"Herz statt Hetze" Kirchengemeinde Bad Doberan setzt Zeichen für Demokratie und Vielfalt
15.09.2026 · Bad Doberan. Unter dem Titel „Herz statt Hetze. Demokratie und Vielfalt feiern“ hat die Kirchengemeinde Bad Doberan am heutigen Dienstag gemeinsam mit weiteren Kirchengemeinden sowie engagierten Menschen aus der Region auf dem Kamp ein Zeichen für demokratischen Zusammenhalt, Mitmenschlichkeit und gesellschaftliche Vielfalt gesetzt. Die Veranstaltung fand im Vorfeld der Landtagswahl statt.
Zum Auftakt wurde das Theaterstück „Der Froschkönig“ des Dorftheaters Siemitz aufgeführt. Kreativangebote und Möglichkeiten zum persönlichen Austausch ergänzten das Programm. Um 17 Uhr kamen verschiedene Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche und Gesellschaft zu Wort. Unter anderem sprachen der mecklenburgische Propst Dirk Fey aus Rostock, Gerda von Hof aus Bad Doberan sowie ein Vertreter des Unternehmerverbandes. „Musikalisch begleitete „Country King“ aus Rostock die Zusammenkunft und gemeinsames Singen gab der Veranstaltung einen verbindenden Abschluss“, so der Doberaner Pastor Volkmar Seyffert.
Propst Fey: „Die Welt von unten sehen“
In seiner Rede stellte Propst Dirk Fey die Frage, wie demokratischer Zusammenhalt gelingen kann, ohne dass gesellschaftliche Auseinandersetzungen von Wut, Ausgrenzung und gegenseitiger Abwertung bestimmt werden. Unter der Überschrift „Die Welt von unten sehen“ formulierte er sechs Pfeiler, die aus seiner Sicht Orientierung für eine solidarische Gesellschaft geben: Personalität, Solidarität, Gemeinwohl, Subsidiarität, Nachhaltigkeit und die Option für die Armen.
Fey machte deutlich, dass die Kirche dabei keine Wahlempfehlung für eine bestimmte Partei gebe. „Niemandem wird vorgeschrieben, wo das Kreuz auf dem Stimmzettel zu stehen hat“, sagte er. Zugleich habe die Kirche mit der christlichen Gesellschaftslehre einen Kompass, der zu konkretem Handeln auffordere. Ausgangspunkt seiner Überlegungen waren die Sorgen, die Menschen in Kirchen tragen und in Gebeten und auf Gebetszetteln zum Ausdruck bringen: die Angst junger Menschen um ihre Zukunft, finanzielle Sorgen von Familien oder Einsamkeit im Alter. „Diese Sorgen sind real. Sie sind ungeschminkt. Sie verlangen nach Antworten, nicht nach Beruhigungspillen“, sagte Propst Fey.
Sechs Pfeiler für den gesellschaftlichen Zusammenhalt
Beim ersten Pfeiler, der Würde jedes Menschen, betonte der Theologe, dass kein Mensch zu einer Kennzahl, einem Datenpunkt oder einem wirtschaftlichen Faktor werden dürfe. Der Mensch sei „unbezahlbar“ und besitze seine Würde unabhängig von Leistung, Status oder digitalem Wert. Solidarität bedeute für ihn mehr als eine Sonntagsrede. Gesellschaftlicher Zusammenhalt zeige sich ganz konkret – etwa bei der Frage, ob ein Bus im Dorf noch fährt und ältere Menschen oder Jugendliche ihre Ziele erreichen können. Eine Gesellschaft zerbreche nicht allein an leeren Kassen, sondern auch an Gleichgültigkeit und sozialer Kälte. Beim Gemeinwohl warnte Fey vor einer Politik, die nur den eigenen Interessen oder den Lautesten diene. Ein Leben in Würde müsse für alle möglich sein. Der Propst formulierte zugespitzt: „Man kann Probleme mit Wut anheizen oder mit Mitgefühl lösen.“.
Feys zentrale Botschaft lautet: Nicht Wut und Spaltung sollen die Gesellschaft bestimmen, sondern Mitgefühl, Verantwortung und Solidarität. Auch die Wahl wird als Ausdruck dieser Haltung verstanden: Wer wählt, übernimmt Verantwortung
Quelle: ELKM (cme)