75 Jahre Schifferkirche in Ahrenshoop Ein spiritueller Raum der Geborgenheit

Das Äußere der Schifferkirche in Ahrenshoop erinnert an gotische Bögen.

Foto: Marion Wulf-Nixdorf

09.09.2026 · Ahrenshoop. Mit einem vielfältigen Programm wird am kommenden Wochenende, 11. bis 13. September, das 75. Jubiläum der Schifferkirche in Ahrenshoop gefeiert. Die Kirchengemeinde Prerow, zu der Ahrenshoop gehört, lädt unter der Patenschaft des Fördervereins Schifferkirche zum Gottesdienst, zu Gesprächen und Konzerten sowie zu einem Jubiläumsfest ein.

Das Festprogramm

 

Freitag, 11. September

15 Uhr: 75 Jahre Schifferkirche - Stimmen der Geschichte im Gespräch. Mit Kirchenmusikdirektorin (KMD) Anne-Dore Baumgarten, Hildegard Kramer, langjährige Vorsitzende des Fördervereins, Zeitzeuge Dr. Dieter Borchmann und Orgelbauer Kristian Wegscheider. Moderation: Marion Wulf-Nixdorf.

20 Uhr: Meditation „Die Schifferkirche – ein spiritueller Raum der Geborgenheit“ mit Rüdiger Mangel, anschließend Konzert mit Julia Wawrowska, Bratsche.

 

Samstag, 12. September

15 Uhr: Die Geschichte der Schifferkirche – Vortrag und Gespräch mit Bernd Reimers, Architekt, Siegfried Kasparick, Theologe, und Andrea Gleiminger, Architekturhistorikerin.

20 Uhr: Jubiläumskonzert mit KMD Anne-Dore Baumgarten, Orgel, und Jonas Seeberg, Cello.

 

Sonntag, 13. September

14 Uhr: Festgottesdienst mit Gemeindepastorin Ines Dobbe, Pastor Siegfried Kasparick und der Fischländer Kantorei, Leitung: KMD Anne-Dore Baumgarten.

15 Uhr: Jubiläumsfest mit großem Kuchenbüfett. Bürgermeister Benjamin Heinke pflanzt einen Erinnerungsbaum. Musik von Ulli Torspeken, Gesang und Akkordeon.

 

Mittwoch, 14. Oktober

19 Uhr: Am 75. Jahrestag der Weihe der Kirche hält der langjährige ehemalige Prerower Pastor Reinhard Witte einen Vortrag über die Geschichte der Schifferkirche.

 

Der Eintritt zu allen Festveranstaltungen ist frei. Um Spenden zu den Konzerten wird gebeten.

 

Neubau gegen alle Widerstände

 

„Erbaut wurde die Kirche 1950/51 und das waren wahrlich keine guten Zeiten für einen Kirchenneubau“, berichtet Marion Wulf-Nixdorf vom Förderverein der Schifferkirche Ahrenshoop, die sich mit der Geschichte der Kirche beschäftigt hat. „Der Zweite Weltkrieg war erst wenige Jahre beendet. 1949 war die DDR gegründet worden, ein atheistischer Staat sollte es sein. Gutshäuser und Kirchen unerwünscht.“ Trotz aller Widerstände sei aber in dem kleinen Schiffer- und Fischerort Ahrenshoop auf dem Darß eine neue Kirche gebaut worden. Gelegen am Fuße des Schifferbergs, erbaut aus Materialien, die es vor Ort gab: Holz und Schilfrohr, auch als Reet bekannt.

 

Kirche entstand mit Muskelkraft

 

Eine „Selbsthilfekirche“ nannte der Architekt Hardt-Waltherr Hämer (1922-2012), die Kirche. „Selbsthilfe, weil alles selbst besorgt werden musste, manches auch auf krummen Wegen“, so Marion Wulf-Nixdorf. „Das Bauwesen in der DDR war streng reglementiert, für einen Kirchenneubau sollte es keine Mittel geben.“ Erschwerend hinzu kamen die Reparationszahlungen an die Sowjetunion. „So musste man in der DDR andere, man könnte sagen: abenteuerliche, manchmal sogar konspirative Wege gehen“, erzählt Marion Wulf-Nixdorf. So sei beispielsweise das Eisen, das zur Stabilisierung der Holzkonstruktion benötigt wurde, in einem Bäderomnibus aus West-Berlin herangeschafft. Einen Kran gab es nicht – alles sei mit Muskelkraft bewerkstelligt worden.

 

Sanierung nach der Wende

 

Altarwand, Taufständer und Lesepult schuf die Ahrenshooper Bildhauerin Doris Oberländer-Seeberg in den Jahren 1953 bis 1955 aus der Pappel, die für den Kirchenneubau gefällt werden musste. Nach der friedlichen Revolution kehrte Architekt Hardt-Walther Hämer nach Ahrenshoop zurück, um die Kirchengemeinde bei der Sanierung seines Erstlingswerks zu unterstützen. Dabei wurde die Kirche um ein Joch erweitert, wodurch Raum für eine Sakristei geschaffen wurde. Außerdem entstand ein freigestellter Glockenturm. Im Jahr 2013 baute der gebürtige Ahrenshooper Orgelbauer Kristian Wegscheider eine Orgel mit zwölf Registern in die Kirche ein, die ein kleines Instrument der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke von 1961 ersetzte.

Quelle: PEK (sk)