Evangelischen Kirche in Deutschland Trotz Mitgliederschwund stabile Kirchensteuer-Einnahmen

Von Franziska Hein

27.05.2026 · Hannover. Die evangelische Kirche hat im vergangenen Jahr mehr Kirchensteuern eingenommen, obwohl sie Mitglieder verloren hat. Wie passt das zusammen?

Trotz sinkender Mitgliederzahlen hat die evangelische Kirche im vergangenen Jahr einen Anstieg der Kirchensteuer-Einnahmen verzeichnet. Die Einnahmen stiegen um zwei Prozent auf rund 6,1 Milliarden Euro, wie aus der am 20. Mai online veröffentlichten Kirchensteuerstatistik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hervorgeht. In den vergangenen zehn Jahren hat die evangelische Kirche gut fünf Millionen Mitglieder verloren.

 

Wieso sind die Einnahmen so stabil?

 

Weniger Mitglieder zahlen mehr Kirchensteuer, weil Einkommen, Löhne und staatliche Einkommensteuer langfristig gestiegen sind. Die Kirchensteuer hängt direkt an der Lohn- und Einkommensteuer. Sie beträgt in Deutschland je nach Region acht oder neun Prozent der Einkommensteuer. Wenn Löhne steigen oder mehr Menschen gut verdienen, steigen die Kirchensteuereinnahmen, auch wenn die Kirche Mitglieder verliert.

 

Auffällig ist aber: Die Einnahmen wachsen viel langsamer als die staatlichen Einnahmen aus der Lohn- und Einkommensteuer. Deren Aufkommen stieg laut Statistik der EKD von 134,4 Milliarden Euro im Jahr 1996 auf 341,1 Milliarden Euro im Jahr 2025. Der Anteil der Kirchensteuer daran sank von 3,1 auf 1,7 Prozent. Die EKD profitiert demnach zwar weiter von steigenden Einkommen, aber der massive Mitgliederverlust bremst die Einnahmen zunehmend.

 

Wie wirkt sich die Inflation aus?

 

Für die reale Finanzkraft der Kirche ist nicht entscheidend, ob die Einnahmen nominal steigen, sondern ob sie stärker steigen als die Inflation. 2025 stieg das Netto-Gesamtaufkommen der Kirchensteuer laut EKD um zwei Prozent auf rund 6,1 Milliarden Euro. Die Inflationsrate lag laut Statistischem Bundesamt bei 2,2 Prozent. Damit verliert die Kirche Kaufkraft.

 

Mit den zusätzlichen Einnahmen können die 20 evangelischen Landeskirchen und die EKD daher nicht mehr finanzieren als zuvor. Auch die Ausgaben für Gehälter und Pensionen, Energie und die Sozial- und Bildungsarbeit steigen mit der Inflation.

 

Wie groß sind regionale Unterschiede?

 

Die Spannweite bei den einzelnen Landeskirchen ist erstaunlich groß. Der Sechsjahresdurchschnitt der Kircheneinkommen- und Lohnsteuer lag pro Kirchenmitglied in Hessen und Nassau bei 386 Euro, in Württemberg bei 382 Euro und in Baden bei 328 Euro. Demgegenüber stehen die mitteldeutsche Landeskirche mit 205 Euro, die anhaltinische Landeskirche mit 212 Euro und Sachsen mit 221 Euro je Kirchenmitglied.

 

Der wichtigste Grund dafür ist die wirtschaftliche Struktur der Regionen. Während die strukturell schwächeren Landeskirchen wie Anhalt aber ihre Einnahmen aus der Kirchensteuer leicht steigern konnten, verzeichnen finanzstarke Landeskirchen wie Württemberg bereits leichte Rückgänge.

 

Wann ist der Kipppunkt erreicht?

 

Die evangelische Kirche lebt aktuell stark von älteren, einkommensstarken Jahrgängen. Viele der besonders starken Kirchensteuerzahler stammen aus den geburtenstarken Jahrgängen. Wenn diese Generation in Rente geht oder verstirbt, fällt ein erheblicher Teil der Kirchensteuerbasis weg. Zugleich treten jüngere Generationen aus der Kirche aus oder gehören gar keiner Kirche mehr an. Der eigentliche finanzielle Druck dürfte daher erst in den 2030er Jahren voll sichtbar werden, sagen Finanzexperten. Viele Landeskirchen befinden sich bereits in tiefgreifenden Sparprozessen.

 

Wofür gibt die Kirche ihr Geld aus?

 

Ein Großteil des Geldes gibt die Kirche für ihr eigenes Personal aus, etwa vor Ort in Gemeinden. Ein Teil des Geldes wird auch für den Unterhalt der vielen Kirchengebäude benötigt. Allerdings fließen Kirchensteuern auch in soziale Einrichtungen der Kirche. So befinden sich laut EKD deutschlandweit in den Einrichtungen der Diakonie ein Fünftel aller stationären Plätze für Menschen mit Behinderung. Rund 1.100 Schulen sind in evangelischer Trägerschaft. Und fast jedes siebte Kind in Deutschland geht in einen evangelischen Kindergarten. Durchschnittlich zehn Prozent der laufenden Kosten in den Kitas werden dabei mit eigenem Geld finanziert.

Quelle: epd