Pommersche Kirchenkreissynode tagte Weitenhagen wird neues Zentrum der Arbeit mit Jugendlichen

Die Synodalen des pommerschen Kirchenkreises während einer Abstimmung im Tagungsraum des Hotels „Ostseeländer“ in Züssow.

Fotos: kirche-mv.de/D. Vogel

10.10.2026 · Züssow. Am heutigen Sonnabend fand die 10. Tagung der III. Synode des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises (PEK) in Züssow statt. Unter anderem stellte die Synode wichtige Weichen für die Zukunft der Arbeit mit Jugendlichen. Zudem gibt es mehr Geld für die Organisationsuntersuchung. 

So beschlossen die Synodalen, das Zentrum der überregionalen Arbeit mit Jugendlichen und Konfirmandinnen und Konfirmanden vom dringend sanierungsbedürftigen Schullandheim Sassen ab voraussichtlich Anfang 2028 nach Weitenhagen an den Standort des „Hauses der Stille“ zu verlegen. Das bewährte Profil und das Veranstaltungsangebot bleiben dabei nicht nur in vollem Umfang erhalten, sondern werden konzeptionell weiterentwickelt. Zu den Hintergründen der Entscheidung zählen ein jährliches strukturelles Defizit des Kirchenkreises in siebenstelliger Höhe sowie der Sanierungsstau und die geringe Auslastung des Schullandheims.

 

Kirchenkreis bleibt bewährter Linie treu

 

Propst Dr. Tobias Sarx betonte, dass der Kirchenkreis mit diesem Synodenbeschluss einer bewährten Linie treu bleibe: „Seit vielen Jahren verfolgt der Pommersche Evangelische Kirchenkreis bei sinkenden Einnahmen die Strategie, die vorhandenen Mittel in erster Linie in Menschen zu investieren und eher bei der Investition in Gebäude oder Strukturen zu sparen, als den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch aufzugeben. Nur in der direkten Ansprache werden Jugendliche erreicht. Notwendige Einsparungen werden daher nicht im Bereich des Personals im Verkündigungsdienst vorgenommen.“

 

Weiterbetrieb nicht mehr sinnvoll

 

Die Verlagerung nach Weitenhagen an den Standort „Haus der Stille“ stehe auch im Zusammenhang mit der massiven Krise auf dem Jugendherbergsmarkt, so Tobias Sarx. „Das Betreiben eines Schullandheims gehört nicht zur Kernkompetenz eines Kirchenkreises. Es erscheint mehr als fraglich, dass der PEK die Herausforderungen, die selbst professionelle Betreiber in eine existentielle Krise treiben, mit einem überschaubaren finanziellen Risiko bewältigen kann.“ Da die kirchliche Jugendarbeit in Sassen lediglich rund zehn Prozent der vorhandenen Bettenkapazitäten benötigt, sei ein Weiterbetrieb wirtschaftlich und aufgrund fehlender personeller Vertretungsregelungen nicht mehr sinnvoll.

 

Jugendliche brauchen Identifikationsort

 

Der Abschied fällt dennoch schwer: „Die Verlagerung ist zunächst ein Verlust, weil Sassen weit über die Grenzen des PEK hinaus eine hochgeschätzte Marke ist. Aktuelle Studien belegen den Wert eines Identifikationsortes für Jugendliche“, so der Propst. Eine dezentrale Lösung sei deshalb bewusst verworfen worden. Der Blick richtet sich nun auf die Potenziale des Einkehrhauses in Weitenhagen, dessen Außenanlagen mit drei Hektar fast doppelt so groß sind wie die in Sassen. „Vorteile bietet Weitenhagen zum einen durch die größere Fläche, zum anderen durch das große Waldgebiet, das für Geländespiele ideal ist, und zum dritten durch die auf dem Gelände stehende Kirche. Viertens ist Weitenhagen durch die ÖPNV-Anbindung und die Nähe zu Greifswald wesentlich besser erreichbar“, beschreibt Tobias Sarx die Vorteile des Weitenhagener Standorts.

 

Gemeinsames Konzept wird erarbeitet

 

Vor dem Beschluss zur Verlagerung der zentralen Arbeit und Jugendlichen hatte die Synode intensiv den möglichen Erhalt des Schullandheims Sassen analysiert und diskutiert, einen alternativen Vorschlag geprüft, zahlreiche Wortmeldungen und Redebeiträge angehört, sich schlussendlich jedoch dagegen entschieden. Dem Beschluss der Synode folgend werden Akteurinnen und Akteure des Jugendpfarramts sowie der Konfirmandenarbeitsstelle, des „Hauses der Stille“, der Kirchengemeinde Weitenhagen und aus der Ehrenamtlichenqualifikation des Kirchenkreises unter Beteiligung von Vertretenden der Evangelischen Jugend Pommern nun ein gemeinsames Konzept für die Raumnutzung erarbeiten und der Synode voraussichtlich im Frühjahr 2027 einen Vorschlag für die Umbenennung des „Hauses der Stille“ vorlegen.

 

Bericht über Zukunftsprozess

 

Pastor Andreas W. Lüdtke erläuterte der Synode den aktuellen Stand des Zukunftsprozesses der Nordkirche. „Die Kirchenkreise sind die Räume, in denen Veränderungen geschaffen werden können. Sie im Kirchenkreis sind nahe an den Menschen, die Landeskirche stellt dafür den Rahmen bereit“, so der Pastor, der Mitglied des Koordinations- und Beratungsteams des Zukunftsprozesses ist. Im Anschluss an seinen Bericht stand Andreas W. Lüdtke den Synodalen für Fragen zur Verfügung und begab sich in einen regen Austausch mit den Anwesenden.

 

Organisationsentwicklung ist lohnenswerter Weg

 

Der im PEK laufende Prozess der Organisationsentwicklung zielt unter anderem auf eine Stärkung der vertrauensvollen Zusammenarbeit, die Etablierung effizienterer Abläufe sowie die stetige Weiterentwicklung des Kirchenkreisamts zu einem modernen und attraktiven Arbeitgeber. Ein wichtiger Baustein ist dabei die abteilungsübergreifende Kommunikation von Arbeitsprozessen. Zahlreiche Abläufe wurden bereits verbessert, wie beispielsweise der Postlauf oder die Rechnungsbearbeitung. Derzeit laufen in diesem Zusammenhang rund 400 Einzelprozesse. „Es ist ein anspruchsvoller, aber lohnenswerter Weg“, beschrieb Pröpstin Kathrin Kühl das Vorhaben.

 

Höheres Budget für Organisationsuntersuchung

 

Die bereits im November 2025 von der Synode grundsätzlich beschlossene Organisationsuntersuchung soll dazu beitragen, dieser Organisationsentwicklung das notwendige Fundament und harte Daten zur Verfügung zu stellen. Dies ermöglicht eine nachhaltige und mitarbeitendengerechte Umsetzung. Mit Blick auf den erheblichen Aufwand und die Kosten für die Umsetzungsbegleitung durch eine externe Beratungsfirma beschloss die Synode auf der heutigen Tagung, das Budget für die Durchführung der Organisationsuntersuchung im Kirchenkreisamt und im Regionalzentrum um 50.000 Euro auf insgesamt 250.000 Euro zu erhöhen.

 

Erhebung von Verwaltungsgebühren

 

Die Synode beschloss die Satzung über die Erhebung von Verwaltungsgebühren bei der Inanspruchnahme des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises mit Inkrafttreten zum 1. Januar 2027. Ergänzend beschlossen die Synodalen, die Stabsstelle Controlling zu beauftragen, nach der Organisationsuntersuchung bereits bestehende Gebührenordnungen im Kirchenkreis zu evaluieren und gegebenenfalls weitere Gebühren für Dienstleistungen zu ermitteln, die nicht im Pflichtleistungskatalog der Kirchenkreisverwaltungen enthalten sind und der Kirchenkreissynode zur Beschlussfassung spätestens zur nächsten Haushaltsplanung vorzulegen. Hintergrund ist, dass Entgelte, die bisher den Kirchengemeinden für Leistungen der Friedhofsbeauftragten und der Friedhofsverwaltung berechnet wurden, aufgrund gestiegener Personal- und Sachkosten für eine geforderte Refinanzierung nicht mehr auskömmlich sind. Zudem soll die beschlossene Satzung die Senkung von Lizenzkosten für Software ermöglichen.

 

Weitere Themen

 

Zu den weiteren Themen zählten unter anderem der Bericht aus dem Kirchenkreisrat und die Berichte der pröpstlichen Personen aus den Propsteien Demmin, Stralsund und Pasewalk sowie Informationen zum Umgang mit finanziell herausgeforderten Kirchengemeinden. Zudem beschäftigten sich die Synodalen mit mehreren Personalfragen. Ein Grußwort hielt Sebastian Kriedel, der die Kontaktperson des Landeskirchenamts zum pommerschen Kirchenkreis ist. Der Oberkirchenrat berichtete den Synodalen aus der Landessynode.

 

Nächster Synodentermin

 

Die heutige Tagung der pommerschen Kirchenkreissynode begann morgens um 9 Uhr mit einem Gottesdienst in der Zwölf-Apostel-Kirche und endete kurz nach 18.30 Uhr. Von den 55 Synodalen des Kirchenkreises nahmen 44 an der Tagung teil. Das Gremium war damit beschlussfähig. Zudem waren drei Jugenddelegierte während der Tagung anwesend. Geleitet wurde die Synode von Präses Dr. Klemens Grube und den Vizepräsides Pastor Matthias Gienke und Dr. Verena Hoffmann. Schriftführende waren die Synodalen Sylvia Giesecke, Dorothea ter Veen und Reinhard Kurowski. Die nächste Tagung der pommerschen Kirchenkreissynode findet voraussichtlich am 13. März 2027 statt.

 

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Quelle: PEK (sk)