehörigen und Freundeskreis gemieden worden. Die Folgen wie psychosomatische Beschwerden oder soziale Isolation reichten teilweise bis heute.
„Wir sollten Stigmatisierung in der Krisenvorsorge ähnlich selbstverständlich berücksichtigen wie das Infektionsgeschehen selbst“, erklärte Dafina Danqa von der Uni Greifswald. „Dafür brauchen wir belastbare Daten, wirksame Präventionsmaßnahmen und eine Kommunikation, die Unsicherheiten transparent macht, ohne Ängste und Vorurteile zu verstärken.“
Info
Das Positionspapier "Erkenntnisse aus der Corona-Pandemie: Implikationen zum Umgang mit zukünftigen Krisen aus geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektive" des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), welches auch das "StiPEx"-Projekt einbindet, entstand im Rahmen der Förderlinie "Gesellschaftliche Auswirkungen der Corona-Pandemie - Forschung für Integration, Teilhabe und Erneuerung". Das "StiPEx"-Projekt fokussiert Stigmatisierungsgeschehen als gesellschaftliches Querschnittsthema. Die Empfehlungen des Positionspapiers beziehen sich darüber hinaus auch auf konkrete Empfehlungen für spezifische Kontexte und Gruppen, beispielsweise den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, Schule, Arbeitswelt, Pflege und Gesundheitsversorgung.
Quelle: epd