Musikalische Zeitreise durch 45 Jahre Schweriner Stadtgeschichte startet Schwerin 1945–1990: Erzählt, vorgelesen, besungen

Schwerin kurz nach Kriegsende

Foto: Bundesarchiv

30.10.2026 · Schwerin. Wie erlebten die Menschen in Schwerin das Ende des Zweiten Weltkriegs, die Nachkriegszeit, den Alltag in der DDR und schließlich die Friedliche Revolution? Welche Hoffnungen und Ängste bewegten sie, wie veränderte sich ihr Leben und was prägte ihre Stadt? Die Veranstaltungsreihe „Schwerin 1945–1990 – Erzählt, vorgelesen, besungen“ lädt von November 2026 bis November 2029 dazu ein, 45 Jahre Schweriner Stadtgeschichte aus persönlicher Perspektive neu zu entdecken.

Alle zwei Monate - jeweils mittwochs - stehen zwei Jahre Stadtgeschichte im Mittelpunkt. In drei Schweriner Kirchen lesen der Historiker Christoph Wunnicke und Hanni Gruttmann aus Tagebüchern, Briefen, Chroniken und weiteren zeitgenössischen Quellen. Die Texte erzählen von den großen politischen Umbrüchen ebenso wie vom alltäglichen Leben: von Arbeit und Freizeit, Kirche und Kultur, Mangel und Hoffnung, Anpassung und Protest.

 

Die Veranstaltungsreihe ist ein gemeinsames Projekt der Evangelisch-Lutherischen Domgemeinde Schwerin, der katholischen Gemeinde St. Anna Schwerin und der Evangelisch-Lutherischen Friedensgemeinde Schwerin-Lankow. Unterstützt wird das Projekt von der Pressestelle des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Mecklenburg.

 

Auftaktjahre 1945 und 1946: Weiße Fahnen, volle Straßen und ungewisser Zukunft

 

Die erste Veranstaltung findet am Mittwoch, 11. November 2026, um 19 Uhr in der Thomaskapelle des Schweriner Doms (Eingang über den Kreuzgang) statt. Unter dem Titel „Weiße Fahnen, volle Straßen, ungewisse Zukunft in Schwerin 1945 und 1946“ führt der Abend in die bewegten Monate am Ende des Krieges und in die ersten Nachkriegsjahre. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

 

„Am Schweriner Schloss weht die weiße Fahne, amerikanische Panzer stehen am Pfaffenteich und die Menschen hoffen auf ein Ende der Kämpfe“, blickt Christoph Wunnicke zurück. In ihren Tagebüchern und Erinnerungen halten die Menschen fest, wie sie Befreiung und Kriegsniederlage, Hunger und Neuanfang, aber auch die Unsicherheit über die Zukunft erleben. „So beschreibt beispielsweise die junge Ilse Geese ihre Erleichterung angesichts der einsetzenden Normalisierung des Alltags, zugleich aber auch den Schmerz über den verlorenen Krieg“, so der Schweriner Historiker und ergänzt:  „Für den KZ-Überlebenden Fritz Eikemeier bedeutet das Kriegsende die Befreiung. Andere Menschen suchen Zuflucht in Schwerin oder müssen sich in einer Stadt zurechtfinden, deren politische Zukunft noch ungewiss ist.“

 

Die Lesung zeichnet ein vielschichtiges Bild dieser Zeit: von den ersten hell erleuchteten Fenstern nach Jahren der Verdunklung und den wieder öffnenden Kinos und Theatern bis zu langen Warteschlangen vor den Geschäften. Sie erzählt von der Rückkehr in Schulen und Betriebe, von den Wahlen des Jahres 1946 und vom zunehmenden politischen Machtanspruch der SED. Persönliche Zeugnisse machen dabei sichtbar, wie unterschiedlich die Menschen die historischen Ereignisse erlebten. Mehr: www.kirche-mv.de/Schwerin1945-1990

 

Musik als Spiegel ihrer Zeit

 

Die Reihe verbindet historische Quellen mit Musik. Kantor Reinhard Kotitschke, Trompeter Ulf Rust und Flötistin Cordula Rust begleiten die Lesungen mit bekannten Schlagern und Liedern aus aller Welt – ausschließlich mit Musikstücken aus den jeweils behandelten Jahren. So erhält jedes Veranstaltungsjahr seinen eigenen Klang. Beim Auftakt erklingen unter anderem „La Mer“ und „Capri-Fischer“. Das Publikum ist ausdrücklich zum Mitsingen und Mitsummen eingeladen.

 

Bei ausgewählten Terminen ergänzen Schweriner Zeitzeuginnen und Zeitzeugen die Lesungen um ihre persönlichen Erinnerungen. Im Anschluss an die Veranstaltungen besteht Gelegenheit zum Gespräch und Austausch.

 

Die nächsten Termine

Mittwoch, 13. Januar 2027, 19 Uhr: Schwerin 1947/48, Katholische St.-Anna-Kirche, Schloßstraße 22 Mittwoch, 10. März 2027, 19 Uhr: Schwerin 1949/50, Versöhnungskirche Schwerin-Lankow, Ahornstraße 2a  

Danach wird die Reihe im zweimonatlichen Rhythmus fortgesetzt. Den Abschluss bildet im November 2029 die Beschäftigung mit dem Ende der DDR und der Friedlichen Revolution, deren 40. Jahrestag im selben Jahr begangen wird.

 

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Spenden sind willkommen. | Infos zur Reihe: www.kirche-mv.de/Schwerin1945-1990

Quelle: ELKM (cme)